Sellas Life Sciences Aktie: 17 Prozent nach Moderna-Daten

Sellas-Aktie profitiert von positiven Krebsimpfstoff-Daten Dritter. Entscheidende REGAL-Studie rückt näher, institutionelle Anleger erhöhen Anteil.

Die Kernpunkte:
  • Kurssprung nach positiven Phase-3-Daten
  • REGAL-Studie nähert sich kritischem Meilenstein
  • Institutionelle Anleger verdoppeln Aktienanteil
  • Sektor-Tailwind durch Moderna-Erfolg

Ein fremder Erfolg wird zum eigenen Kurstreiber – das ist an der Börse selten so sauber zu beobachten wie derzeit bei Sellas Life Sciences. Der Kurs sprang am Freitag um 17 Prozent, nachdem Merck und Moderna positive Phase-3-Daten zu ihrem personalisierten Krebsimpfstoff vorgelegt hatten. Für mich ist das mehr als eine reine Stimmungswelle – es ist ein plausibler Fingerzeig auf das, was Sellas in den kommenden Monaten bevorstehen könnte.

Der Auslöser: Ein fremder Erfolg mit Signalwirkung

Laut CNBC vom 19. August erreichte die Studie von Merck und Moderna ihr Hauptziel: Bei Melanom-Patienten verlängerte sich die Zeit ohne Rückfall deutlich, das Risiko einer Krebsausbreitung sank spürbar. Moderna-Aktien legten daraufhin am Mittwoch um mehr als 12 Prozent zu, im Wochenverlauf summierte sich der Sprung laut CNBC auf rund 177 Prozent.

Dass ein solcher Ausschlag bei einem branchenfremden, aber thematisch verwandten Unternehmen auf Sellas überschwappt, zeigt, wie eng Anleger die gesamte Klasse immunbasierter Krebstherapien inzwischen mitverfolgen.

Bezeichnend finde ich die Einschätzung von Maxim Group, wonach die Moderna-Daten gut für den anstehenden Sellas-Datenpunkt stünden. Diese Aussage vom 21. August verknüpft explizit zwei an sich getrennte Wirkstoffklassen – und genau das dürfte den Kurs bewegt haben. Ob die Analogie wissenschaftlich trägt, ist eine andere Frage. Aus Anlegersicht zählt zunächst die Erwartungshaltung, und die hat sich sichtbar verschoben.

Die eigentliche Substanz: REGAL und SLS009

Wer nur auf den Moderna-Reflex schaut, verpasst den eigentlichen Kern der Sellas-Geschichte. Vor rund zwei Wochen legte das Unternehmen seine Zahlen zum zweiten Quartal vor – seither hat die Aktie um 30,5 Prozent zugelegt.

Zentral bleibt die Phase-3-Studie REGAL, die sich dem vorab definierten 80. Ereignis nähert, einem kritischen Meilenstein auf dem Weg zur finalen Wirksamkeitsanalyse und einem möglichen BLA-Antrag bei der FDA.

Parallel läuft die Phase-2-Studie zu SLS009 bei neu diagnostizierten AML-Patienten, in der laut Unternehmensangaben vom 11. August bereits 28 von 80 geplanten Patienten eingeschlossen sind – die Rekrutierung liege über dem Branchenstandard. Topline-Daten werden für das vierte Quartal 2026 erwartet.

Dazu kommen erste präklinische Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit von SLS009 bei fortgeschrittenem, gegen RAS-Inhibitoren resistentem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Für mich ist das ein Baustein, der die Pipeline über REGAL hinaus verbreitert – auch wenn die klinische Entwicklung hier erst vorbereitet wird und noch keine belastbaren Daten liefert.

Bilanziell steht Sellas mit rund 138,3 Millionen US-Dollar an Zahlungsmitteln zum 30. Juni solide da. Bemerkenswert finde ich zudem, dass sich der institutionelle Aktienanteil im Vorfeld dieses binären Ereignisses laut Angaben von Seeking Alpha vom 2. August auf 36,34 Prozent verdoppelt hat. Wenn professionelle Investoren vor einem Datenpunkt aufstocken statt abzuwarten, spricht das für Vertrauen in die Risiko-Chance-Relation.

Bewertung und Risiko: Wie weit trägt die Euphorie?

Die Kursdynamik ist inzwischen atemberaubend: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 367 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar 771 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt 143 Prozent – ein Wert, der die Frage aufwirft, wie viel positive Erwartung bereits eingepreist ist.

Mit einem RSI von 68,3 und einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 106 Prozent bewegt sich die Aktie in einem Bereich, den ich als überhitzt bezeichnen würde, selbst wenn die fundamentale Story intakt bleibt.

Zum 52-Wochen-Hoch von 15,25 Euro, erreicht Ende Juni, fehlen aktuell noch 13 Prozent – die jüngste Rally hat also noch nicht zu neuen Höchstständen geführt. Das deutet für mich darauf hin, dass der Markt trotz aller Begeisterung noch nicht vollständig überzieht, sondern sich in Richtung der bisherigen Spitze bewegt.

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente, die für eine intakte Story sprechen: eine nahende REGAL-Entscheidung, solide Kassenlage, wachsendes institutionelles Interesse und ein Sektor-Tailwind durch die Moderna-Daten. Das Risiko liegt in der Konzentration auf wenige binäre Ereignisse – schlägt eines davon fehl, dürfte die aufgebaute Euphorie ebenso schnell wieder verpuffen, wie sie entstanden ist.

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