SAP Aktie: Frist treibt Kurs

SAP verzeichnet starkes Cloud-Wachstum, senkt aber den operativen Ausblick aufgrund von Zukäufen. Der Aktienkurs reagiert positiv auf die Quartalszahlen.

Die Kernpunkte:
  • Cloud-Auftragsbestand steigt auf 22,9 Milliarden Euro
  • Operatives Ergebniswachstum bleibt hinter Erwartungen
  • Jahresprognose für bereinigtes Ergebnis gesenkt
  • Analysten bewerten Margenentwicklung unterschiedlich

SAP legt Zahlen vor, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken: Der Auftragsbestand in der Cloud sprengt die Erwartungen, während der Ausblick beim operativen Gewinn sinkt. Die Börse entscheidet sich am Freitag klar für die erste Lesart. Die Aktie springt auf 133,90 Euro und entfernt sich damit deutlich vom Tief seit November 2023, das erst am Vortag bei 127,50 Euro markiert wurde.

Cloud-Geschäft übertrifft die Erwartungen

Der sogenannte Current Cloud Backlog – also der Wert aller Cloud-Abo-Verträge, die in den kommenden zwölf Monaten Umsatz bringen sollen – wuchs bis Ende Juni um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Das Tempo zog gegenüber dem ersten Quartal sogar noch an. Im zweiten Quartal selbst kletterte der Cloud-Umsatz um 22 Prozent, der Gesamtumsatz stieg auf 9,88 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben 2,21 Milliarden Euro Gewinn übrig, ein Viertel mehr als im Vorjahresquartal.

Hinter dem Boom steckt auch ein handfester äußerer Zwang: Der reguläre Support für ältere SAP-Software läuft 2027 aus. Viele Kunden müssen ihre Systeme deshalb ohnehin modernisieren – ein Umstand, der die Migration in die Cloud zusätzlich beschleunigt.

Zukäufe drücken den Ergebnisausblick

Die Kehrseite: Das operative Ergebnis stieg im Quartal nur um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Finanzchef Dominik Asam nannte höhere Marketingkosten für KI-Produkte sowie steigende Kosten für den Einsatz von KI-Modellen als Gründe. Vorstandschef Christian Klein senkte deshalb die Jahresprognose für das bereinigte operative Ergebnis auf ein währungsbereinigtes Wachstum zwischen 13 und 17 Prozent, nach zuvor 14 bis 18 Prozent.

Als alleinigen Grund nannte das Management die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs, die im zweiten Halbjahr noch Verluste einbringen dürften. Ohne die Zukäufe hätte SAP den Ausblick nach Asams Darstellung sogar anheben können. Bei Umsatz und dem erwarteten Barmittelzufluss von rund 10 Milliarden Euro hält der Konzern an seinen Jahreszielen fest – vorausgesetzt, der Nahostkonflikt deeskaliert wie unterstellt.

Analysten uneins bei der Marge

Jefferies-Analyst Charles Brennan bestätigte sein „Buy“-Rating mit Kursziel 210 Euro und wertet den starken Auftragsbestand als Beleg für eine robuste Nachfrage im zweiten Quartal – stärker, als selbst er erwartet hatte. JPMorgan-Analyst Toby Ogg sieht das kritischer: Er spricht von einer negativen Überraschung bei der Marge und macht die Jahresprognose von einer Beschleunigung im zweiten Halbjahr abhängig.

Genau dort liegt der Knackpunkt für die kommenden Monate. Klein sprach im Analystencall zudem von einer Produktivitätssteigerung von 30 Prozent in der Softwareentwicklung durch den KI-Einsatz – ein Effekt, der laut Asam in sensiblen Bereichen wie Finanzwesen oder Lieferketten aber noch strengere Sicherheitsstandards erfordert, bevor er sich in der Marge niederschlägt.

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