SAP Aktie: Rally auf dem Prüfstand

SAP-Aktie erholt sich nach Q2-Bericht deutlich, doch der Abwärtstrend bleibt intakt. Entscheidend ist die 200-Tage-Linie.

Die Kernpunkte:
  • Kurssprung nach Quartalszahlen
  • Cloud-Backlog wächst um 27 Prozent
  • Aktienrückkauf startet zweite Tranche
  • 200-Tage-Linie als kritische Hürde

Plus 13,45 Prozent in einer Woche, minus 23,91 Prozent seit Jahresbeginn: Bei SAP driften kurzfristige Euphorie und langfristige Bilanz weit auseinander. Ausgelöst hat die Rally der Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026. Ob daraus eine echte Trendwende wird oder nur eine technische Gegenbewegung auf den Ausverkauf der Vorwochen, entscheidet sich erst in den kommenden Wochen.

Quartalszahlen als Auslöser

Der Kurssprung geht direkt auf die Veröffentlichung der Q2-Ergebnisse zurück. SAP hat den Ausblick für das bereinigte operative Ergebnis leicht gesenkt, auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Das Management begründet den Schritt mit Verwässerungseffekten aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs, die im Juli abgeschlossen wurden.

Beide Zukäufe sollen die „Business AI“-Plattform von SAP stärken. Kurzfristig belasten sie aber die operative Marge. Der Markt hat diese Belastung offenbar in Kauf genommen und stattdessen auf die Cloud-Wachstumszahlen reagiert. Das Ergebnis: ein Kursplus von 13,45 Prozent binnen einer Woche, mit einem moderaten Tagesgewinn von 1,65 Prozent am Freitag.

Cloud-Wachstum gegen Margendruck

Der Current Cloud Backlog wuchs zum Stichtag 30. Juni um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Diese Kennzahl zeigt, wie viel Umsatz SAP für die kommenden zwölf Monate bereits vertraglich gesichert hat.

Parallel dazu steigen aber die Kosten. Die Forschungsausgaben legten um 14 Prozent zu, die Verwaltungskosten um 12 Prozent. Ob SAP das Cloud-Wachstum in stabile Margen übersetzt, während die Integration von Dremio und Prior Labs läuft, bleibt vorerst offen.

Bullisches Szenario: Momentum und Rückkauf

Für die Bullen zählt vor allem das Tempo im Kerngeschäft. Die Cloud ERP Suite wuchs um 27 Prozent – ein Zeichen, dass die Migration auf S/4HANA und das Programm „Rise with SAP“ weiter gut laufen. Charttechnisch untermauert der RSI von 64,1 die Erholung, ohne dass die Aktie bereits überhitzt wirkt.

Hinzu kommt eine handfeste Stütze: Am 27. Juli startete SAP die zweite Tranche seines Aktienrückkaufprogramms, das ein Volumen von zehn Milliarden Euro umfasst. Bleibt das währungsbereinigte Cloud-Wachstum über der Marke von 20 Prozent, dürfte das Vertrauen in die Business-AI-Strategie überwiegen.

Bärisches Szenario: Die 200-Tage-Linie als Hürde

Das größte Risiko bleibt die technische Distanz nach oben. Zum 52-Wochen-Hoch von 258,60 Euro fehlen der Aktie noch 38,36 Prozent. Der langfristige Abwärtstrend ist damit nicht gebrochen.

Besonders kritisch ist der Abstand zur 200-Tage-Linie bei 174,67 Euro. Aktuell notiert die Aktie noch 8,74 Prozent darunter. Scheitert die Erholung an dieser Marke, könnte sich die jüngste Rally als reine Bärenmarkt-Bewegung entpuppen.

Dazu kommt eine hohe Schwankungsbreite: Die annualisierte Volatilität liegt bei 49,19 Prozent. Fallen die Integrationskosten für Dremio und Prior Labs höher aus als die bislang veranschlagte dreistellige Millionensumme, droht eine weitere Korrektur der Jahresziele – und damit ein schneller Rückschlag für die jüngsten Kursgewinne.

Ausblick: Entscheidung an der Chartlinie

Konkrete Unternehmenstermine gibt es in der kommenden Woche nicht. Der Blick richtet sich deshalb auf die Charttechnik. Verteidigt die Aktie den 50-Tage-Durchschnitt bei 144,49 Euro, bleibt das kurzfristige Bild konstruktiv. Ein Test der 200-Tage-Linie bei 174,67 Euro erscheint dann möglich.

Fällt SAP dagegen unter diese Marke, dürfte der Blick schnell wieder Richtung Julitief bei 127,52 Euro wandern. Der nächste fundamentale Prüfstein folgt erst mit dem Bericht zum dritten Quartal, der für den 21. Oktober erwartet wird.

Bis dahin entscheidet sich an der Marke von 144,49 Euro, ob institutionelle Anleger den Kursrutsch von rund 24 Prozent seit Jahresbeginn weiterhin als Einstiegschance in den KI-Sektor werten oder ob die Erholung schon wieder ins Stocken gerät.

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