Schaeffler: Dank China-Geschäft auf der Erfolgsspur

Die jüngsten Zahlen des Industriekonzerns Schaeffler kamen bei den Börsianern sehr gut an. Denn der Spezialist für Wälzlager und Getriebe konnte nicht nur ein solides Wachstum im zweiten Quartal melden, sondern auch beim Ausblick eine positive Überraschung liefern.

Dabei profitierte das Unternehmen insbesondere von einem starken Geschäftsgang in China. Was letztlich auch den dortigen Markttrends im Automobilbereich zu verdanken ist, wo Schaeffler als Zulieferer ebenfalls zu den Profiteuren gehört. Dabei untermauern die jüngsten Zahlen auch das Bemühen des Konzerns, sich vom reinen Teilehersteller zum Technologiekonzern zu wandeln.

Trotz Euro-Druck solides Wachstum

Im nun besprochenen Berichtszeitraum erreichte Schaeffler einen Umsatzanstieg um 4,9 % auf 3,6 Milliarden Euro. Was soweit überraschend war, da das Unternehmen sichtbar mit dem starken Euro zu kämpfen hatte. Um Währungseffekte bereinigt hätte der Umsatz Zuwachs sogar fast 8 % betragen. Auf Basis des EBIT erreichte Schaeffler einen operativen Gewinn von 404 Millionen Euro. Dies entsprach einem Plus um rund 17 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Was letztlich auch eine deutliche Verbesserung der Marge bedeutete. Diese kletterte von 9,9 % auf 11,1 %. Insgesamt verdiente das im Fränkischen beheimatete Unternehmen 269 Millionen Euro, fast ein Drittel mehr als im Vorjahr.

Schaeffler bestätigt Ausblick

Entsprechend optimistisch bleibt Schaeffler auch für das Gesamtjahr. Im Vorfeld war befürchtet worden, dass der Konzern seinen Ausblick zurücknehmen könnte. Doch nun wurde bestätigt, dass der Umsatz organisch um 5-6 % zulegen soll. Auch die EBIT-Prognose wurde mit einer Spanne zwischen 10,5 % bis 11,5 % bestätigt.

Obwohl der Quartalsbericht insgesamt sehr gut ausfiel, zeigte er doch, dass es einige Herausforderungen gibt. Dies betrifft insbesondere den Bereich Automotive OEM. In dieser Sparte, wo Schaeffler direkt an Autohersteller liefert, gab es im letzten Quartal sowohl beim Wachstum als auch bei der Profitabilität nur eine unterdurchschnittliche Performance im Vergleich zu den beiden anderen Hauptsparten Automotive Aftermarkets (Autoreparaturen) und Industrie.

Neues Projekt: E-Mobilität

Insofern stieß auch eine andere Ankündigung auf besonderes Interesse. Denn einen Tag vor der Vorlage des Quartalsberichts hatte Schaeffler schon mitgeteilt, sich stärker im Bereich E-Mobilität zu engagieren. Ein Weg dabei führt über ein neues Joint Venture mit der Paravan GmbH, die sich bislang als Spezialist für behindertengerechte Fahrzeugumbauten positioniert hat. Mit dem Joint Venture Schaeffler Paravan Technologie, an dem Schaeffler 90 % halten wird, will man die Ausgangstechnologie von kabelgesteuerter Lenkung und Antrieb hin zum Einsatz bei autonomen Fahrzeugen weiter entwickeln. Dabei baut die Technologie auf dem schon vorhandenen System Spaces Drive auf, das als Systemlösung bereits jetzt über weltweite Straßenzulassungen verfügt und nach Auskunft von Schaeffler das Potenzial hat, auch in Großserien kommerziell einzusetzen wäre.

Kann Aktie von Schaeffler neues Momentum entwickeln?

Unter diesen Aspekten zeigt auch die Aktie von Schaeffler neue Lebenszeichen. Der bisherige Jahresverlauf war alles andere als ansprechend. Nach kräftigen Verlusten zum Jahresanfang sackte die Aktie immer weiter ab und erreichte erst kürzlich bei 10,58 Euro ihren tiefsten Stand seit dem Börsengang. Mit dem Thema E-Mobilität und den neuen Quartalszahlen scheint der Markt zumindest kurzfristig ein Umdenken stattzufinden. Der heutige Break der 50-Tage-Linie lässt auf die Ausbildung eines neuen Momentum spekulieren.

Schaeffler 1 Jahr / Xetra

Hierbei spielen natürlich die weiteren gleitenden Durchschnitte (100 Tage: 12,43 Euro; 200 Tage: 13,32 Euro) eine wichtige Rolle. Für eine erste Turnaround-Phase würden wir den Bereich zwischen 13,80 und 14 Euro anvisieren. Hier zeigt sich eine kräftige Widerstandszone, deren Durchbruch wohl nur dann gelingen wird, wenn Schaeffler weitere positive Fundamentaldaten liefern kann. Mit einem geschätzten KGV von 7,5 für dieses und 6,6 für nächstes Jahr wäre jedenfalls deutlich Luft nach oben.

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