Scottish Mortgage: Hauptversammlung am 2. Juli
Trotz Rekord-NAV durch SpaceX verliert Scottish Mortgage Aktie an Wert. Makrodaten und Zinssorgen belasten das Portfolio vor der Hauptversammlung.

- Spacex-Anteil steigt auf 21 Prozent
- Kursrückgang trotz steigendem NAV
- US-Arbeitsmarkt löst Zinssorgen aus
- Hauptversammlung im Juli entscheidend
Der Fonds-NAV klettert, die Aktie fällt. Bei Scottish Mortgage Investment Trust klaffen Substanzwert und Marktpreis gerade deutlich auseinander — und das ausgerechnet vor einer wegweisenden Hauptversammlung.
SpaceX treibt den NAV, nicht den Kurs
Auslöser der NAV-Stärke ist eine Neubewertung der SpaceX-Beteiligung. Der Anteil am Gesamtportfolio sprang von 17,9 Prozent Ende April auf nun 21,0 Prozent. SpaceX ist damit die größte Einzelposition des Fonds und hat den Anteil nicht börsennotierter Unternehmen über die 40-Prozent-Marke gehoben.
Der NAV je Anteil stieg zuletzt auf 1.500,90 Pence. Die Aktie schloss am Montag bei 17,07 Euro — ein Wochenminus von 6,34 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 19,50 Euro Ende Mai beträgt der Abstand bereits 12,44 Prozent.
Makro-Schock trifft Wachstumswerte hart
Den Auslöser für den Kursrückgang lieferte der US-Arbeitsmarkt. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen — fast doppelt so viele wie erwartet. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung bis Dezember 2026 schoss daraufhin von 45 auf über 80 Prozent.
Wachstumswerte reagierten sofort. Der Philadelphia Semiconductor Index verzeichnete seinen stärksten Tagesverlust seit März 2020. Scottish Mortgages Portfolio traf es direkt: Nvidia verlor 6,2 Prozent, Broadcom 7,9 Prozent, Meta über 5 Prozent. Der hohe Anteil privater Beteiligungen — neben SpaceX auch ByteDance, Stripe und Databricks — verschärft das Bild. Private Bewertungen sind weniger transparent, und in Stressphasen kaum schnell liquidierbar.
Aktienausgabe und AGM im Blickpunkt
Pikant: Noch kurz vor dem Rücksetzer hatte Scottish Mortgage eine seltene Prämienphase genutzt. Am 1. Juni platzierte der Fonds 2,35 Millionen Aktien aus dem Eigenbestand zu 1.516,50 Pence, einen Tag später weitere 3,85 Millionen zu 1.545,42 Pence — beide Transaktionen deutlich über dem damaligen NAV von 1.409,70 Pence. In den zwei vorangegangenen Geschäftsjahren hatte der Fonds noch Aktien im Wert von 3,02 Milliarden Pfund zurückgekauft. Die Ausgabe neuer Anteile markiert eine klare Strategieumkehr.
Am 2. Juli treffen sich die Aktionäre in Edinburgh zur Hauptversammlung. Drei Punkte stehen zur Abstimmung:
- Anhebung der Obergrenze für nicht börsennotierte Beteiligungen über die bisherigen 30 Prozent (mit bestehender 250-Millionen-Pfund-Ausnahme)
- Neue Rückkaufermächtigung für bis zu 14,99 Prozent der ausgegebenen Aktien — aber nur bei einem Kurs unterhalb des NAV
- Schlussdividende von 2,97 Pence je Aktie, womit die Jahresdividende auf 4,57 Pence steigt — ein Plus von 4,3 Prozent und das 43. Jahr in Folge mit einer Erhöhung
Langfristbilanz bleibt stark
Das kurzfristige Bild täuscht über die Substanz hinweg. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der Fonds einen NAV-Gesamtertrag von 27,4 Prozent und schlug damit den FTSE All-World mit 18,0 Prozent deutlich. Über zehn Jahre summiert sich der NAV-Zuwachs auf 435 Prozent — gegenüber 234 Prozent für den Weltindex.
Gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 11,68 Euro aus dem November 2025 liegt die Aktie noch immer rund 46 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus knapp 23 Prozent. Der jüngste Rücksetzer hat die Jahresperformance also nicht annähernd ausgelöscht.
Der SpaceX-Börsengang, für den 12. Juni mit einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar erwartet, könnte das Bild rasch verändern. Für Scottish Mortgage würde ein IPO die größte Position von einer illiquiden Privatbeteiligung in einen täglich handelbaren Titel verwandeln — mit mehr Transparenz, aber auch mit voller Marktvolatilität. Wie der Kurs auf diesen Übergang reagiert, dürfte die Stimmung vor dem AGM maßgeblich prägen.
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