SAP Aktie: EU-Kommission beendet Kartellverfahren

SAP vermeidet Kartellbuße durch zehnjährige Zusagen zu faireren Wartungsverträgen. Analysten uneins über KI-Monetarisierung und Kursentwicklung.

Die Kernpunkte:
  • EU-Verfahren ohne Geldstrafe beendet
  • Zehn Jahre Zugeständnisse bei Wartung
  • Analysten streiten über KI-Erlöspotenzial
  • Aktie nahe 52-Wochen-Tief vor Quartalszahlen

Ein Bußgeld bleibt aus, dafür verpflichtet sich der Softwarekonzern für zehn Jahre zu weitreichenden Zugeständnissen bei Vertragslaufzeiten und Gebühren im Wartungs- und Supportgeschäft. Die Entscheidung markiert das Ende eines langjährigen Streits über die Praktiken des Unternehmens gegenüber seinen Kunden und dürfte die Beziehung zur eigenen Anwenderbasis entspannen.

Zehn Jahre Zugeständnisse bei Wartungsverträgen

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) begrüßte die Einigung ausdrücklich. Fachvorstand Michael Bloch hob hervor, dass Kunden künftig mehr Wahlfreiheit bei der Gestaltung ihrer Wartungsmodelle erhalten. Zudem entfällt der Verzicht auf Reaktivierungsgebühren, die bislang beim Wiedereinstieg in bestimmte Supportvereinbarungen anfielen. Für Unternehmen, die ihre SAP-Landschaft über Jahre hinweg pflegen, dürfte das die Flexibilität bei Vertragsverhandlungen deutlich erhöhen. Die zehnjährige Bindungsfrist zeigt zugleich, wie ernst die Kommission die vorherigen Praktiken eingestuft hatte, auch wenn am Ende kein Bußgeld verhängt wurde.

Analysten senden gemischte Signale

Kurz vor dem Verfahrensabschluss hatte UBS-Analyst Michael Briest sein Kursziel für SAP von 205,00 Euro auf 164,00 Euro gesenkt, die Einstufung „Buy“ aber beibehalten. Als Begründung nannte er die schwierige Monetarisierung komplexer KI-Agenten im ERP-Umfeld – ein Hinweis darauf, dass sich die hohen Erwartungen an SAPs Künstliche-Intelligenz-Strategie nicht so schnell in Umsatz übersetzen lassen wie erhofft.

Morningstar-Analyst Rob Hales bestätigte hingegen das „Buy“-Rating mit einer deutlich höheren Fair-Value-Schätzung von 265,00 Euro. Allerdings warnte er vor einem Risiko auf Kundenseite: Steigende Energiekosten könnten IT-Budgets zunehmend zugunsten von Hardware-Investitionen umschichten, was Software-Anbietern wie SAP Wachstumsspielraum nehmen würde. Die Spanne zwischen UBS‘ vorsichtigerem Kursziel und Morningstars optimistischer Fair-Value-Einschätzung zeigt, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die kurzfristigen Monetarisierungsrisiken der KI-Strategie gegenüber dem langfristigen Softwaregeschäft gewichten.

Übernahme, Sicherheitslücken und ein prominenter Kunde

Auf operativer Ebene hat SAP die Übernahme der Datenplattform Dremio vollzogen. Ziel ist die Integration von Drittanbieter-Daten in die eigene KI-Umgebung, ohne dass Daten dafür verschoben werden müssen – ein Baustein der Strategie, die eigene Business-AI-Plattform an bestehende Kundendateninfrastrukturen anzudocken.

Im Rahmen des monatlichen Patch-Days schloss SAP zudem 16 Sicherheitslücken, darunter drei kritische Schwachstellen in NetWeaver, Commerce Cloud und AppRouter. Solche Wartungszyklen gehören zum Kerngeschäft des Unternehmens und werden von Kunden im hochregulierten Umfeld genau beobachtet.

Als Beleg für die praktische Relevanz der Cloud-Strategie meldete das Universitätsklinikum Freiburg den erfolgreichen Abschluss der Migration seiner gesamten ERP-Produktivumgebung auf SAP S/4HANA – ein Referenzprojekt aus dem für SAP wichtigen Gesundheitssektor.

Kursbild vor den Quartalszahlen

An der Börse zeigt sich die Aktie derzeit angeschlagen. Am Freitag schloss das Papier bei 138,50 Euro, ein Rückgang von 1,81 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht SAP mit 33,53 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, das erst Ende Juni markiert wurde, beträgt der Puffer nach oben nur noch 5,89 Prozent – die Aktie bewegt sich damit näher an ihrer Jahrestiefmarke als an früheren Höchstständen.

Im Fokus der Anleger steht nun der 23. Juli. Dann veröffentlicht SAP die Finanzergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026, geplant für 22:05 Uhr MESZ, gefolgt vom Analysten-Call um 23:00 Uhr. Die Konsenserwartung für das Cloud-Umsatzwachstum liegt bei 22 Prozent. Angesichts der Diskussion um die Monetarisierung von KI-Funktionen dürfte dieser Wert zum zentralen Prüfstein werden, ob SAP seine ambitionierten Wachstumsversprechen im laufenden Umbau zum KI-getriebenen Cloud-Anbieter einhalten kann.

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