SAP Aktie: Übernahme von Prior Labs abgeschlossen

SAP vollzieht den Prior-Labs-Kauf, investiert über eine Milliarde Euro in KI-Forschung und meldet zweistelliges Cloud-Wachstum im zweiten Quartal.

Die Kernpunkte:
  • Prior-Labs-Übernahme bei SAP vollzogen
  • Mehr als eine Milliarde Euro Forschungsinvestitionen
  • Cloud-Auftragsbestand wächst um 27 Prozent
  • Aktie seit Jahresbeginn zwölf Prozent niedriger

SAP hat die Übernahme des Freiburger KI-Spezialisten Prior Labs abgeschlossen. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben über vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro in das Forschungsteam, das auf sogenannte Tabular Foundation Models spezialisiert ist – KI-Modelle, die speziell für tabellarische Unternehmensdaten trainiert werden. Der Schritt reiht sich in eine ganze Serie von Zukäufen ein, mit denen SAP sein Datenfundament für KI-Anwendungen ausbaut.

Die Integration erfolgt parallel zur Übernahme der Data-Lakehouse-Plattform Dremio, deren Abschluss für das dritte Quartal 2026 erwartet wird. Beide Zukäufe hatte SAP bereits im Mai angekündigt, zusammen mit dem Erwerb der Master-Data-Management-Plattform Reltio.

Der Konzern verwässert dafür bewusst kurzfristig seine eigene Profitabilität: Wegen der Dilutionseffekte aus Dremio und Prior Labs von über 100 Millionen Euro senkte SAP im Rahmen der Quartalszahlen im Juli seine Ergebnisprognose für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 leicht auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Die Cloud-Umsatzprognose von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro blieb dabei unverändert.

Cloud-Geschäft wächst zweistellig

Die zugrunde liegenden Geschäftszahlen aus dem zweiten Quartal untermauern die Investitionsstrategie. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, gemessen am Current Cloud Backlog, legte währungsbereinigt um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu.

Die Cloud-Erlöse selbst wuchsen währungsbereinigt um 24 Prozent, das Segment Cloud ERP Suite sogar um 27 Prozent. Der Gesamtumsatz stieg währungsbereinigt um 11 Prozent, das Non-IFRS-Betriebsergebnis um 9 Prozent. Diese Wachstumsraten zeigen, dass die Kerngeschäfte des Konzerns trotz der milliardenschweren Zukäufe solide laufen.

Kritiker der Aktie setzen allerdings woanders an: Der Umbau in Richtung agentischer KI, also selbstständig handelnder KI-Systeme innerhalb der SAP-Software, gilt manchen Marktbeobachtern als zu langsam. Die Übernahme von Prior Labs ist auch eine Antwort auf diese Kritik – SAP will mit spezialisierten Foundation Models für Tabellendaten die Grundlage für genau solche Anwendungen schaffen.

Regulatorisches Umfeld entspannt sich

Auf der regulatorischen Seite hat sich die Lage für SAP zuletzt beruhigt. Das Bundeskartellamt sah im Streit mit dem Wettbewerber Celonis keine Anhaltspunkte für eine Wettbewerbsbehinderung durch SAP und leitete kein Missbrauchsverfahren ein, wie das Handelsblatt Ende Juli berichtete.

Zudem schloss die Europäische Kommission ihre Überprüfung der Wartungs- und Support-Richtlinien für On-Premise-Lösungen ab, eine Entscheidung, die SAP nach eigenen Angaben begrüßte.

Auch operativ expandiert SAP weiter: Mit dem japanischen IT-Dienstleister NTT DATA vereinbarte der Konzern Mitte August eine Partnerschaft, in deren Rahmen SAP SuccessFactors und die KI-Assistentin Joule für eine globale Transformation im Personalwesen zum Einsatz kommen sollen.

Aktie unter Druck, Bewertung am Bewegungsspielraum

Die Aktie notierte am Dienstag bei 183,52 Euro, nach einem Tagesverlust von 3,4 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 11 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Papier jedoch 12 Prozent im Minus.

Zum 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro aus dem Oktober 2025 beträgt der Abstand 24 Prozent – ein Hinweis darauf, wie stark die Bewertung der Aktie in den vergangenen Monaten unter Druck geraten ist, während das operative Geschäft laut den Quartalszahlen weiter zweistellig wächst.

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