Scottish Mortgage: 4,2-Prozent-Nasdaq-Crash schlägt SpaceX-Boost

Trotz SpaceX-Börsengang verliert Scottish Mortgage in einer turbulenten Woche knapp fünf Prozent an Wert.

Die Kernpunkte:
  • Schwacher Arbeitsmarktbericht belastet Wachstumswerte
  • SpaceX-IPO bringt nur kurze Kurserholung
  • Hohe Haltefrist für Altaktionäre nach Börsengang
  • Hauptversammlung entscheidet über Portfolio-Grenzen

SpaceX ist an der Börse — und Scottish Mortgage hat trotzdem verloren. Wer die Woche als IPO-Enttäuschung liest, versteht sie falsch.

Zuerst der Makro-Schock, dann das Börsendebüt

Am 5. Juni meldete die US-Wirtschaft 172.000 neue Stellen im Mai. Fast doppelt so viele wie erwartet. Der Nasdaq brach daraufhin um 4,2 Prozent ein — der schlechteste Handelstag seit April 2025. Der S&P 500 verlor 2,6 Prozent, ebenfalls der größte Tagesrückgang seit Oktober.

Der Grund für die Panik: Ein so starker Arbeitsmarkt lässt die Fed kaum Spielraum für Zinssenkungen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember 2026 stieg auf über 80 Prozent. Für wachstumsorientierte Portfolios mit hohem Anteil an nicht börsennotierten Unternehmen ist das ein strukturelles Problem.

Erst eine Woche später, am 12. Juni, debütierte SpaceX an der Nasdaq unter dem Kürzel SPCX. Der Ausgabepreis lag bei 135 Dollar je Aktie. Das bewertet das Unternehmen mit rund 1,77 Billionen Dollar. Mit 555,6 Millionen neuen Aktien wollte SpaceX etwa 75 Milliarden Dollar einsammeln — Goldman Sachs führte das Konsortium an.

Scottish Mortgage legte am Listing-Tag 5 Prozent zu. Das reichte nicht. Die Aktie schloss die Woche bei 16,12 Euro — ein Minus von knapp 5 Prozent.

SpaceX macht 21 Prozent des Portfolios aus — und bleibt eingefroren

Fondsmanger Tom Slater hatte vorab gewarnt: Der Börsengang könnte volatile Phasen mit sich bringen. Verkaufen will er trotzdem nicht. „Eine Notierung ändert nur den Handelsplatz. Die Gelegenheit und unsere Gründe für das Investment bleiben dieselben“, sagte Slater.

Das klingt überzeugend — ist aber auch gar keine Wahl. Wie bei Börsengängen üblich, gilt für Altaktionäre eine Haltefrist. Typischerweise 90 bis 180 Tage nach dem IPO. Baillie Gifford hat nach eigenen Angaben noch keine Klarheit darüber, wie lange die Sperre dauert oder ob für Scottish Mortgage andere Konditionen gelten als für andere Frühphasen-Investoren.

SpaceX macht inzwischen 21 Prozent der Fondsvermögens aus — rund 3,5 Milliarden Pfund. Baillie Gifford hat die interne Bewertung auf 1,6 Billionen Dollar angehoben, die dritte Aufwertung innerhalb von sechs Monaten. Dieses Papiergewicht bleibt vorerst weitgehend unantastbar.

AGM am 2. Juli: Abstimmung über die 30-Prozent-Grenze

Der Anteil privater, nicht börsennotierter Unternehmen im Portfolio liegt bei 41,4 Prozent — vor einem Jahr waren es noch 27,5 Prozent. Das selbst auferlegte Limit von 30 Prozent hat der Fonds bereits überschritten. Auf der Hauptversammlung am 2. Juli will der Vorstand die Aktionäre um dauerhafte Genehmigung bitten, diese Grenze zu überschreiten.

Weitere Tagesordnungspunkte: Ermächtigung zum Rückkauf von bis zu 14,99 Prozent der ausstehenden Aktien — allerdings nur bei einem Kursabschlag zum Nettoinventarwert. Außerdem steht eine Schlussdividende von 2,97 Pence je Aktie zur Abstimmung. Scottish Mortgage hat seine Ausschüttung 43 Jahre in Folge erhöht.

Institutionelle Käufer bleiben an Bord

Trotz des Kursrückgangs bauen große Investoren ihre Positionen aus. Mitsubishi UFJ Asset Management überschritt am 28. Mai die Meldeschwelle und hält nun 3,02 Prozent der Stimmrechte. Das Signal: Institutionelle Anleger setzen weiter auf Baillie Giffords unorthodoxen Ansatz — auch mit privatem Portfolioanteil jenseits von 40 Prozent.

Ein weiterer möglicher Katalysator: Anthropic, der KI-Entwickler, an dem Scottish Mortgage 2,6 Prozent hält, hat vertraulich einen Börsenprospekt bei der SEC eingereicht. Der annualisierte Umsatz nähert sich 30 Milliarden Dollar. Eine erfolgreiche Notierung würde die These des Fonds für Private-Market-Investments erheblich stärken.

Seit Jahresbeginn liegt die Aktie trotz allem noch rund 16 Prozent im Plus. Das 52-Wochen-Hoch von 19,50 Euro aus dem Mai ist allerdings 17 Prozent entfernt. Die Hauptversammlung am 2. Juli entscheidet, wie weit Scottish Mortgage seinen privaten Anteil künftig treiben darf — und damit, wie stark das Portfolio von SpaceX und ähnlichen Wetten abhängt.

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