SAP Aktie: JPMorgan zweifelt am Sparkurs

SAPs Sparprogramm stößt auf Skepsis. Analysten sehen hohen Investitionsbedarf im KI-Bereich als Grund für die Kostendisziplin.

Die Kernpunkte:
  • Kostendisziplin löst gemischte Reaktionen aus
  • JPMorgan-Analyst bewertet Sparkurs kritisch
  • Dremio-Übernahme für KI-Plattform abgeschlossen
  • Quartalszahlen am 23. Juli erwartet

Ein Sparprogramm bei SAP löst gemischte Reaktionen aus. Kritiker sehen darin kein Zeichen der Stärke, sondern ein Warnsignal. Grund: der hohe Investitionsbedarf des Softwarekonzerns im KI-Bereich.

Die Aktie schloss am Freitag bei 138,50 Euro, ein leichtes Plus von 0,13 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 0,59 Prozent. Über 30 Tage hat sich der Kurs um 6,52 Prozent verbilligt.

Naher Osten belastet Technologiewerte

Die jüngste Schwäche hängt auch mit der Lage im Nahen Osten zusammen. Berichte über US-Angriffe auf iranische Ziele beendeten am Mittwoch abrupt eine kurze Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Der gesamte Technologiesektor geriet daraufhin unter Druck, SAP gehörte im DAX zeitweise zu den Ausreißern.

Die Aktie notiert damit deutlich über ihrem Jahrestief. Am 25. Juni fiel der Kurs auf 130,80 Euro, das aktuelle 52-Wochen-Tief. Zum Rekordhoch von 265,75 Euro aus dem Juli 2025 klafft weiterhin eine Lücke von 47,88 Prozent. Der RSI liegt bei 45,8 – eine neutrale Marktlage ohne klare Über- oder Unterkauft-Situation.

Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Kurs nahezu halbiert. Das Minus seit Jahresbeginn beträgt 31,44 Prozent. Auch der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 178,70 Euro zeigt das Ausmaß: minus 22,50 Prozent.

JPMorgan zweifelt am Sparkurs

Im Zentrum der Debatte steht die Kostendisziplin, die SAP verordnet hat. Der Konzern kürzt Ausgaben für Personal und Reisen. Die frei werdenden Mittel fließen gezielt in die KI-Entwicklung.

Konkret konzentriert SAP Neueinstellungen künftig auf ausgewählte Profile, vor allem zentrale KI-Rollen. Dienstreisen für interne Veranstaltungen ohne KI-Bezug setzt der Konzern aus.

JPMorgan-Analyst Toby Ogg bewertet diesen Kurs kritisch. Er sieht darin kein Zeichen der Stärke. Stattdessen deutet der Sparkurs für ihn auf den enormen Investitionsbedarf des Konzerns hin. Trotzdem belässt Ogg die Aktie auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro.

Dremio-Übernahme abgeschlossen

Kurz vor der aktuellen Kursentwicklung hat SAP eine Übernahme im Bereich der Datenplattformen abgeschlossen. Am 6. Juli 2026 gab der Konzern den erfolgreichen Kauf von Dremio bekannt, einem Anbieter offener Data-Lakehouse-Technologie.

Die Übernahme soll SAPs Angebot im Bereich agentischer KI erweitern. Kunden sollen künftig Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Umgebungen kombinieren können – ohne dass Daten bewegt oder konvertiert werden müssen. Der Zukauf reiht sich in eine Serie strategischer Akquisitionen ein, mit denen SAP seine Datenplattform-Strategie ausbaut.

Zahlen Ende Juli im Blick

SAP befindet sich aktuell in der Stillephase vor der Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Die Zahlen kommen am 23. Juli um 22:05 Uhr MESZ, eine Telefonkonferenz für Analysten folgt um 23:00 Uhr.

Analysten erwarten vor allem Aufschluss über den Cloud-Auftragsbestand und die operative Marge. Diese Kennzahlen dürften zeigen, ob die Kostendisziplin die Profitabilität sichert – oder das Wachstumstempo bremst.

Charttechnisch bleibt die Marke von 130,80 Euro der entscheidende Referenzpunkt. Ein Bruch dieser Unterstützung würde den seit Monaten laufenden Abwärtstrend zusätzlich bestätigen.

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