Scottish Mortgage: 10-Prozent-Abschlag trotz SpaceX-IPO

Trotz SpaceX-Börsengang wächst der Abschlag zum inneren Wert des Scottish Mortgage Trust. Lock-up-Fristen bremsen die Kurserholung.

Die Kernpunkte:
  • Aktie steigt trotz wachsendem Abschlag
  • SpaceX-IPO treibt Portfolio-Wert
  • Lock-up-Fristen verhindern schnelle Gewinne
  • Private Beteiligungen bergen Bewertungsrisiken

Am Freitag erlebte der Scottish Mortgage Investment Trust einen ordentlichen Tag an der Börse, die Aktie stieg um knapp zwei Prozent auf 16,98 Euro. Der Anstieg verdeckt jedoch ein Problem, das die Anleger seit Tagen beschäftigt: Der Abschlag zum inneren Wert des Trusts wächst.

Seit dem Börsengang von SpaceX vor knapp zwei Wochen liegt der Kurs deutlich hinter dem Anstieg des Portfolios zurück. Die Rede ist von einem Abschlag zum Nettoinventarwert von fast zehn Prozent. Rein rechnerisch müsste die Aktie also deutlich höher notieren. Tut sie aber nicht.

SpaceX als Hoffnungsträger

SpaceX ist die wertvollste Position im Portfolio des schottischen Trusts. Der Börsengang des Raumfahrtunternehmens am 12. Juni beflügelte den inneren Wert der Aktie. Die Marktkapitalisierung von SpaceX schnellte nach oben — und Scottish Mortgage hält einen erheblichen Anteil.

Doch der Trust kann diesen Gewinn nicht sofort realisieren. Lock-up-Fristen verhindern, dass Großaktionäre ihre SpaceX-Anteile direkt nach dem Börsengang verkaufen. Die Sperrfrist kann bis zu 180 Tage betragen, in manchen Fällen sogar ein Jahr. Kein Wunder, dass der Markt hier eine gewisse Vorsicht walten lässt.

Viele Fragezeichen im Portfolio

Neben SpaceX hält Scottish Mortgage eine Reihe weiterer privater Beteiligungen. Dazu gehören der chinesische TikTok-Konzern ByteDance und der Zahlungsdienstleister Stripe. Diese Firmen sind nicht an der Börse notiert. Ihre Bewertung beruht auf Schätzungen des Managements.

Das birgt Risiken. Börsennotierte Aktien haben einen jederzeit abrufbaren Preis. Private Beteiligungen nicht. Ihr Wert kann schwanken, ohne dass der Markt sofort reagiert — bis zum nächsten Quartalsbericht oder einem Börsengang. Die jüngste SpaceX-Notierung zeigte das Muster: Die positive Entwicklung braucht Zeit, bis sie voll im Aktienkurs ankommt.

Kurs im Jahresverlauf

Trotz des aktuellen Abschlags steht Scottish Mortgage besser da als vor sechs Monaten. Seit November vergangenen Jahres legte die Aktie um über 45 Prozent zu. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus rund 22 Prozent.

Im Mai erreichte der Kurs mit 19,50 Euro das bisherige Jahreshoch. Davon ist der Trust knapp 13 Prozent entfernt. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 17,02 Euro. Die Aktie notiert also minimal darunter.

Der RSI von 49,4 deutet auf eine neutrale Verfassung hin. Weder überkauft noch überverkauft.

Langfristiger Anspruch

Das Management des Scottish Mortgage Trust setzt bewusst auf „außergewöhnliche Wachstumsunternehmen“, egal ob börsennotiert oder nicht. Der Börsengang ist aus ihrer Sicht kein Endpunkt, sondern ein Wechsel des Standorts.

Die Anlagestrategie fokussiert sich auf transformative Bereiche wie Künstliche Intelligenz, Biotechnologie und Logistik. SpaceX, ByteDance und Stripe stehen stellvertretend für diese Philosophie. Sie sollen Kapitalwachstum und Dividenden sichern.

Die aktuelle Bewertungslücke ist ein vorübergehendes Phänomen — solange die Lock-up-Fristen enden und die privaten Beteiligungen ihre Versprechen halten. Bis dahin bleibt der Discount ein Zeichen der Marktskepsis.

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