Sellas: 593-Prozent-Anstieg, Übernahmespekulation bröckelt
Sellas-Aktie zeigt extreme Volatilität durch Übernahmespekulation und anstehende Studienergebnisse. Analysten warnen vor überhöhter Bewertung.

- Aktie mit starken Kursschwankungen
- Übernahmegerüchte durch Management-Anpassungen
- REGAL-Studie als fundamentaler Treiber
- Hohe Shortquote verstärkt Volatilität
Ein Biotech-Titel schwankt zwischen Rekordhoch und heftigem Rücksetzer – und niemand weiß, ob eine Übernahme bevorsteht oder nur ein Studienergebnis. Sellas Life Sciences hat eine der wildesten Wochen seiner Börsengeschichte hinter sich. Am Freitag schloss die Aktie bei 12,85 Euro, ein Minus von 1,91 Prozent auf Tagessicht.
Der Wochenblick relativiert diesen Rücksetzer allerdings deutlich. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 19,53 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es sogar 81,50 Prozent. Der Blick auf zwölf Monate zeigt eine Kursentwicklung von 593,84 Prozent – eine Zahl, die selbst für spekulative Biotech-Werte außergewöhnlich ist.
Eine Woche der Extreme
Am 30. Juni erreichte die Aktie mit 15,25 Euro ihr 52-Wochen-Hoch. Seitdem hat sie rund 15,74 Prozent davon wieder abgegeben. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 124,24 Prozent – ein Wert, der die Nervosität der Anleger unmittelbar widerspiegelt.
Hinter der jüngsten Schwäche steckt Gewinnmitnahme. Trader haben ihre Erwartungen an eine baldige Übernahme offenbar zurückgeschraubt. Konkrete Akquisitionsnachrichten blieben aus, während gleichzeitig die Shortquote hoch bleibt – eine Kombination, die für Kursausschläge in beide Richtungen sorgt.
Leerverkäufe und Übernahmespekulation treiben den Kurs
Die Shortquote kletterte zum 15. Juni auf fast 33 Prozent des Streubesitzes, nach 28,4 Prozent zu Jahresbeginn. Auslöser waren Änderungen an den Abfindungsregelungen des Managements.
Sellas passte die Beschäftigungsvereinbarung von CEO Angelos Stergiou an. Abfindungszahlungen bei einem Kontrollwechsel sollen künftig als einmalige Pauschalzahlung erfolgen. CFO John Burns und Chief Development Officer Dragan Cicic unterschrieben neue Vereinbarungen mit verbesserten Konditionen: Bei einer Kündigung infolge eines Kontrollwechsels erhalten beide eine Pauschale in Höhe von 15 Monatsgehältern.
Diese Änderungen befeuerten Spekulationen, das Management bereite sich auf eine Übernahme oder einen Lizenzdeal vor. Eine formelle Transaktion hat das Unternehmen bislang nicht angekündigt. Analysten warnen, dass sich diese Prämie im Kurs schnell wieder auflösen könnte, sollte die Spekulation ins Leere laufen.
Die REGAL-Studie bleibt der eigentliche Kurstreiber
Unter all der Übernahme-Spekulation liegt der eigentliche Wertreiber: die zulassungsrelevante Phase-3-Studie REGAL zu Galinpepimut-S bei akuter myeloischer Leukämie. Die Studie hat 78 von 80 erforderlichen Ereignissen erreicht. Das 80. Ereignis löst die finale Analyse aus – Sellas will dessen Eintreten unmittelbar bekanntgeben.
Die Bilanz hat sich zuletzt spürbar verbessert. Im ersten Quartal lag der Nettoverlust bei 8,4 Millionen US-Dollar, die liquiden Mittel bei 107,1 Millionen US-Dollar. Im zweiten Quartal kamen 7,5 Millionen US-Dollar aus ausgeübten Warrants hinzu. Eine ATM-Fazilität über bis zu 150 Millionen US-Dollar steht zusätzlich bereit, wurde aber noch nicht genutzt.
Hohe Bewertung, gespaltene Meinungen
Der RSI liegt bei 72,0 und signalisiert überkaufte Bedingungen. Die Aktie notiert 82,80 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 7,03 Euro. Einige Analysten warnen, der Kurs preise bereits erhebliche gute Nachrichten ein, die noch gar nicht eingetreten sind.
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei etwa 25,6 – der Biotech-Sektor kommt im Schnitt auf rund 2,7. Diese Bewertung setzt die Aktie deutlich vom breiteren Markt ab.
Wie stark die Meinungen auseinandergehen, zeigen zwei Fair-Value-Schätzungen aus der Simply-Wall-St-Community: Sie reichen von 1 bis 10 US-Dollar je Aktie – eine Spanne, die kaum größer sein könnte.
Kurzfristig dürfte die Kombination aus rekordnaher Shortquote, ungeklärter Übernahmespekulation und der anstehenden Studienauswertung Sellas zu einem der volatilsten Werte im Biotech-Sektor machen. Das 80. Ereignis der REGAL-Studie bleibt dabei der Termin, der über die fundamentale Bewertung letztlich entscheidet.
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