SAP zwischen KI-Zweifeln und Kepler-Cheuvreux-Signal: Wie weit trägt die Erholung?

SAP überzeugt mit starkem Cloud-Wachstum, muss jedoch bei der Auslieferung von KI-Agenten aufholen, um die jüngste Erholung zu stützen.

Die Kernpunkte:
  • Cloud-Auftragsbestand steigt auf 22,9 Milliarden Euro
  • Erst 17 von 200 KI-Agenten verfügbar
  • Kartellverfahren gegen SAP formell beendet
  • Analysten reduzieren Kursziele und Einstufungen

Ausgangslage

SAP-Aktien haben sich zuletzt aus dem Tief gearbeitet, notieren aktuell bei 184,74 Euro und damit rund 15 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der jüngste Kursanstieg von 1,9 Prozent zeigt, dass die Erholung Fahrt aufnimmt, doch die Ausgangslage bleibt zweigeteilt.

Auf der einen Seite bestätigte SAP zum Quartalsende ein kräftiges Cloud-Wachstum: Der Current Cloud Backlog stieg um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, die Cloud-Erlöse legten um 22 Prozent zu. Auf der anderen Seite wachsen die Zweifel an der KI-Strategie.

UBS stufte die Aktie vor rund einer Woche von „Buy“ auf „Neutral“ ab – mit der Begründung, SAP habe bislang nur 17 von rund 200 geplanten KI-Agenten ausgeliefert. Kepler Cheuvreux und Jefferies senkten Anfang September ihre Kursziele auf 190 beziehungsweise 230 Euro.

Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die Kurserholung der vergangenen Wochen auf soliden operativen Füßen steht oder ob sie an der KI-Erwartungslücke zerbricht.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor für die kommenden Monate ist das Tempo der KI-Agenten-Auslieferung. SAP hat sich selbst das Ziel gesetzt, bis Jahresende rund 200 sofort einsetzbare Agenten bereitzustellen. Bislang sind es 17. Diese Lücke ist der Kern der Skepsis institutioneller Analysten und zugleich der Maßstab, an dem sich die Aktie in den kommenden Wochen messen lassen muss.

Schließt SAP die Lücke zügig, dürfte das Vertrauen in die Cloud-Guidance und die milliardenschweren Übernahmen wie Dremio und Prior Labs zurückkehren. Bleibt das Tempo niedrig, droht die Bewertung – trotz robuster Cloud-Zahlen – unter Druck zu bleiben, weil der Markt SAP zunehmend an KI-Fortschritt statt an klassischem Softwarewachstum misst.

Bullisches Szenario

Für eine Fortsetzung der Erholung spricht zunächst die operative Basis: Die Cloud-ERP-Suite wuchs zuletzt um 25 Prozent, der Gesamtumsatz um 9 Prozent.

Diese Dynamik liefert das finanzielle Fundament, um die KI-Agenda weiter zu finanzieren, ohne die Profitabilität zu gefährden. Hinzu kommen positive regulatorische Signale: Das Bundeskartellamt hat seine vorläufige Untersuchung gegen SAP beendet, ohne ein Missbrauchsverfahren einzuleiten, und die EU-Kommission hat ihre Kartelluntersuchung zu den Wartungs- und Supportpraktiken mit bindenden, auf zehn Jahre angelegten Zusagen formell geschlossen.

Beide Verfahren sind damit abgeschlossen, nicht bloß ausgesetzt – ein Unsicherheitsfaktor weniger. Auch Insider zeigten sich zuletzt zuversichtlich: Ein Vorstandsmitglied kaufte Ende August 1.500 Aktien, Mitte August erwarb ein weiterer Insider 1.700 Stück.

Solche Käufe ersetzen keine fundamentale Analyse, signalisieren aber, dass Personen mit internem Einblick der Aktie auf dem aktuellen Niveau Potenzial zutrauen. Setzt sich das Momentum der vergangenen 30 Tage fort, könnte die Aktie in Richtung der von UBS und Jefferies genannten Kursziele von 201 beziehungsweise 230 Euro laufen.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kombination aus hoher Bewertungserwartung und schleppendem KI-Ausbau. Bleibt SAP bei der Auslieferung der Agenten weiter deutlich hinter dem selbstgesteckten Ziel zurück, dürfte der Markt die Diskrepanz zwischen Ambition und Umsetzung stärker einpreisen.

JPMorgan-Analyst Toby Ogg hatte SAP bereits im Frühjahr auf „Neutral“ zurückgestuft und das Kursziel gekappt – ein früher Warnschuss, der die aktuelle UBS-Abstufung im Rückblick weniger überraschend macht.

Zudem bleibt die Aktie mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 37 Prozent anfällig für scharfe Gegenbewegungen, sollte die Erwartungshaltung an die kommenden Quartalszahlen enttäuscht werden. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von rund 24 Prozent zeigt, dass das Vertrauen der Anleger noch nicht vollständig zurückgekehrt ist.

Ausblick

Solange SAP bei den Q3-Zahlen im Oktober an seiner Cloud-Wachstumsdynamik festhält und zugleich belastbare Fortschritte bei der Zahl verfügbarer KI-Agenten vorweisen kann, dürfte die Erholung Richtung der oberen Analystenkursziele intakt bleiben.

Verfehlt SAP dagegen die selbstgesetzte KI-Marke deutlich oder verlangsamt sich das Cloud-Wachstum, dürfte die Skepsis der jüngsten Abstufungen die Oberhand gewinnen und die Aktie wieder näher an ihren 200-Tage-Durchschnitt heranziehen.

Der nächste konkrete Prüfstein sind die für Oktober erwarteten Quartalszahlen zum dritten Quartal 2026 – dort dürfte sich zeigen, wessen Lesart der aktuellen Lage sich durchsetzt.

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