SAP Aktie: EU-Kommission akzeptiert Kartell-Zusagen
SAP erhält grünes Licht von der EU-Kommission für Support-Verpflichtungen, während Übernahmen das KI-Portfolio stärken und die Gewinnprognose beeinflussen.

- EU-Kommission akzeptiert SAP-Support-Zusagen
- Bundeskartellamt stellt Verfahren ein
- Übernahmen von Dremio und Prior Labs
- Gewinnprognose durch Zukäufe belastet
Die Europäische Kommission hat am 9. Juli die Verpflichtungsangebote von SAP zu den Support-Dienstleistungen im Anschlussmarkt für die On-Premises-ERP-Software des Konzerns akzeptiert. Damit sind die Zusagen nach EU-Kartellrecht seither rechtsverbindlich – ein formaler Schlusspunkt unter ein wettbewerbsrechtliches Verfahren, das die Brüsseler Behörde wegen möglicher Beschränkungen im Support-Geschäft für ERP-Bestandskunden eingeleitet hatte.
Rechtsverbindliche Zusagen an Brüssel
Die Entscheidung der EU-Kommission reiht sich in eine Serie regulatorischer Entlastungen ein. Bereits vor gut einer Woche hatte das Bundeskartellamt seine vorläufige Untersuchung gegen SAP eingestellt und mitgeteilt, die Vorwürfe seien bislang nicht substantiiert worden – die Behörde beabsichtigt derzeit keine Missbrauchsverfahren.
Beide Verfahren, das deutsche und das europäische, betrafen unterschiedliche Aspekte des SAP-Geschäftsmodells, enden nun aber in einem für den Konzern günstigen Ergebnis: Auf nationaler Ebene ohne Sanktionen, auf EU-Ebene mit klar definierten, aber rechtlich fixierten Zusagen statt einer Sanktionierung.
Zukäufe drücken auf die Gewinnprognose
Parallel zur regulatorischen Entspannung baut SAP sein KI-Portfolio aus. Am 6. Juli schloss der Konzern die Übernahme von Dremio ab, einem Anbieter einer offenen Data-Lakehouse-Plattform, die das Angebot im Bereich agentischer KI erweitern soll.
Am 17. Juli folgte der Abschluss der Akquisition von Prior Labs, nach eigenen Angaben Pionier sogenannter Tabellarischer Foundation Models. SAP kündigte an, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um Prior Labs zu einem führenden Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten auszubauen.
Diese Zukäufe haben einen unmittelbaren Effekt auf die Zahlen: Der verwässernde Einfluss der beiden im Juli abgeschlossenen Übernahmen auf das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 wird laut Unternehmensangaben mehr als 100 Millionen Euro betragen und ist bereits in die aktualisierte Prognose eingepreist. Diese sieht ein Non-IFRS-Betriebsergebnis von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro vor, nach 10,42 Milliarden Euro im Vorjahr – ein währungsbereinigtes Plus von 13 bis 17 Prozent.
Beim Cloud-Umsatz kalkuliert SAP mit 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro, verglichen mit 21,02 Milliarden Euro 2025. Diese Ausblicke hatte SAP bereits vor gut einer Woche zusammen mit den Quartalszahlen vorgelegt, als auch der Cloud-Auftragsbestand um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zulegte – die Aktie legte seither um 5,1 Prozent zu.
Analysten bleiben vorsichtig optimistisch
Nicht alle Bankhäuser sehen die zusätzlichen Investitionen unkritisch. Barclays senkte am 28. Juli das Kursziel für SAP von 255 auf 220 Euro und begründete den Schritt mit kurzfristigen Unsicherheiten bei den Kosten. An der grundsätzlich positiven Einschätzung hielt das Institut jedoch fest und bestätigte die Einstufung „Overweight“.
Kursbild: Rally trifft auf überkaufte Signale
Am Markt zeigt sich die Gemengelage aus regulatorischer Entlastung, KI-Investitionen und durchwachsenen Analystenreaktionen in einer volatilen, aber insgesamt aufwärtsgerichteten Kursentwicklung. Die Aktie notiert aktuell bei 177,70 Euro und gibt damit im Tagesverlauf leicht um 0,43 Prozent ab.
Nach der kräftigen Erholung der vergangenen Wochen liegt der Kurs inzwischen 2,79 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Signal, dass der mittelfristige Abwärtstrend, der SAP seit dem Rekordhoch im vergangenen August begleitet hatte, durchbrochen ist.
Der Relative-Stärke-Index von 73,7 deutet allerdings auf eine kurzfristig überkaufte Marktlage hin, was nach der jüngsten Rally nicht überrascht. Anleger sollten diesen Wert als Hinweis auf mögliche Konsolidierungsphasen werten, weniger als Kaufsignal in die eine oder andere Richtung.
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