Sellas Life Sciences Aktie: 11-Prozent-Sprung auf 13,10 Euro
Sellas Life Sciences steigt stark, obwohl die REGAL-Ereigniszahl unbestätigt bleibt und Verluste sowie hohe Volatilität die Bewertung belasten.

- Aktie binnen Jahresfrist 362 Prozent höher
- REGAL-Schwelle bleibt offiziell unbestätigt
- Zweites Quartal mit 9,61 Millionen Dollar Verlust
- Kurs deutlich über gleitenden Durchschnitten
Ich beobachte diese Aktie nun seit Wochen, und langsam stellt sich mir eine Frage, die wichtiger ist als jede weitere Kursnotiz: Was genau treibt Sellas Life Sciences eigentlich noch an? Die Antwort fällt mir unbequem leicht — es ist zunehmend nicht das Unternehmen selbst, sondern das, was Anleger in dessen Schweigen hineininterpretieren.
Der Kurs sprang gestern um 11 Prozent auf 13,10 Euro, nach einem Plus von 47 Prozent binnen 30 Tagen. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 362 Prozent zu Buche. Für sich genommen wären das beeindruckende Zahlen. Für mich sind sie vor allem ein Warnsignal, denn sie entstehen ohne erkennbaren neuen Firmenimpuls.
Ein Trial-Countdown ohne offizielle Bestätigung
Kern der Rally bleibt die Erwartung an die finale Analyse der REGAL-Studie zu galinpepimut-S bei akuter myeloischer Leukämie. Medienberichten zufolge kursierte am 24. August ein deutscher Bericht, wonach die Studie bereits ihr 80. Ereignis erreicht habe — jene Schwelle, ab der die entscheidenden Daten fällig würden. Sellas selbst hat das nicht bestätigt. Der zuletzt offiziell genannte Stand datiert aus dem Mai und lag bei 78 Ereignissen.
Das ist für mich der eigentliche Knackpunkt dieser Geschichte: Der Markt handelt eine Zahl, die das Unternehmen nie ausgesprochen hat. Wenn ein Kursgewinn von zweistelligen Prozentpunkten an einem einzigen Handelstag auf einer unbestätigten Spekulation fußt, dann trägt dieser Kurs ein Risiko, das in keiner Bilanz auftaucht.
Verstärkt wurde die Stimmung Mitte der Woche durch die Zulassung von Revolution Medicines‘ RASONQUE gegen metastasierendes Bauchspeicheldrüsenkrebs durch die US-Arzneimittelbehörde FDA.
Ein branchenfremdes Ereignis, das laut Marktkommentaren dennoch auf Sellas abfärbte — offenbar weil der hauseigene Wirkstoff SLS009 in präklinischen Diskussionen ebenfalls mit Pankreaskrebs in Verbindung gebracht wird. Auch hier gilt: Kein eigener Datenpunkt von Sellas, sondern ein Reflex auf Nachrichten eines Wettbewerbers.
Fundamentaldaten und Kursniveau driften auseinander
Nüchtern betrachtet bleibt die Substanz überschaubar. Für das zweite Quartal wies Sellas einen Nettoverlust von 9,61 Millionen US-Dollar aus, je Aktie 0,05 Dollar, im ersten Halbjahr summierte sich das auf 18,01 Millionen Dollar beziehungsweise 0,10 Dollar je Anteil. Die Kassenlage mit 138,3 Millionen Dollar zum Quartalsende gibt dem Unternehmen Zeit, ist aber kein Beleg für nahende kommerzielle Erfolge.
Vor rund zwei Wochen hatten Alliance Global mit einem Kursziel von 35 Dollar und Maxim Group mit 30 Dollar ihre Einschätzungen bekräftigt — seither hat die Aktie um 23,0 Prozent zugelegt. Diese Kursziele sind längst eingepreist, und ich würde sie heute nicht mehr als frischen Treiber werten, sondern als Beleg dafür, wie sehr die Erwartungshaltung bereits vorgelaufen ist.
Dass institutionelle Adressen wie Jefferies mit einer neuen Position von gut 200.000 Aktien und Susquehanna mit einer Aufstockung zuletzt zukauften, spricht zumindest für professionelles Interesse. Es ändert aber nichts an der Grundspannung: Der Aktienkurs bewegt sich 22 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt und 131 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Eine Volatilität von 92 Prozent auf Jahresbasis unterstreicht, wie nervös dieses Papier inzwischen gehandelt wird.
Mein Fazit
Für mich überwiegt derzeit die Skepsis. Die wissenschaftliche Story um galinpepimut-S mag Substanz haben — CEO Angelos Stergiou verwies zuletzt auf eine pädiatrische Leukämie-Studie, die aus seiner Sicht die wissenschaftliche Basis von REGAL stützt, und sprach von Vorbereitungen für einen Database-Lock.
Doch solange die entscheidende Ereigniszahl unbestätigt bleibt und der Kurs primär auf Gerüchten reagiert, halte ich die Bewertung von 2,38 Milliarden Euro für fragil. Die Chancen auf einen positiven Studienausgang mögen real sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass die aktuelle Kursdynamik bei jeder Enttäuschung ebenso heftig nach unten ausschlägt, halte ich für mindestens ebenso groß.
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