SAP-Aktie: Wie tragfähig ist die Erholung?

SAP kauft eigene Aktien im Wert von 344 Millionen Euro zurück, während Goldman Sachs das Kursziel senkt. Die Prognoseanpassung und Übernahmen prägen die Marktlage.

Die Kernpunkte:
  • Rückkauf von 2,18 Millionen Aktien
  • Goldman senkt Kursziel auf 215 Euro
  • Cloud-Umsatz steigt um 22 Prozent
  • CEO Klein kauft Aktien im Wert von 325.000 Euro

Ausgangslage: Rückkäufe treffen auf ein vorsichtigeres Kursziel

SAP veröffentlichte am Mittwoch die erste Zwischenmeldung zum Aktienrückkaufprogramm 2026. Zwischen dem 27. und 31. Juli erwarb der Konzern 2.184.430 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 157,62 Euro, das Transaktionsvolumen belief sich auf rund 344,3 Millionen Euro. Die Ermächtigung dafür stammt von der Hauptversammlung am 5. Mai, die ein Rückkaufvolumen von bis zu 10 Milliarden Euro bis Ende 2027 bestätigte.

Fast zeitgleich senkte Goldman Sachs gestern das Kursziel für die Aktie von 230 auf 215 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Buy“. Die Aktie schloss am Freitag bei 154,90 Euro. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die laufenden Rückkäufe und ein weiterhin positives Analystenvotum reichen, um den Kurs auch nach der jüngsten Kürsprognose zu tragen.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Erst wenige Tage zuvor hatte SAP seine Jahresprognose leicht angepasst, während parallel eine kartellrechtliche Belastung wegfiel. Beide Ereignisse prägen nun, wie der Markt die Rückkaufmeldung einordnet.

Die entscheidende Frage: Trägt das Cloud-Wachstum die gesenkte Prognose?

Im Zentrum steht die Quartalsbilanz vom 23. Juli. Der Cloud-Umsatz stieg um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, währungsbereinigt sogar um 24 Prozent. Der Current Cloud Backlog kletterte auf einen Rekordwert von 22,9 Milliarden Euro, ein Plus von 27 Prozent.

Zugleich senkte SAP die Prognose für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 leicht auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Als Grund nannte der Konzern Verwässerungseffekte durch die Übernahmen von Dremio und Prior Labs, die am 27. Juli final abgeschlossen wurden und das Portfolio im Bereich Business AI erweitern sollen.

Die entscheidende Frage für die kommenden Monate: Gleicht das beschleunigte Cloud-Wachstum die kurzfristige Ergebnisverwässerung aus den beiden Zukäufen aus – oder belastet die Integration die Marge stärker, als bislang kommuniziert wurde? Wie sich Dremio und Prior Labs operativ einfügen, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen.

Bullisches Szenario: Wachstum, Rückkäufe und ein kaufender CEO

Für ein positives Szenario spricht zunächst der Rekord-Backlog, der auf sichtbares Umsatzwachstum in den kommenden Quartalen hindeutet, unabhängig von kurzfristigen Währungseffekten. Hinzu kommt ein Vertrauenssignal aus der Führungsetage: Vorstandsvorsitzender Christian Klein erwarb am 24. Juli im Rahmen eines Eigengeschäfts SAP-Aktien im Wert von 325.219 Euro zu einem Durchschnittskurs von 133,60 Euro.

Auch regulatorisch hat sich Druck gelöst. Das Bundeskartellamt stellte am 30. Juli das Vorermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Marktmachtmissbrauch beim Datenzugriff ein, ohne Auflagen zu verhängen. Laut Handelsblatt war eine Beschwerde des Wettbewerbers Celonis der Auslöser des Verfahrens gewesen. Setzt sich das Rückkaufprogramm im bisherigen Tempo fort, entzieht SAP dem Markt kontinuierlich Aktien und stützt damit die Nachfrageseite, während operative Fortschritte im Cloud-Geschäft zusätzlichen Rückenwind liefern könnten.

Bärisches Szenario: Überhitzte Erholung und Verwässerungsrisiko

Dagegen steht eine technische und eine operative Sorge. Der RSI von 70,4 signalisiert eine überkaufte Aktie – ein Warnzeichen dafür, dass die jüngste Kursbewegung schneller verlaufen ist, als es das fundamentale Nachrichtenbild allein rechtfertigt. Eine solche Konstellation birgt das Risiko einer Konsolidierung, sollte sich das positive Momentum der vergangenen Wochen abschwächen.

Operativ bleibt die von SAP selbst eingeräumte Prognosesenkung ein Punkt, den Skeptiker anführen dürften: Die Verwässerungseffekte durch Dremio und Prior Labs treffen den Konzern ausgerechnet in einer Phase, in der er beweisen muss, dass Zukäufe das Cloud-Geschäft stärken und nicht nur die Marge belasten. Dass selbst Goldman Sachs sein Kursziel gesenkt hat, wenngleich bei bestätigter Kaufempfehlung, deutet darauf hin, dass auch Optimisten die Bewertung nach dem jüngsten Anstieg vorsichtiger einschätzen als zuvor.

Ausblick: Zwischen 200-Tage-Linie und Q3-Zahlen

Kurzfristig dürfte die 200-Tage-Linie als technischer Gradmesser dienen. Der Kurs notiert derzeit mit einem Abstand von 2,14 Prozent knapp darunter, ein nachhaltiger Sprung darüber wäre ein Signal, dass die Erholung fundamental unterlegt bleibt. Kippt das Momentum stattdessen wieder, dürfte die Diskussion über Integrationskosten und Prognosesenkung erneut in den Vordergrund rücken.

Solange der Rekord-Backlog Bestand hat und das Rückkaufprogramm im angekündigten Umfang weiterläuft, bleibt das Bild für Anleger konstruktiv. Bricht dagegen das Cloud-Wachstum ein oder belasten die jüngsten Übernahmen die Marge stärker als erwartet, dürfte die aktuelle Erholung schnell wieder infrage stehen. Der nächste konkrete Prüfstein folgt am 21. Oktober, wenn SAP die Zahlen für das dritte Quartal und die ersten neun Monate 2026 vorlegt. Bis dahin dürfte der Markt vor allem beobachten, ob der Rückkauf im bisherigen Tempo fortgesetzt wird.

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