SAP Aktie: Silver Lake verhandelt über Workday-Übernahme

SAP steckt derzeit in einem Spannungsfeld zwischen einer handfesten Sicherheitswarnung und einem Gerücht, das dem Konzern zur Spitzenposition im DAX verhelfen könnte. Beide Themen prägen den Kursverlauf der vergangenen Tage stärker als das operative Tagesgeschäft.

Kritische Lücke im Commerce-Cloud-Modul

Am Patch Day vom 11. August veröffentlichte SAP insgesamt 28 neue Sicherheitshinweise. Besonders schwer wiegt eine Schwachstelle im Commerce-Cloud-Modul „Data Hub Adapter“, die mit dem höchstmöglichen CVSS-Score von 10,0 bewertet wurde.

Der Konzern hat die Lücke inzwischen geschlossen, doch die Reaktion am Aktienmarkt kam prompt: Zwischen dem 11. und 12. August rutschte die Aktie um rund 2,5 Prozent ab. Für ein Unternehmen, dessen Software in kritischen Geschäftsprozessen weltweit im Einsatz ist, sind derartige Schwachstellen ein wiederkehrendes Reputationsrisiko, auch wenn sie in der Regel zügig behoben werden.

Übernahmegerücht um Workday treibt die Marktkapitalisierung

Parallel dazu sorgt ein Gerücht für Auftrieb: Der Finanzinvestor Silver Lake soll Gespräche über eine Übernahme des US-Wettbewerbers Workday führen. Die Spekulation strahlt auf SAP aus und rückt den Konzern näher an die Position als wertvollstes Unternehmen im DAX heran – die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 207,46 Milliarden Euro. Ob sich das Gerücht bestätigt, ist offen, doch es zeigt, wie sensibel der Markt derzeit auf jede Nachricht aus dem Software-Sektor reagiert.

Im aktuellen Handel notiert die SAP-Aktie bei 179,02 Euro, nahezu unverändert zum Vortag mit 179,22 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 29 Prozent zu Buche – ein deutliches Zeichen dafür, dass die zuletzt aufgehellte Stimmung rund um Insiderkäufe und die eingestellten Kartellvorermittlungen nachwirkt. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie jedoch weiterhin mit 15 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 24 Prozent.

Strategische Weichenstellungen im Ökosystem

Abseits der Kursbewegungen tut sich einiges im SAP-Partnernetzwerk. Zirkel Technologies und SMS Business Software Solution haben eine strategische Partnerschaft für „SAP Rightsizing“ vereinbart, die Kunden den Wechsel von SAP R/3 oder S/4HANA auf die Plattform SAP Business One PRODUCTION erleichtern soll.

Zudem hat der IT-Dienstleister Q.beyond Anfang August 51 Prozent der Anteile am SAP-Gold-Partner GITG AG übernommen – ein Schritt, der die für 2030 angekündigte Abkündigung der Branchensoftware IS-H für das Gesundheitswesen adressieren soll. Solche Bewegungen im Ökosystem unterstreichen, wie stark Migrationsthemen rund um SAP-Produkte derzeit den Markt für Partnerunternehmen prägen.

Ausblick: Nvidia-Zahlen als Stimmungstest für Softwarewerte

Ein wichtiger Termin für die Bewertung von Technologie- und Softwarewerten wie SAP steht am 26. August an, wenn Nvidia seine Quartalszahlen vorlegt. Da KI-Investitionen und Cloud-Nachfrage eng miteinander verknüpft sind, dürfte die Reaktion auf diese Zahlen auch auf die Stimmung gegenüber SAP ausstrahlen.

Fundamental bleibt der Konzern nach den im Sommer vorgelegten Quartalszahlen mit einem währungsbereinigten Cloud-Umsatzwachstum von 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro und einem auf 22,9 Milliarden Euro gewachsenen Cloud-Auftragsbestand solide aufgestellt.

Die operative Profit-Guidance für das Gesamtjahr wurde infolge der Übernahmen von Dremio und Prior Labs leicht auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro angepasst.

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