SAP Aktie: Rekordquartal mit Bremsspuren
SAP steigert Umsatz und operatives Ergebnis, während ein schwächeres Cloud-Wachstum im Schlussquartal und Börsengegenwind belasten.

- Quartalsumsatz erstmals über zehn Milliarden Euro
- Cloud-Auftragsbestand wächst währungsbereinigt um 26 Prozent
- Cloud-Zuwachs soll zum Jahresende nachlassen
- Oddo BHF erhöht SAP-Kursziel auf 242 Euro
Erstmals mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz in einem Quartal, ein überraschend starker Cloud-Auftragsbestand und trotzdem ein Minus an der Börse. Bei SAP klaffen Zahlen und Kursreaktion am Donnerstag auseinander. Die Aktie stieg vorbörslich zunächst auf ein Hoch seit Januar, drehte dann aber in einem schwachen Gesamtmarkt ins Minus und lag zuletzt rund ein Prozent tiefer bei etwa 206,50 Euro.
Cloud-Backlog übertrifft Erwartungen
Der Konzernumsatz legte im dritten Quartal um 13 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro zu. Das bereinigte operative Ergebnis kletterte um 18 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro und lag über den Markterwartungen von 2,94 Milliarden Euro. Die operative Marge verbesserte sich auf 29,5 Prozent.
Im Zentrum steht der Current Cloud Backlog, also die in den nächsten zwölf Monaten erwarteten Erlöse aus bestehenden Cloudverträgen. Er wuchs währungsbereinigt um 26 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Analysten hatten mit knapp 24,6 Prozent gerechnet. Der Cloud-Umsatz selbst stieg um 25 Prozent auf 6,67 Milliarden Euro.
Einen Teil des Schubs erklärt das Unternehmen mit Nachholeffekten: Einige Kunden hatten finanzielle Schwierigkeiten überwunden und Umsätze aus mehreren Vorquartalen nachgeholt. Hinzu kamen die Beiträge der zugekauften Firmen Reltio, Dremio und Prior Labs.
Gedämpfter Ausblick für das Schlussquartal
Beim Cloud-Umsatz peilt Konzernchef Christian Klein für 2026 nun das obere Ende der Spanne von 23 bis 25 Prozent Wachstum an. Die Prognose für das bereinigte Betriebsergebnis von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro bestätigte SAP. Für 2027 erwartet der Konzern weiterhin eine Beschleunigung des Umsatzwachstums.
Finanzchef Dominik Asam dämpfte allerdings die Stimmung. Im vierten Quartal gehen üblicherweise rund die Hälfte der Jahresbuchungen ein, eine schwache Wirtschaftslage könnte dann belasten und auch den Pfad für 2027 senken. Das Cloud-Wachstum dürfte im Schlussquartal nach Unternehmensangaben auf etwa 23 Prozent abflachen. Dazu kommen Risiken wie hohe Ölpreise und geopolitische Spannungen.
Analysten: Lob und Vorbehalte
Jefferies bleibt bei „Buy“ mit einem Kursziel von 220 Euro. Analyst Charles Brennan sieht die Sorgen vor einer KI-Disruption des Kerngeschäfts entkräftet und erkennt keine Anzeichen für eine Trendumkehr. Oddo BHF hob das Kursziel auf 242 Euro an.
Etwas zurückhaltender äußern sich andere Häuser. JPMorgan rechnet wegen des genannten Gegenwinds nicht mit großer Euphorie. Die Baader Bank bemängelt fehlende Kennzahlen zu den eigenen KI-Angeboten, was die Aktie in Schach halten könne.
Die Erholung bleibt dennoch beachtlich: Vom Julitief bei 127,50 Euro hat das Papier um mehr als 60 Prozent zugelegt. Ob sie anhält, dürfte sich an den Buchungen im vierten Quartal entscheiden, deren Zahlen SAP erst nach Jahresende vorlegt.
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