SAP Aktie: Prior Labs und Dremio für über 1 Milliarde

SAP verzeichnet starke operative Zahlen, doch der Aktienkurs fällt auf ein Jahrestief. Analysten sehen trotz KI-Investitionen und Zinssorgen enormes Kurspotenzial.

Die Kernpunkte:
  • Aktie nahe 52-Wochen-Tief
  • Cloud-Umsatz wächst um 27 Prozent
  • Milliarden-Investition in KI-Firmen
  • Analysten sehen Kurspotenzial über 80 Prozent

Starke Zahlen, schwache Kurse. Bei SAP klaffen operative Realität und Börsenstimmung extrem weit auseinander. Der Softwareriese treibt seine teuerste KI-Expansion seit Jahren voran. Die Börse quittiert das mit fallenden Notierungen.

Am Montag schloss das Papier bei 131,10 Euro. Das ist nur einen Wimpernschlag vom neuen 52-Wochen-Tief bei 130,82 Euro entfernt. Seit Jahresbeginn hat der DAX-Konzern rund 35 Prozent an Wert verloren. Der Rückgang reiht sich in einen breiten Ausverkauf bei Softwarewerten ein. Investoren fürchten einen technologischen Umbruch. Standard-Module könnten durch Künstliche Intelligenz künftig schneller und billiger entstehen. Ein echtes Risiko.

Operatives Geschäft wächst weiter

Das operative Bild steht in scharfem Kontrast zum Kursverfall. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Gesamtumsatz auf 9,56 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von sechs Prozent.

Besonders das Cloud-Geschäft wächst rasant. Die Erlöse legten hier währungsbereinigt um 27 Prozent zu. Parallel dazu stieg der Cloud-Auftragsbestand auf fast 22 Milliarden Euro. Das durchgängig stabile Wachstum reicht aktuell aber nicht aus, um Käufer anzulocken.

Zwei Übernahmen für die KI-Strategie

Während der Kurs fällt, kauft das Management gezielt ein. SAP plant die Übernahme von Prior Labs und Dremio. Der Konzern investiert in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro. Prior Labs soll zu einem führenden Labor für strukturierte Daten aufsteigen. Dremio integriert derweil interne und externe Daten nahtlos in die Cloud.

Laut Technikchef Philipp Herzig liegt die größte Chance nicht bei großen Sprachmodellen. Er sieht das Potenzial bei KI für strukturierte Geschäftsdaten. Tabellarische Modelle werten Lieferketten oder Zahlungen präziser aus als bisherige Ansätze. Der Abschluss beider Deals ist für das dritte Quartal 2026 geplant.

Zinsangst drückt die Bewertung

Neben den KI-Sorgen belastet das makroökonomische Umfeld. Die US-Notenbank beließ die Leitzinsen Mitte Juni bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Goldman Sachs rechnet nun frühestens 2027 mit Zinssenkungen. Für hoch bewertete Wachstumstitel erhöht das den Abzinsungsfaktor spürbar.

Analysten bleiben trotz des Gegenwinds optimistisch. Die Privatbank Berenberg rät weiterhin zum Kauf. Sie ruft 215 Euro als Kursziel auf.

Der Marktkonsens von 66 Experten sieht den fairen Wert sogar bei gut 247 Euro. Das entspricht einem massiven Aufwärtspotenzial.

Am 23. Juli präsentiert das Management die Halbjahreszahlen. Zwei Kennzahlen stehen dann im Fokus: der Cloud-Auftragsbestand und die Cloud-Bruttomarge. Diese Werte werden konkret belegen, ob sich die massiven KI-Investitionen bereits in zahlungspflichtige Abonnements übersetzen. Liefert SAP hier ab, könnte das den Abwärtsdruck mindern.

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