Scout24 Aktie: Kurs fällt, Kursziel steigt
Scout24 verzeichnet starkes Umsatzwachstum, doch die Aktie fällt. Die UBS hebt dennoch das Kursziel an und sieht die Strategie bestätigt.

- Umsatzplus von 20 Prozent
- Aktie verliert trotzdem 4,4 Prozent
- UBS erhöht Kursziel auf 115 Euro
- KI-Suchanfragen vervielfachen sich
Ein Wachstumssprung, der die Anleger kaltlässt: Scout24 legt am Donnerstag ein Quartal mit 20 Prozent Umsatzplus vor — und der Kurs bricht trotzdem ein. Einen Tag später hebt die UBS das Kursziel an. Zwei Signale, die kaum unterschiedlicher ausfallen könnten.
Der Immobilienportal-Betreiber steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um ein Fünftel auf fast 193 Millionen Euro, das operative Ergebnis (ooEBITDA) kletterte um 14 Prozent auf 116 Millionen Euro. Organisch, also ohne den Beitrag der spanischen Zukäufe Fotocasa und Habitaclia, wuchs das Geschäft um gut zehn Prozent. Die Aktie reagierte trotzdem negativ: Zwischenzeitlich verlor sie bis zu sechs Prozent, am Ende des Handelstags stand ein Minus von 4,4 Prozent auf 73,05 Euro zu Buche. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf fast 15 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es beinahe 40 Prozent.
Private Nutzer bremsen die Story
Der Haken liegt im Detail: Die Zahl privater Plattformnutzer blieb hinter den Erwartungen zurück. Bernstein-Analystin Annick Maas sah das Zahlenwerk insgesamt im Rahmen der Prognosen, bemängelte aber genau diesen Punkt. JPMorgan-Analyst Marcus Diebel äußerte sich ähnlich, rechnet aber nicht mit Anpassungen an den Ergebnisschätzungen — Scout24 habe solide Zahlen geliefert.
Belastend kommt hinzu, dass die margenschwächere Integration des spanischen Geschäfts die berichtete operative Marge auf Halbjahressicht um 1,3 Prozentpunkte auf 60,1 Prozent drückte. Ohne diesen Effekt lag die organische Marge bei 63 Prozent — über dem Vorjahreswert. Konzernchef Ralf Weitz bestätigte die Jahresprognose: 16 bis 18 Prozent Umsatzwachstum, davon sechs bis sieben Prozentpunkte aus dem Spanien-Geschäft, sowie eine bereinigte operative Marge von bis zu 61 Prozent.
UBS sieht die Story intakt
Die UBS zog am Donnerstagabend eine andere Schlussfolgerung als der Markt. Kursziel rauf von 112 auf 115 Euro, Einstufung „Buy“ bestätigt. Analyst Jo Barnet-Lamb bezeichnete die Quartalszahlen zwar als durchwachsen, sah die Anlagestory aber weiterhin als voll intakt und attraktiv an.
Treiber für diese Einschätzung dürfte auch die zunehmende KI-Nutzung auf der Plattform sein: Die Zahl der KI-gestützten Suchanfragen auf ImmoScout24 stieg im Juni auf 3,3 Millionen — 47-mal so viel wie im Vorjahresmonat. Externe KI-Dienste spielen als Zubringer bislang kaum eine Rolle, was darauf hindeutet, dass Scout24 die Nutzer mit eigenen Tools auf der Plattform hält statt sie an Drittanbieter zu verlieren.
Für das zweite Halbjahr bleibt die Frage im Raum, ob sich die Spanien-Integration wie vom Management erwartet margenseitig verbessert und ob die privaten Nutzerzahlen wieder anziehen — Scout24 selbst verwies bereits auf einen Anstieg der Abonnenten von 522.000 Ende Juni auf 528.000 im Juli nach einer gezielten Marketingkampagne.
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