Scottish Mortgage: 2,4 Millionen Aktien platziert
Der Wachstumstrust profitiert vom KI-Boom, gibt neue Aktien aus und erhält mehr Spielraum für private Beteiligungen.

- Nvidia als stärkster Kurstreiber im Portfolio
- Trust notiert wieder über Nettoinventarwert
- Aktionäre genehmigen erweiterte Anlagestrategie
- Jährliche Rendite von 18,3 Prozent über zehn Jahre
Scottish Mortgage profitiert weiter vom KI-Boom. Der Wachstumstrust wird wieder mit einem Aufschlag auf seinen Nettoinventarwert gehandelt — und gibt deshalb fast täglich neue Aktien aus. Der stärkste Treiber bleibt Nvidia.
Nvidia zieht die Bewertung nach oben
Der Chipkonzern ist eine Kernposition im Portfolio. Seine jüngsten Zahlen liefern genau den Stoff, den Wachstumsinvestoren sehen wollen: Nvidia steigerte den Quartalsumsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 auf 81,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders deutlich zeigt sich die Dynamik im Rechenzentrumsgeschäft. Dort erreichte der Umsatz 75,2 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 92 Prozent. Getrieben wurde das Geschäft vom Hochlauf der Blackwell-300-Produkte und einer starken Nachfrage nach Netzwerklösungen.
Für Scottish Mortgage ist das mehr als eine gute Nachricht aus dem Portfolio. Steigt die Bewertung von Nvidia, verbessert sich auch die Wahrnehmung des Trusts. Kein Wunder, dass der Markt den Investment Trust wieder über seinem Nettoinventarwert bezahlt.
Nvidia selbst setzt ebenfalls ein Signal. Der Verwaltungsrat genehmigte eine zusätzliche Aktienrückkauf-Ermächtigung über 80 Milliarden Dollar. Die Quartalsdividende steigt von 0,01 Dollar auf 0,25 Dollar je Aktie und soll am 26. Juni 2026 ausgezahlt werden.
Aufschlag statt Abschlag
Scottish Mortgage hat die Richtung gedreht. Nach einer längeren Phase mit Abschlag auf den Nettoinventarwert notiert der Trust inzwischen mit Prämie. Das Management nutzt diese Situation und gibt wieder Aktien aus dem Bestand aus.
Am 20. Mai 2026 wurden 2,4 Millionen Aktien aus dem Treasury-Bestand platziert. Der Ausgabepreis lag bei 1.466,46 Pence je Aktie.
Nach dieser Ausgabe belief sich die Zahl der umlaufenden Aktien ohne Treasury-Bestand auf 1.100.716.806 Stück. Seit dem 13. Mai erfolgt die Ausgabe nahezu an jedem Handelstag. Damit steigt die Zahl der Aktien im Umlauf auf rund 1,1 Milliarden.
Der Mechanismus ist für bestehende Aktionäre wichtig. Eine Ausgabe oberhalb des Nettoinventarwerts kann den Trust stärken, weil neues Kapital zu vorteilhaften Konditionen zufließt. Sie zeigt zugleich, dass die Nachfrage nach dem Vehikel aktuell größer ist als das Angebot.
Mehr Spielraum bei privaten Beteiligungen
Ein weiterer Hebel liegt in der neuen Anlagepolitik. Die Aktionäre haben eine geänderte Zielsetzung und Strategie mit 99,72 Prozent der abgegebenen Stimmen gebilligt. Das gibt dem Trust mehr Flexibilität bei nicht börsennotierten Beteiligungen.
Konkret erhält Scottish Mortgage zusätzlichen Spielraum von bis zu 250 Millionen Pfund für Investitionen in private Unternehmen. Diese Reserve greift, wenn der Anteil privater Beteiligungen über 30 Prozent des Gesamtvermögens steigt.
Das ist kein kleines Detail. Private Beteiligungen können allein durch Marktbewegungen über die Grenze rutschen, etwa wenn börsennotierte Positionen fallen oder nicht börsennotierte Beteiligungen neu bewertet werden. Auch Aktienrückkäufe können die Quote verschieben.
Die zusätzliche Kapazität bleibt an eine jährliche Zustimmung der Aktionäre gebunden. Damit verbindet der Trust mehr Flexibilität mit einem klaren Kontrollmechanismus.
Starke Historie, junge Nachfrage
Die langfristige Bilanz bleibt ein wichtiger Teil der Story. Über zehn Jahre erzielte Scottish Mortgage eine jährliche Gesamtrendite auf Nettoinventarwertbasis von 18,3 Prozent. Damit lag der Trust deutlich vor seinem All-World-Referenzindex.
Im AIC-Global-Sektor steht Scottish Mortgage unter neun Fonds über ein, drei und zehn Jahre jeweils auf Rang eins. Das erklärt, warum der Trust wieder stärker in den Blick rückt, sobald die großen Wachstumstitel laufen.
Auch die Vermögensbasis ist beachtlich. Die gesamten Assets liegen bei 16,425 Milliarden Pfund, die Nettovermögenswerte bei 15,199 Milliarden Pfund. Die Zahl der ausstehenden Aktien liegt bei rund 1,098 Milliarden.
Hinzu kommt ein demografischer Rückenwind. Laut einer Invesco-Studie planen 55 Prozent der Briten im Alter von 25 bis 34 Jahren Investitionen in Investment Trusts. Bei den über 65-Jährigen sind es nur 9 Prozent, in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren immerhin 38 Prozent.
Der nächste formale Termin ist die Hauptversammlung am 2. Juli 2026 in Edinburgh. Dort steht auch die Wahl von Heather Manners zur unabhängigen Non-Executive Director an; sie wurde bereits mit Wirkung zum 1. Januar 2026 berufen und bringt rund 35 Jahre Erfahrung mit asiatischen Investments mit. Für Scottish Mortgage bleibt bis dahin der zentrale Taktgeber klar: Solange Nvidia und andere Wachstumswerte liefern, bleibt die Prämie des Trusts mehr als nur ein technisches Detail.
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