SAP-Aktie: Insider kaufen, Barclays bremst – wer hat recht?

SAP-Aktie zeigt Erholungstendenzen, doch gesenkte Gewinnprognose und überkaufte Indikatoren trüben das Bild. Q3-Zahlen als Richtungsweiser.

Die Kernpunkte:
  • Insiderkäufe trotz Kursrückgang
  • BlackRock erhöht Stimmrechtsanteil
  • Barclays senkt Kursziel für SAP
  • Q3-Zahlen als entscheidender Test

Ausgangslage

Während SAP-Kurs und Stimmung sich von den Tiefs des Sommers erholt haben, mehren sich derzeit widersprüchliche Signale rund um die Aktie. Auf der einen Seite haben Vorstandsmitglieder Ende Juli in zwei separaten Transaktionen SAP-Aktien gekauft – am 24. Juli 2.435 Stück zu einem Durchschnittspreis von 133,56 Euro, drei Tage später weitere 10.000 Stück zu 97,24 Euro.

Parallel hat BlackRock seinen Stimmrechtsanteil Anfang August auf 6,75 Prozent erhöht, und eine korrigierte Stimmrechtsmitteilung zeigt, dass Harald Tschira infolge von Stimmbindungsverträgen mit Udo Tschira seit Ende Juli über 4,22 Prozent der Stimmrechte verfügt.

Auf der anderen Seite hat Barclays Ende Juli sein Kursziel von 255 auf 220 Euro gesenkt und die Reduktion mit kurzfristigen Unsicherheiten bei der Kostenentwicklung begründet – bei gleichzeitig bestätigter Kaufempfehlung „Overweight“.

Die Aktie notiert aktuell bei 177,84 Euro, ein Fünftel über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 147,70 Euro, aber weiterhin gut ein Viertel unter dem 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro. Diese Gegensätze zählen jetzt, weil sich in den kommenden Wochen entscheidet, welches Signal das Kursbild dominiert.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht die Kostenseite: SAP hat die Guidance für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 von zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro gesenkt – ausdrücklich wegen eines Verwässerungseffekts aus den abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs, geschätzt auf mehr als 100 Millionen Euro.

Die Cloud-Umsatz-Guidance von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro (währungsbereinigt) blieb dagegen unangetastet. Die entscheidende Frage für Anleger lautet damit: Verkraftet SAP die Integrationskosten der KI-Zukäufe, ohne dass die operative Marge dauerhaft leidet – oder war die Guidance-Senkung erst der Anfang einer Serie von Nachjustierungen?

Bullisches Szenario

Für Optimisten sprechen mehrere Datenpunkte. Der Cloud-Backlog wuchs im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, die Cloud-ERP-Suite legte währungsbereinigt um 27 Prozent zu.

Diese Kennzahlen zeigen, dass das Kerngeschäft trägt, während die Zusatzkosten aus Dremio und Prior Labs klar abgegrenzt und mit über einer Milliarde Euro Investitionsvolumen über vier Jahre in Prior Labs bewusst als strategische Wette auf tabellarische Foundation Models gerahmt sind – nicht als operative Schwäche.

Die Insiderkäufe der Vorstandsmitglieder zu Kursen von 97 und 133 Euro, deutlich unter dem aktuellen Niveau, lassen sich als Vertrauenssignal in die mittelfristige Entwicklung lesen.

Auch die Aufstockung von BlackRock auf 6,75 Prozent und die verstärkte Stimmbindung im Umfeld der Familie Tschira deuten auf zunehmendes institutionelles beziehungsweise langfristiges Engagement hin. Hinzu kommt: Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen SAP vor gut einer Woche eingestellt, ohne formales Missbrauchsverfahren einzuleiten – ein regulatorisches Risiko ist damit vom Tisch.

Bärisches Risiko

Das Gegenargument liegt in der Natur der Guidance-Senkung selbst: Sie kam nicht aus dem operativen Geschäft, sondern aus M&A-Integration – und genau das ist der Punkt, an dem Barclays trotz bestätigter Kaufempfehlung vorsichtiger wurde.

Wenn die Verwässerungseffekte aus Dremio und Prior Labs größer ausfallen als die geschätzten gut 100 Millionen Euro, oder wenn weitere Zukäufe folgen, könnte die Marge stärker unter Druck geraten als bislang kommuniziert.

Zudem bewegt sich die Aktie mit einem RSI von 70,5 in überkaufter Zone, nach einem 30-Tage-Anstieg von 31 Prozent – ein technisches Warnsignal für kurzfristige Rückschläge, unabhängig von der fundamentalen Story. Auf Jahressicht steht die Aktie weiterhin mit 25 Prozent im Minus, ein Hinweis darauf, dass das Vertrauen der breiteren Anlegerschaft noch nicht vollständig zurückgekehrt ist.

Auch regelmäßige Sicherheitslücken – zuletzt 28 neue Security Notes am Patch Day vom 11. August – sind kein Kursrisiko im klassischen Sinn, zeigen aber die operative Komplexität eines Software-Riesen mit wachsender KI-Angriffsfläche.

Ausblick

Solange der Cloud-Backlog zweistellig wächst und die Cloud-Umsatz-Guidance unangetastet bleibt, dürfte der Markt die Kostenbelastung aus den KI-Übernahmen als vorübergehend einstufen – dann bleibt Raum für eine Fortsetzung der Erholung Richtung des 200-Tage-Durchschnitts von 171,99 Euro und darüber.

Kippt hingegen die Non-IFRS-Marge im weiteren Jahresverlauf stärker ab als die kommunizierte Bandbreite von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, dürfte sich die Vorsicht von Barclays als berechtigt erweisen und weitere Kurszielsenkungen nach sich ziehen.

Der nächste konkrete Prüfstein sind die Q3-Zahlen, die SAP für den 21. Oktober angesetzt hat – dort wird sich zeigen, ob die Integrationskosten der Übernahmen bereits abklingen oder die Guidance erneut unter Druck setzen.

Anzeige

SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 13. August liefert die Antwort:

Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu SAP