SAP Aktie: Q2-Zahlen am 23. Juli, Cloud-Konsens 22%
EU-Kommission beendet Kartellverfahren gegen SAP. Analysten zeigen sich vor den Q2-Zahlen gespalten. Der Aktienkurs notiert nahe dem Jahrestief.

- EU stellt Kartellverfahren gegen SAP ein
- Analysten mit unterschiedlichen Kurszielen
- Quartalszahlen am 23. Juli erwartet
- Aktienkurs nahe 52-Wochen-Tief
Für SAP verdichten sich in diesen Tagen mehrere Ereignisse: Die Europäische Kommission hat ein langjähriges Kartellverfahren gegen den Softwarekonzern beendet, während sich Analysten in ihrer Einschätzung zunehmend uneinig zeigen. Zugleich rückt der Termin für die Quartalszahlen näher, und der Aktienkurs bewegt sich nahe seines Jahrestiefs.
EU-Kommission stellt Kartellverfahren ein
Die Europäische Kommission hat das Kartellverfahren gegen SAP zu dessen Wartungs- und Supportrichtlinien am 9. Juli 2026 offiziell eingestellt. SAP entgeht damit einer möglichen Milliardenstrafe, muss dafür aber für zehn Jahre Verpflichtungszusagen einhalten. Dazu zählt unter anderem der Verzicht auf Reaktivierungsgebühren bei On-Premise-Systemen. Für Bestandskunden mit älteren Installationen dürfte das den Wechsel zwischen Wartungsmodellen künftig erleichtern – ein Punkt, der im Zusammenhang mit der laufenden Cloud-Transformation des Konzerns an Bedeutung gewinnt.
Analysten mit gegensätzlichen Signalen
Die Einschätzungen der Analystenhäuser zeichnen aktuell ein gemischtes Bild. Bernstein bestätigte am 16. Juli 2026 die Einstufung „Buy“ für SAP und nannte ein Kursziel von 276,00 Euro. Morningstar-Analyst Rob Hales bezifferte am 17. Juli 2026 seine Fair-Value-Schätzung auf 265,00 Euro, verwies in seinem Bericht aber auch auf Risiken für die IT-Budgets der Kunden durch den Iran-Konflikt und steigende Energiekosten.
Deutlich vorsichtiger äußerte sich UBS-Analyst Michael Briest bereits am 13. Juli 2026: Er senkte sein Kursziel für SAP von 205,00 Euro auf 164,00 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Begründung nannte er die hohe Komplexität bei der Integration und Monetarisierung neuer KI-Agenten – ein Thema, das für SAP angesichts der eigenen Ambitionen im Bereich der „agentischen KI“ zentral ist.
Zusätzlichen Gegenwind lieferten überraschend schwache vorläufige Quartalszahlen des US-Wettbewerbers IBM am 14. Juli 2026, der einen Umsatz von 17,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht stellte. Die Zahlen belasteten Medienberichten zufolge den gesamten Softwaresektor, da Anleger eine Priorisierung von IT-Budgets für KI-Hardware zulasten von Software-Projekten fürchten – eine Sorge, die auch auf SAP ausstrahlt.
Zahlen-Termin und operative Entwicklungen
Am 23. Juli 2026 veröffentlicht SAP nach Börsenschluss, gegen 22:05 Uhr MESZ, die Finanzergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Der Analystenfokus liegt dabei auf dem Cloud-Umsatzwachstum, für das der Konsens 22 Prozent erwartet, sowie auf der Entwicklung des Cloud-Auftragsbestands. Seit dem 22. Juni 2026 befindet sich SAP in der sogenannten „Quiet Period“ und äußert sich bis zur Veröffentlichung nicht zur aktuellen Geschäftsentwicklung.
Operativ hat SAP zuletzt zwei Schritte vollzogen: Am 6. Juli 2026 wurde die Übernahme von Dremio abgeschlossen. Die Data-Lakehouse-Plattform soll das Angebot im Bereich der agentischen KI, konkret die Autonomous Suite, technisch erweitern. Am 14. Juli 2026 führte der Konzern zudem seinen monatlichen Patch-Day durch und behob 16 Sicherheitslücken, darunter drei kritisch eingestufte Schwachstellen in den Lösungen NetWeaver, Commerce Cloud und AppRouter.
Kurs nahe Jahrestief
Der Aktienkurs spiegelt die angespannte Stimmung wider. Am Freitag schloss die SAP-Aktie bei 138,86 Euro, ein Rückgang von 1,56 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 33,35 Prozent zu Buche. Der aktuelle Kurs liegt nur noch 6,16 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, das am 25. Juni 2026 markiert wurde – und damit weit unter den Kurszielen von Bernstein und Morningstar sowie dem gesenkten Ziel von UBS. Die Spanne zwischen den optimistischsten und den vorsichtigsten Analystenerwartungen zeigt, wie unterschiedlich die Aussichten für die anstehenden Quartalszahlen derzeit bewertet werden.
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