SAP Aktie: UBS kappt Kaufempfehlung

UBS stuft SAP nach 48-prozentiger Rallye auf 'Neutral' herab. Analysten sehen kaum Kurspotenzial und kritisieren die langsame KI-Agenten-Auslieferung.

Die Kernpunkte:
  • UBS senkt SAP-Rating auf Neutral
  • Kursziel trotzdem auf 201 Euro erhöht
  • Nur 17 KI-Agenten bisher ausgeliefert
  • Cloud-Margen erstmals seit 2021 gesunken

Nach einer Rekordrally von rund 48 Prozent in nur vier Wochen zieht UBS die Reißleine. Die Schweizer Großbank stuft SAP von „Buy“ auf „Neutral“ zurück — trotz eines gleichzeitig angehobenen Kursziels von 164 auf 201 Euro. Die Aktie reagierte prompt und fiel im Handel deutlich, bis auf 178,89 Euro.

Der Widerspruch zwischen höherem Kursziel und Abstufung erklärt sich aus der Kursentwicklung selbst. UBS-Analyst Michael Briest hält die aktuelle Bewertung für angemessen, sieht aber nach der starken Erholung kaum noch kurzfristiges Aufwärtspotenzial. Die Anlegerstimmung bleibe fragil — ein Warnsignal nach Wochen euphorischer Kursgewinne.

KI-Tempo bleibt hinter den Zielen zurück

Im Kern der Abstufung steht die schleppende Auslieferung agentischer KI-Funktionen. Bislang hat SAP nur 17 einsatzfertige KI-Agenten an Kunden ausgeliefert, weitere 15 befinden sich in der Hochlaufphase. Das Ziel von 200 Agenten bis Jahresende nennt Briest „herausfordernd“ — im Vorjahr hatte SAP ein Ziel von über 40 Szenarien ausgegeben und am Ende nur zehn erreicht.

Die schleppende Integration begrenzt laut UBS nicht nur die Monetarisierung. Sie erhöht auch das Risiko, dass Kunden auf eigene KI-Lösungen ausweichen, statt auf SAPs Angebote zu setzen. Hinzu kommt die Sorge um eine Verlangsamung beim Current Cloud Backlog im zweiten Halbjahr — den vertraglich gesicherten Cloud-Umsätzen, die als Frühindikator für künftiges Wachstum gelten.

Margen unter Druck, Rule of Forty in Gefahr

UBS verweist zudem auf sinkende Cloud-Bruttomargen vor Berücksichtigung aktienbasierter Vergütung — erstmals seit 2021. Höhere Kosten für KI-Token belasten die Forschungs- und Entwicklungsausgaben zusätzlich. Die Ebit-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 wurde bereits um 100 Millionen Euro gekürzt, unter anderem wegen erwarteter Verwässerungseffekte durch Übernahmen.

Nach Einschätzung der Bank wird SAP sein „Rule of Forty“-Ziel — die Kombination aus freiem Cashflow-Anteil am Umsatz und Umsatzwachstum — in diesem Jahrzehnt nicht mehr erreichen. UBS rechnet bis 2030 mit 37,0 Prozent, nur leicht über dem Marktkonsens von 36,5 Prozent. Im Softwaresektor bevorzugt die Bank inzwischen die Aktien von Amadeus IT.

Für SAP-Anleger markiert die Abstufung weniger eine fundamentale Wende als eine Atempause nach der steilen Kursrally. Ob sich die Kurskorrektur fortsetzt, dürfte in den kommenden Wochen davon abhängen, wie schnell SAP bei der Auslieferung weiterer KI-Agenten Fortschritte zeigt.

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