Scottish Mortgage: 5,3-Prozent-Sturz vor Juli-AGM
Der Kurs des Scottish Mortgage Trust fällt vor der AGM, die über eine Erhöhung der Privatmarktquote entscheiden soll.

- Kursverlust von über fünf Prozent
- Wichtige Abstimmung am 2. Juli
- Privatmarkt-Anteil bereits über Limit
- IPO-Fantasie durch KI-Firma Anthropic
Ausgerechnet jetzt, wo ein wegweisendes Aktionärstreffen näher rückt, gerät Scottish Mortgage Investment Trust unter Druck. Der Kurs fiel am Freitag um 5,3 Prozent auf 16,12 Euro — der Abstand zum Mitte Mai markierten 52-Wochen-Hoch von 19,50 Euro wächst damit auf rund 17 Prozent.
Zinsangst trifft Wachstumswerte
Auslöser war ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht. Er trieb die implizite Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember 2026 auf über 80 Prozent. Anleger reagierten mit einer Rotation aus hochbewerteten Wachstumstiteln — genau die Sorte, die das Portfolio des Baillie-Gifford-Trusts dominiert.
Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 5,7 Prozent. Der RSI liegt bei 37,5 — technisch nähert sich der Trust der überverkauften Zone.
Dividende: 43 Jahre Wachstum, aber dünne Basis
Kurz vor dem Kursrutsch passierte die Dividende ihren Ex-Tag. Das Board schüttete 2,97 Pence je Aktie aus, was die Jahresdividende um 4,3 Prozent auf 4,57 Pence hebt. Damit verlängert Scottish Mortgage seine Wachstumsserie auf 43 aufeinanderfolgende Jahre. Die Fünf-Jahres-Wachstumsrate liegt bei knapp 6 Prozent.
Die Zahlen dahinter verdienen einen zweiten Blick. Die Gesamtausschüttung von 49,6 Millionen Pfund übersteigt das Ertragskonto-Einkommen von 25,6 Millionen Pfund um mehr als das Doppelte. Der Trust greift dafür auf Rücklagen aus stärkeren Jahren zurück — ein Mechanismus, der funktioniert, solange die privaten Beteiligungen ihren Wert halten.
AGM am 2. Juli: Privatmarkt-Limit auf dem Prüfstand
Am 2. Juli versammeln sich die Aktionäre in Edinburgh. Auf der Agenda steht eine Abstimmung mit weitreichenden Folgen: Das Board will die Obergrenze für nicht-börsennotierte Beteiligungen um weitere 250 Millionen Pfund anheben — und damit dauerhaft über das bisherige Limit von 30 Prozent des Gesamtvermögens steigen.
Die Arithmetik dahinter ist eindeutig. Unnotierte Beteiligungen machen bereits 41,4 Prozent des Portfolios aus, nach 27,5 Prozent ein Jahr zuvor. Neue Privatplatzierungen im Volumen von 254 Millionen Pfund — fast doppelt so viel wie im Vorjahr — haben die Grenze längst gesprengt. Die Genehmigung soll jährlich erneuert werden. Ebenfalls auf der Tagesordnung: ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 14,99 Prozent der ausstehenden Aktien, das greift, sobald der Kurs unter dem Nettoinventarwert notiert.
Institutionelle Käufer und ein IPO-Joker
Während Privatanleger verkaufen, kauft Mitsubishi UFJ Asset Management. Der japanische Vermögensverwalter baute still eine Beteiligung von 3,02 Prozent auf — gut 33,6 Millionen Aktien — und meldete die Position Anfang Juni.
Den Kauf begleitete eine konkrete Fantasie im Portfolio: Anthropic, der KI-Entwickler, hat vertraulich einen IPO-Prospekt bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Scottish Mortgage hält 2,6 Prozent an dem Unternehmen, dessen annualisierter Umsatz inzwischen bei rund 30 Milliarden Dollar liegt. Ein erfolgreicher Börsengang würde die Bewertungsthese des Trusts für private Technologiebeteiligungen stützen — zu denen auch SpaceX, ByteDance, Databricks und Stripe zählen.
Langfristig bleibt die Bilanz überzeugend. Der Nettoinventarwert legte in den zwölf Monaten bis März um 27,4 Prozent zu und schlug damit den FTSE All-World deutlich. Über zehn Jahre summiert sich die NAV-Rendite auf 435 Prozent. Ob das Board am 2. Juli das Mandat bekommt, diesen Kurs mit noch mehr Privatmarktkapital fortzusetzen, entscheidet sich in Edinburgh.
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