SAP Aktie: Prognose auf 11,8 bis 12,2 Milliarden

SAP senkt operative Ergebniserwartung für 2026 aufgrund von Übernahmen, während Cloud-Erlöse und Aktie deutlich zulegen.

Die Kernpunkte:
  • Prognose für operatives Ergebnis gesenkt
  • Cloud-Umsatz steigt um 22 Prozent
  • Aktie springt um über sieben Prozent
  • Analysten bestätigen Kaufempfehlungen

SAP hat am Donnerstag die Latte für das laufende Geschäftsjahr tiefer gelegt – mitten in einem Quartal, das operativ eigentlich Anlass zur Freude gab. Der Softwarekonzern kappte die Prognose für das währungsbereinigte operative Ergebnis nach Non-IFRS auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Management noch bis zu 12,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Als Grund nannte SAP Verwässerungseffekte aus den frisch abgeschlossenen Übernahmen der Data-Lakehouse-Plattform Dremio und des KI-Spezialisten Prior Labs.

Starkes Kerngeschäft, teure Zukunftswetten

Die Zahlen zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr, die SAP am selben Tag vorlegte, zeichnen ein durchaus robustes Bild des laufenden Geschäfts. Der Current Cloud Backlog, also die bereits vertraglich gesicherten Cloud-Erlöse, kletterte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Die Clouderlöse selbst wuchsen um 22 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg von 1,46 Euro im Vorjahresquartal auf 1,89 Euro. Genau dieser Kontrast prägt die aktuelle Debatte um die Aktie: Das operative Geschäft läuft, doch die Investitionen in künstliche Intelligenz drücken kurzfristig auf die Marge.

Die beiden Zukäufe verdeutlichen, wohin SAP steuert. Die Übernahme von Dremio, die Anfang Juli abgeschlossen wurde, soll die Fähigkeiten im Bereich agentischer KI erweitern. Bei Prior Labs, einem Pionier für sogenannte Tabellarische Foundation Models, ging der Deal am 17. Juli über die Bühne. SAP kündigte an, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau der Einheit zu einem Frontier-AI-Labor zu stecken – eine Investitionssumme, die die kurzfristige Prognosekürzung erklärt, ohne die strategische Stoßrichtung infrage zu stellen. Im Vorfeld der Quartalszahlen war zudem bekannt geworden, dass die Gründerfamilie Tschira ihren Stimmrechtsanteil an SAP erhöht hat. Separat begrüßte der Konzern eine Entscheidung der Europäischen Kommission zum Abschluss der Überprüfung der Richtlinien für Wartung und Support von On-Premise-Lösungen.

Kräftiger Kurssprung nach Wochen der Schwäche

Der Markt honorierte die operative Substanz der Zahlen deutlich stärker, als die gesenkte Prognose belastete. Am Montag schoss die SAP-Aktie um 7,29 Prozent nach oben und schloss bei 150,74 Euro. Der Sprung reiht sich in eine Erholungsbewegung der vergangenen Wochen ein, die dem Titel over sieben Handelstage rund 11 Prozent Kursplus bescherte. Von seinem Rekordhoch bei 258,60 Euro, das die Aktie Ende Juli vergangenen Jahres erreichte, trennen das Papier aber weiterhin gut 41 Prozent. Der jüngste Kurssprung ist damit eher eine Stabilisierung nach einem schmerzhaften Abwärtstrend als eine Trendwende zu alten Höchstständen.

Analysten zwischen Zuversicht und Vorsicht

Mehrere Häuser reagierten am Montag auf die Zahlen und passten ihre Kursziele an, ohne von ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung abzurücken. Goldman Sachs senkte das Kursziel von 230 auf 215 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Analyst Mohammed Moawalla verwies zur Begründung auf den robusten Cloud-Auftragsbestand, der die operative Stärke des Geschäfts unterstreiche. Berenberg schraubte das Ziel von 215 auf 205 Euro herunter und bestätigte ebenfalls „Buy“ – Analyst Nay Soe Naing begründete den Schritt mit den steigenden Kosten der KI-Offensive, die genau jene Prognosesenkung erklären, die SAP selbst kommuniziert hatte.

Weitere Häuser bewegten sich in eine ähnliche Richtung: UBS bestätigte „Buy“ mit einem Kursziel von 164 Euro und hob die Beschleunigung beim kurzfristigen Cloud-Vertragsbestand hervor, Jefferies beließ es ebenfalls bei „Buy“ mit einem Ziel von 210 Euro und bezeichnete den Cloud-Backlog als zentrales Highlight der Quartalszahlen. Die Kursziele der vier Häuser bewegen sich damit zwischen 164 und 215 Euro – durchweg über dem Montagsschlusskurs, aber mit spürbaren Abschlägen gegenüber den vorherigen Einschätzungen. Der Tenor bleibt: Das Cloud-Geschäft überzeugt, die kurzfristigen Kosten der KI-Strategie kosten aber Vertrauen in die Jahresguidance.

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