SAP nach Cloud-Zahlen und KI-Zukäufen: Wie tragfähig ist die Erholung?

SAP meldet starke Cloud-Zuwächse, senkt jedoch die Gewinnspanne für 2026. Zwei Datenübernahmen erhöhen zugleich den Integrationsdruck.

Die Kernpunkte:
  • UBS setzt SAP auf Neutral
  • Kursziel steigt auf 201 Euro
  • Dremio und Prior Labs übernommen
  • Cloud-Backlog wächst um 27 Prozent

Ausgangslage

SAP steht an einem Scheidepunkt. Nach starken Quartalszahlen und zwei frisch abgeschlossenen KI-Übernahmen hat die UBS die Aktie am vergangenen Sonntag von „Kaufen“ auf „Neutral“ zurückgestuft – bei gleichzeitig angehobenem Kursziel von 164 auf 201 Euro.

Seither hat das Papier rund 4,6 Prozent verloren. Die Herabstufung war also kein fundamentaler Verriss, sondern eher ein Hinweis, dass ein Großteil der positiven Nachrichten bereits im Kurs steckt. Genau diese Frage – wie viel Optimismus schon eingepreist ist – bestimmt nun die kommenden Wochen.

Der eigentliche Anlass für einen Blick nach vorn liegt aber woanders: SAP hat innerhalb weniger Wochen zwei Zukäufe im Datenbereich vollzogen. Anfang Juli übernahm der Konzern die Data-Lakehouse-Plattform Dremio für rund 0,5 Milliarden Euro, Mitte Juli folgte die Übernahme von Prior Labs, einem Pionier für sogenannte Tabular Foundation Models.

Beide Transaktionen sind laut SEC-Meldungen abgeschlossen und sollen die Datenbasis für SAPs KI-Strategie verbreitern. Der Verwässerungseffekt aus beiden Deals auf das operative Ergebnis bezifferte SAP mit über 100 Millionen Euro – ein Grund, warum der Konzern die Non-IFRS-Gewinnspanne für 2026 leicht auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro senkte.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft alles auf eine Kennzahl zusammen: das Wachstumstempo im Cloud-Geschäft. Im zweiten Quartal legte der Cloud-Backlog um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu, die Cloud-Erlöse wuchsen um 22 Prozent, die Cloud-ERP-Suite sogar um 25 Prozent.

Diese Werte sind der Maßstab, an dem sich jede künftige Berichtssaison messen muss. Bleibt das Tempo oberhalb der 20-Prozent-Marke, rechtfertigt das die im laufenden Jahr erreichte Bewertung. Fällt es merklich darunter, dürfte die UBS-Zurückhaltung schnell von weiteren Häusern übernommen werden.

Bullisches Szenario

Für die Bullen spricht die operative Substanz. Der Backlog wächst schneller als der Umsatz selbst – ein Signal, dass künftige Erlöse bereits vertraglich gesichert sind. Die Integration von Dremio und Prior Labs könnte SAPs KI-Assistenten Joule mit einer robusteren Datenbasis versorgen und die Position im Wettbewerb um Enterprise-KI stärken.

Auch der Großauftrag mit NTT DATA, das seine globale HR-Landschaft auf SAP SuccessFactors und die SAP Business Data Cloud überführt, zeigt, dass Großkunden weiter auf die Cloud-Plattformen setzen. Hinzu kommt regulatorische Entlastung: Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen SAP eingestellt und kein Missbrauchsverfahren eingeleitet – ein Unsicherheitsfaktor ist damit vom Tisch.

Auch mehrere Insider kauften im August eigene SAP-Aktien, ein Zeichen für Vertrauen in die eigene Aktie zu Kursen um 178 bis 179 Euro. Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm, im Zeitraum Anfang August erwarb SAP rund 2,9 Millionen Aktien zu durchschnittlich 169,72 Euro.

Bärisches Risiko

Die Gegenseite verweist auf die gesenkte Gewinn-Guidance – ein Detail, das zeigt, dass Zukäufe kurzfristig auf die Marge drücken, bevor sie Wachstum bringen. Die UBS-Herabstufung trotz höherem Kursziel deutet zudem an, dass Analysten das kurzfristige Kurspotenzial nach der starken Erholung der vergangenen Monate als ausgereizt einschätzen.

Die hohe Volatilität der Aktie von 43 Prozent auf Jahresbasis unterstreicht, dass der Markt weiterhin nervös auf neue Nachrichten reagiert. Und strukturell bleibt die Frage, ob sich milliardenschwere KI-Investitionen in absehbarer Zeit in nachhaltig höherer Profitabilität niederschlagen – oder ob sie, wie schon bei Dremio und Prior Labs, zunächst nur Kosten verursachen.

Die längerfristige Kursentwicklung mahnt zur Vorsicht: Auf Zwölf-Monats-Sicht liegt die Aktie noch immer rund 20 Prozent im Minus, seit Jahresbeginn beträgt das Minus 13 Prozent.

Ausblick

Solange der Cloud-Backlog weiter mit Raten deutlich über 20 Prozent wächst und Großkunden wie NTT DATA neue Migrationsverträge unterschreiben, bleibt die fundamentale Wachstumsgeschichte intakt – trotz der jüngsten Kursschwäche.

Kippt das Wachstumstempo jedoch merklich, etwa weil die Integration der jüngsten Zukäufe länger dauert oder teurer wird als geplant, dürfte sich die vorsichtige UBS-Haltung als Vorbote weiterer Abstufungen erweisen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Berichtssaison zum dritten Quartal, in der sich zeigen wird, ob der Backlog-Schwung anhält und ob sich der Verwässerungseffekt aus den Übernahmen wie angekündigt in Grenzen hält.

Bis dahin bleibt die vertraglich gesicherte Vertragsverlängerung von CEO Christian Klein bis April 2030 und CFO Dominik Asam bis 2028 zumindest ein Signal für personelle Kontinuität an der Konzernspitze.

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