SAP Aktie: Vier Zukäufe, ein Plan
SAP ergänzt seine KI-Datenbasis durch TechWolf; Cloud-Umsatz und Backlog wuchsen im zweiten Quartal, während Zukäufe die Ergebnisprognose belasteten.

- TechWolf ergänzt SAPs Datenangebot zur Arbeitswelt
- Cloud-Umsatz im zweiten Quartal um 22 Prozent gestiegen
- Zukäufe führten zu niedrigerer Ergebnisprognose
- TechWolf-Kaufpreis und Ergebniseffekt bleiben ungenannt
Vier KI-Zukäufe in gut sechs Monaten: SAP baut sein Datenfundament für KI-Agenten in hohem Tempo aus. Mit TechWolf kommt ein belgischer Spezialist für Fähigkeiten- und Aufgabenprofile hinzu. Einen Kaufpreis nennen die Beteiligten nicht.
Die Strategie dahinter
Den Anfang machte Ende März der Stammdatenspezialist Reltio für knapp 1,1 Milliarden Euro. Im Juli folgten der Datenplattformanbieter Dremio und Prior Labs, ein Entwickler von KI-Modellen für tabellarische Unternehmensdaten. TechWolf liefert nun den Kontext zur Arbeitswelt: Welche Aufgaben fallen an, wer kann sie erledigen?
Interessant ist der Zugang zu Fremdkunden. TechWolf soll eigenständig bleiben und auch Unternehmen offenstehen, die Personalsoftware anderer Anbieter nutzen. SAP kommt so an Kunden, die bislang bei der Konkurrenz sitzen.
Die Wettbewerber rüsten ebenfalls auf. Workday kaufte Sana und Paradox, ServiceNow übernahm Moveworks, Oracle baut Agenten direkt in sein Personalmanagement ein. Agenten werden damit zum Standard. Unterscheiden dürfte die Anbieter vor allem die Qualität von Daten und Kontext.
Parallel dazu erweitert SAP sein Partnernetz. IBM startete heute eine Lösung, die mittelständische Firmen beim Wechsel auf SAP Cloud ERP unterstützen soll. Digital Science bietet im SAP Store sein Wissensgraph-Werkzeug metaphactory an, angebunden an die HANA-Cloud-Technologie.
Fundament und Kosten
Operativ steht SAP solide da. Im zweiten Quartal wuchs der Cloud-Umsatz um 22 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro, der Current Cloud Backlog legte um 27 Prozent zu.
Für 2026 peilt der Konzern währungsbereinigt Cloud-Erlöse von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro an. Ein Rückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro läuft ebenfalls.
Die Zukäufe belasten allerdings das Ergebnis. Wegen Dremio und Prior Labs senkte SAP im Juli die Prognose für das bereinigte operative Ergebnis auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, zuvor waren es 11,9 bis 12,3 Milliarden. Zur Finanzierung platzierte SAP im Mai zudem Anleihen über 3,5 Milliarden Euro. Zu TechWolf fehlen Angaben zu Preis und Ergebniseffekt.
Das Analystenbild bleibt gemischt: Jefferies sieht mit Buy ein Kursziel von 220 Euro, JPMorgan ist mit Hold und 175 Euro deutlich vorsichtiger. Die Aktie notiert im Xetra-Handel bei 188,10 Euro, leicht im Minus.
Das zweite Risiko ist der Preisdruck. Wenn Agenten bei allen großen Anbietern zur Grundausstattung gehören, wird die separate Monetarisierung schwieriger. Im ersten Halbjahr verlor die Aktie rund 75 Euro.
Den nächsten Datenpunkt liefern die Zahlen zum dritten Quartal am späten Abend des 21. Oktober. Dann dürfte sich zeigen, ob das Management den Ergebniseffekt von TechWolf beziffert und wie sich das Wachstum des Cloud Backlog entwickelt.
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