SAP Aktie: IBM-Schock trifft Software-Riesen

Schwache IBM-Zahlen und Budgetverschiebungen zu Hardware setzen SAP-Aktie massiv unter Druck. Analysten diskutieren Erholungschancen.

Die Kernpunkte:
  • IBM-Quartalszahlen belasten gesamte Branche
  • Kunden priorisieren Hardware vor Cloud-Projekten
  • SAP-Aktie nur knapp über 52-Wochen-Tief
  • Kritische Sicherheitslücke in NetWeaver entdeckt

Ein Kurseinbruch bei IBM reißt die gesamte Software-Branche mit. SAP steht am Mittwoch nur noch 3,91 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Der Grund liegt nicht im eigenen Geschäft, sondern in einer Zahl aus Armonk: IBM meldete für das zweite Quartal nur 1 Prozent Umsatzwachstum.

Ausgangslage: Der IBM-Schock und die Software-Sorgen

IBM-CEO Arvind Krishna lieferte am Dienstag die eigentliche Schockmeldung. Unternehmenskunden verschieben ihre Budgets massiv Richtung Hardware. Sie kaufen Server und Speicher, um der „Chipflation“ und der Knappheit bei KI-Komponenten zuvorzukommen.

Diese Umschichtung geht zulasten von Software- und Cloud-Projekten. Der ganze Sektor spürt das. SAP schloss den Dienstag bei 135,92 Euro, das Minus seit Jahresanfang liegt bei 32,71 Prozent.

Zeitgleich wurde ein weiteres Detail bekannt: Am Juli-Patch-Day musste SAP eine kritische Sicherheitslücke in NetWeaver ABAP schließen. Der CVSS-Wert von 9,9 markiert den höchsten Schweregrad überhaupt. Das Risiko bleibt operativ, nicht strategisch — aber es kommt zur Unzeit.

Die entscheidende Frage: Speedbump oder strukturelle Flaute?

Für SAP-Anleger zählt jetzt eine einzige Unterscheidung. Ist die Hardware-Priorisierung nur eine kurzfristige Reaktion auf Lieferengpässe bei Halbleitern? Oder fressen die KI-Infrastrukturkosten die Cloud-Budgets der Unternehmen dauerhaft auf?

Davon hängt ab, ob SAP sein Cloud-Wachstum halten kann. Oder ob die Walldorfer ihre mittelfristigen Ziele wegen sinkender Software-Nachfrage kassieren müssen.

Bullisches Szenario: Resilienz durch Transformation

Für eine Erholung spricht die tiefe Verankerung von SAP-Systemen in den Betriebsabläufen der Kunden. ERP-Software lässt sich nicht einfach abbestellen wie ein Zusatztool. Diese Stickiness dürfte SAP robuster machen als viele andere SaaS-Anbieter.

Berenberg rechnet trotz gesenkter Kursziele weiterhin mit deutlichem Erholungspotenzial für die Aktie. Ein plausibles Szenario: Kunden, die jetzt KI-Hardware kaufen, brauchen im nächsten Schritt passende Unternehmenssoftware, um daraus Produktivität zu ziehen. Das könnte SAP mit Verzögerung zugutekommen.

Auch das technische Bild liefert einen Hinweis. Der RSI liegt bei 42,9 und zeigt noch keine extrem überverkaufte Lage. Die Marktkapitalisierung von 164,32 Milliarden Euro hat bereits erhebliche Abschläge eingepreist. Hält sich die Aktie oberhalb der 130,80 Euro, wäre das ein erstes Signal für eine Bodenbildung.

Bärisches Szenario: Der SaaS-Reckoning-Faktor

Das Risiko liegt in einer möglichen Verstetigung der Budgetverschiebung. Bleiben die Preise für DDR5-Speicher und HBM-Module hoch, dürften Unternehmen weiter in Hardware investieren statt in Cloud-Transformation. SAP fehlten dann die Mittel auf Kundenseite für neue Projekte.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt 23,53 Prozent. Diese Zahl zeigt, wie tief der aktuelle Abwärtstrend bereits reicht. Hinzu kommt das Sicherheitsthema: Als Workaround gegen die NetWeaver-Lücke müssen Kunden ICF-Knoten deaktivieren, was die Funktionalität einschränkt. Das ist kein Kursargument, aber ein Reputationsrisiko.

Sollte SAP bei kommenden Berichten eine ähnliche Verlangsamung wie IBM einräumen, droht ein Bruch des 52-Wochen-Tiefs. Das würde technisch weiteres Abwärtspotenzial eröffnen.

Ausblick: Zwei Marken entscheiden die nächste Phase

Kurzfristig hängt die Richtung der Aktie davon ab, wie der Markt den IBM-Schock einordnet. Verteidigt SAP die Marke bei 130,80 Euro, bleibt eine technische Erholung Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei 145,29 Euro realistisch.

Fällt die Aktie nachhaltig darunter, dürfte sich der Blick der Anleger auf die Jahresprognose verschieben. Der nächste konkrete Prüfstein: die eigenen Quartalszahlen im laufenden dritten Quartal 2026. Dann muss das Management Stellung zur Budgetdynamik im KI-Umfeld beziehen — und zeigen, ob sich die IBM-Warnung auch bei SAP bestätigt.

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