SAP vor der Konferenz-Bewährungsprobe: Trägt die Erholung bis in den Herbst?

SAPs Cloud-Geschäft wächst weiter, doch nur 17 einsatzbereite KI-Agenten erhöhen den Druck vor der Technologiekonferenz am 8. September.

Die Kernpunkte:
  • UBS stuft SAP auf Neutral zurück
  • Nur 17 KI-Agenten einsatzbereit
  • Cloud-Backlog wächst um 27 Prozent
  • Konferenz am 8. September geplant

Ausgangslage: Warum der 8. September zum Prüfstein wird

SAP-Aktionäre erleben eine Woche der Gegensätze. Am Mittwoch stufte UBS die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ zurück – und erhöhte das Kursziel im selben Atemzug deutlich von 164 auf 201 Euro. Seither hat das Papier um 3,0 Prozent zugelegt und schloss zuletzt bei 186,54 Euro.

Der Widerspruch zwischen Abstufung und höherem Kursziel lässt sich mit der Begründung der Schweizer Bank erklären: SAP hat von den angepeilten rund 200 KI-Agenten bislang lediglich 17 einsatzbereit, weitere 15 befinden sich in der Anlaufphase. Das Ziel für Jahresende erscheint damit zunehmend ambitioniert.

Nun rückt der 8. September in den Fokus. Das Management soll laut Terminkalender an einer bedeutenden Technologiekonferenz teilnehmen – ein Termin, den Anleger als möglichen Anlass für neue Aussagen zur KI-Strategie und zum Fortschritt bei den Agenten deuten.

Zusätzliche Fantasie lieferte zuletzt eine starke Prognose von Snowflake, die das Sentiment für den gesamten Softwaresektor aufhellte. Die Kombination aus Sektor-Rückenwind und Konferenz-Erwartung erklärt einen Teil der jüngsten Erholung, ändert aber nichts an der zugrunde liegenden Frage.

Die entscheidende Frage: Schließt SAP die KI-Lücke rechtzeitig?

Im Kern geht es um ein Tempo-Problem. SAP hat sich mit dem Ausbau agentischer KI-Funktionen ambitionierte Ziele gesetzt und untermauert diese mit Zukäufen: Die Übernahmen von Dremio und Prior Labs, jeweils bereits abgeschlossen, sollen die Datenbasis und die KI-Fähigkeiten der Plattform stärken – bei Prior Labs mit einer angekündigten Investition von über einer Milliarde Euro über vier Jahre.

Operativ bleibt die Cloud-Entwicklung robust: Im zweiten Quartal wuchs der Cloud-Backlog um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, die Cloud-ERP-Suite-Erlöse legten um 25 Prozent zu. Diese Zahlen zeigen, dass das Kerngeschäft trägt.

Doch die Lücke zwischen operativer Stärke und dem selbst gesteckten KI-Fahrplan ist genau der Punkt, an dem sich die Bewertung der Analysten unterscheidet. Ob SAP diese Lücke bis Jahresende schließt oder zumindest glaubhaft verkleinert, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob die aktuelle Erholung Substanz hat oder ein Strohfeuer bleibt.

Bullisches Szenario

Für Optimisten sprechen mehrere Signale. Vorstände haben zuletzt eigenes Geld in die Aktie gesteckt: CEO Christian Klein kaufte Ende Juli für rund 325.000 Euro, Chief People Officer Gina Vargiu-Breuer folgte mit etwa 305.000 Euro, und Vorstand Thomas Saueressig erwarb im August 1.500 Aktien zu 178,30 Euro.

Solche Käufe signalisieren Vertrauen des Managements in die eigene Strategie. Hinzu kommt das laufende Aktienrückkaufprogramm: Allein zwischen dem 24. und 28. August erwarb SAP über die Börse Xetra mehr als 676.000 eigene Aktien, das Gesamtvolumen des Programms stieg damit auf über 5,8 Millionen Aktien.

Auch regulatorisch ist Rückenwind da: Das Bundeskartellamt leitete kein Verfahren gegen SAP ein, die EU-Kommission schloss ihre Überprüfung der Wartungsrichtlinien ab. Bestätigt sich auf der Konferenz am 8. September ein glaubwürdiger Fortschritt bei den KI-Agenten, könnte das die UBS-Skepsis relativieren und weitere Käufer anlocken.

Bärisches Szenario: Das Risiko bleibt real

Das Risiko liegt genau dort, wo UBS ansetzt. Bleibt es bei 17 verfügbaren Agenten und schleppendem Fortschritt bei den weiteren 15, dürfte die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit größer werden, je näher das Jahresende rückt.

Barclays hatte bereits Ende Juli sein Kursziel von 255 auf 220 Euro gesenkt – mit Verweis auf kurzfristige Kostenunsicherheiten, die Kaufempfehlung „Overweight“ blieb zwar bestehen, doch die Zielsenkung zeigt, dass auch optimistische Häuser Risiken einpreisen.

Die Aktie notiert derzeit rund 23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro – ein Abstand, der zeigt, wie viel Vertrauen seit Oktober verloren ging.

Bleibt die Konferenz am 8. September ohne konkrete Fortschrittsmeldung zu den KI-Agenten, könnte die Skepsis neue Nahrung erhalten, zumal die hohe annualisierte Volatilität von 37 Prozent zeigt, wie nervös der Markt das Papier derzeit handelt.

Ausblick: Zwei Pfade bis zur Bilanzvorlage

Der nächste harte Termin ist die für den 21. Oktober erwartete Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal. Bis dahin bleibt die Konferenz am 8. September der kurzfristige Taktgeber.

Hält SAP an seinem Cloud-Wachstumstempo fest und liefert zugleich erste belastbare Fortschritte bei den KI-Agenten, dürfte die Erholung der vergangenen Wochen tragfähiger werden und die Lücke zum bestätigten Kursziel von 201 Euro der UBS schließen sich.

Bleiben konkrete Aussagen zur Agenten-Roadmap aus oder verschiebt sich das Jahresendziel weiter, dürfte die Debatte um eine überambitionierte KI-Strategie neu aufflammen – mit dem Risiko, dass die jüngste Kurserholung wieder abbröckelt, bevor die Q3-Zahlen Klarheit schaffen.

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