SAP im September: Trägt die Erholung über die Konferenzsaison hinaus?

SAP gewinnt binnen 30 Tagen fast zehn Prozent, bleibt im Jahresvergleich jedoch im Minus. Der Oktober-Termin wird zum nächsten Prüfstein.

Die Kernpunkte:
  • Fast zehn Prozent Monatsgewinn verbucht
  • Jahresminus beträgt weiterhin elf Prozent
  • Zweites Quartal mit Umsatzwachstum
  • Quartalszahlen am 21. Oktober erwartet

Ausgangslage: Ruhiger Handel nach starkem Monat

SAP notiert am Freitagvormittag mit 186,82 Euro nahezu unverändert und knüpft damit an eine bemerkenswerte Erholungsphase an. In den vergangenen 30 Tagen hat die Aktie fast zehn Prozent zugelegt, nachdem sie zuvor deutlich unter Druck geraten war.

Der Blick auf das Jahr relativiert die jüngste Stärke jedoch: Seit Jahresanfang steht immer noch ein Minus von elf Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 20 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 242,00 Euro aus dem vergangenen Oktober trennen das Papier weiterhin 23 Prozent.

Diese Gemengelage macht die aktuelle Phase entscheidend für die weitere Richtung. SAP hat mit dem jüngsten Anstieg einen wichtigen Boden zurückerobert, doch die Frage, ob daraus eine nachhaltige Trendwende wird oder nur eine Zwischenerholung in einem intakten Abwärtstrend, bleibt offen. Hinzu kommt Marktrauschen aus der Softwarebranche: Analysten verweisen auf Impulse durch die jüngste Prognose von Snowflake, die dem gesamten Softwaresektor Schwung verliehen habe – auch wenn konkrete Details dazu, was das für SAP im Einzelnen bedeutet, bislang nicht ausgearbeitet vorliegen.

Die entscheidende Frage: Hält der Bruch über dem 50-Tage-Durchschnitt?

Für Anleger läuft die Entscheidung derzeit auf einen einzigen technischen Punkt hinaus: den Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt. Dieser liegt bei 161,62 Euro, die Aktie notiert rund 16 Prozent darüber.

Ein derart weiter Vorsprung signalisiert Stärke im kurzfristigen Trend, birgt aber auch das Risiko einer technischen Gegenbewegung, sollte der Schwung nachlassen. Der RSI von 61,7 zeigt keine akute Überhitzung an, lässt aber noch Spielraum nach oben – die Aktie ist weder überkauft noch ausgereizt.

Ob dieser technische Vorsprung fundamental gerechtfertigt ist, hängt maßgeblich von der operativen Entwicklung ab. Im zweiten Quartal 2026 steigerte SAP das Ergebnis je Aktie auf 1,89 Euro gegenüber 1,46 Euro im Vorjahr, der Umsatz wuchs um 9,42 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro.

Diese Zahlen liefern das fundamentale Fundament für die jüngste Kurserholung. Die nächste Bewährungsprobe folgt jedoch erst im Herbst, mit der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal, die für den 21. Oktober erwartet wird.

Bullisches Szenario: Softwaresektor als Zugpferd

Für optimistische Anleger sprechen mehrere Faktoren zusammen. Der positive Branchenimpuls aus dem Cloud- und Softwaresegment, angetrieben durch Wettbewerber wie Snowflake, könnte SAP als europäischen Schwergewicht im Enterprise-Software-Markt mitziehen.

Analysten sehen nach eigenen Angaben weiteres Kurspotenzial und verweisen auf einen Hebel, der am Markt bislang unterschätzt werde. Gepaart mit dem soliden Umsatz- und Gewinnwachstum aus dem zweiten Quartal ergibt sich ein Bild, in dem die jüngste Erholung fundamental unterfüttert ist und nicht nur auf technischer Gegenbewegung beruht.

Sollte sich das konjunkturelle Umfeld in Deutschland weiter stabilisieren – die Industrieaufträge legten im Juli überraschend deutlich zu –, könnte dies auch die Investitionsbereitschaft von SAP-Kunden in Softwarelösungen stützen.

Bärisches Szenario: Makrorisiken und dünne Trendbestätigung

Dagegen steht ein ernstzunehmendes Risikobild. Der breite deutsche Aktienmarkt bewegt sich in einem von geopolitischer Unsicherheit geprägten Umfeld: Sorgen vor russischer Sabotage kritischer Infrastruktur, wie sie etwa der Siemens-Energy-Vorstandschef öffentlich formuliert hat, belasten die Stimmung ebenso wie politische Verwerfungen durch den angekündigten massiven Stellenabbau bei Volkswagen.

Ein DAX, der insgesamt fragil bleibt, kann auch ein Schwergewicht wie SAP nach unten ziehen, selbst wenn die Unternehmenszahlen stimmen. Zudem bleibt der fundamentale Beleg für die zuletzt kolportierten positiven Analystenkommentare zum „unterschätzten Hebel“ bislang vage – konkrete Kurszielanhebungen oder detaillierte Begründungen liegen nicht vor.

Die hohe annualisierte Volatilität von 33 Prozent zeigt zudem, dass Rücksetzer jederzeit möglich sind, gerade nachdem der Kurs so deutlich über seinen gleitenden Durchschnitten liegt.

Ausblick: Der Oktober-Termin als nächster Prüfstein

Solange SAP den Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt verteidigt und der Softwaresektor insgesamt Rückenwind liefert, spricht vieles für eine Fortsetzung der Stabilisierung – auch wenn das Jahresminus von elf Prozent daran erinnert, dass der Weg zurück zum Hoch noch weit ist.

Kippt hingegen die Branchenstimmung, etwa durch enttäuschende Zahlen von Wettbewerbern, oder verschärft sich das geopolitische Risikobild in Deutschland weiter, dürfte die Aktie schnell wieder in Richtung ihrer gleitenden Durchschnitte zurückfallen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Vorlage der Quartalszahlen am 21. Oktober: Erst dann zeigt sich, ob das im zweiten Quartal gezeigte Wachstumstempo von knapp zehn Prozent beim Umsatz Bestand hat – und ob die aktuelle Kurserholung mehr ist als eine technische Gegenbewegung.

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