SAP Aktie: Übernahme von Reltio abgeschlossen

Vom Jahrestief zurück in die Spur — SAP hat in den vergangenen zwei Wochen eine bemerkenswerte Erholung hingelegt. Hinter dem Rebound steckt mehr als nur technische Gegenbewegung: Ein Millionenauftrag des Bundes, drei strategische Akquisitionen und eine neue KI-Vision geben dem Konzern gerade ungewöhnlich viel Schub.
Bundesauftrag und der Rückzug von Google
Der konkreteste Kurstreiber kam aus Berlin. T-Systems und SAP haben gemeinsam einen Bundesauftrag zum Aufbau einer souveränen KI-Plattform gewonnen — nachdem das Gegenkonsortium um Google und den Dortmunder IT-Dienstleister Adesso seine Vergaberüge zurückgezogen hatte. Das Bundesdigitalministerium erteilte daraufhin grünes Licht.
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Das Auftragsvolumen beläuft sich auf knapp 250 Millionen Euro. Das Telekom-Konsortium erhält davon 70 Prozent, ein Konsortium um SVA System Vertrieb Alexander die restlichen 30 Prozent. Die Plattform soll Bund, Ländern und Kommunen eine gemeinsame KI-Infrastruktur bereitstellen — von der Dokumentenverarbeitung bis zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.
Drei Zukäufe für die KI-Datenstrategie
Parallel dazu baut SAP seine Datenbasis für KI-Anwendungen gezielt aus. Anfang Mai schloss der Konzern die Übernahme von Reltio ab, einem Spezialisten für Master Data Management. Reltio soll Kunden helfen, Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen KI-tauglich zu machen.
Zwei weitere Deals folgen: Die Übernahme von Dremio — angekündigt am 4. Mai — soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden und eine offene Datenschicht in die SAP Business Data Cloud einbringen. Hinzu kommt Prior Labs, ein deutsches KI-Startup, das SAP als eigenständige Einheit weiterführen will. Über vier Jahre plant SAP mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um daraus ein Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten aufzubauen.
Auf der Sapphire-Konferenz in Orlando bettete SAP diese Zukäufe in eine Gesamtstrategie ein: das Konzept des „Autonomous Enterprise“, das bestehende Geschäftsanwendungen mit KI-Agenten ausstattet. Die neue Autonomous Suite soll mehr als 50 domänenspezifische Assistenten in Bereichen wie Finanzen, Supply Chain und HR einsetzen — und dabei über 200 spezialisierte Agenten orchestrieren.
Solide Q1-Basis, aber der Jahreschart schmerzt
Die operative Basis stimmt. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Cloud-Umsatz um 27 Prozent, der Gesamtumsatz stieg auf 9,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu. Für das Gesamtjahr erwartet SAP einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro.
Der Kurs notiert aktuell bei 152,80 Euro — rund elf Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 13. Mai, aber noch immer fast 44 Prozent unter dem Jahreshoch von 271,60 Euro. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie mit knapp 24 Prozent im Minus, während der DAX im gleichen Zeitraum zulegte. Der RSI von 88 signalisiert kurzfristig überkaufte Bedingungen — die Erholung ist schnell, aber der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt bei rund 193 Euro bleibt gewaltig.
Ob die KI-Strategie bereits im Kerngeschäft ankommt, zeigt das Cloud-Backlog: Es war im ersten Quartal währungsbereinigt um 25 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro gewachsen. Die nächste Messung folgt am 23. Juli 2026, wenn SAP die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt.
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