Semperit Aktie: Margenschutz im Zweiten Halbjahr
Semperit verbuchte 69 Millionen Euro operatives EBITDA; höhere Materialkosten und Kundenverhandlungen prägen den weiteren Jahresverlauf.

- Halbjahresmarge erreicht 18,7 Prozent
- 69 Millionen Euro EBITDA verbucht
- Investitionsbudget bislang kaum ausgeschöpft
- Übernahmepläne bis Ende 2027 bekräftigt
Semperit hat das erste Halbjahr stärker abgeschlossen als erwartet. Auf einer Konferenz in Paris machte das Management nun klar, dass der Spitzenwert nicht von Dauer sein dürfte. Im Mittelpunkt stehen jetzt Preisverhandlungen, Investitionen und mögliche Zukäufe.
Hohe Marge, vorsichtiger Ausblick
Die operative EBITDA-Marge lag im ersten Halbjahr bei 18,7 Prozent. Getragen wurde sie von Preisanpassungen als Reaktion auf die Rohstoffschwankungen im Zuge des Iran-Kriegs sowie von höheren Volumen. Bereits 69 Millionen Euro operatives EBITDA sind verbucht, das entspricht 69 Prozent des Jahresziels von rund 100 Millionen Euro.
Für die zweite Jahreshälfte erwartet das Unternehmen höhere Materialkosten, die ab dem dritten Quartal auf die Ergebnisrechnung durchschlagen. Ob die Marge hält, hängt von den Preis- und Mengenverhandlungen mit Kunden ab. Der erneute Anstieg der Rohstoffpreise seit Juli stärkt dabei die Verhandlungsposition. Zuvor hatten fallende Preise noch als Gegenwind gewirkt.
Bis zum Jahresziel fehlen 31 Millionen Euro. Ein wesentlicher Teil davon dürfte bereits im dritten Quartal anfallen. Beim vierten Quartal gibt sich das Management bewusst zurückhaltend, solange die Rohstoffpreise und die geopolitische Lage wenig Sicht bieten. Die damit implizierte Latte wirkt für Analysten niedrig.
Investitionen und Zukäufe
Auf der Ausgabenseite lässt sich Semperit Zeit. Vom jährlichen Investitionsbudget von 40 bis 45 Millionen Euro flossen im ersten Halbjahr erst 14,5 Millionen Euro, überwiegend in Instandhaltung. Das lässt Spielraum für das Werk im tschechischen Odry, wo die Schlauchproduktion ausgebaut wird.
Dort stehen in den kommenden vier bis fünf Jahren noch rund 50 Millionen Euro an. Das Tempo richtet sich danach, wie deutlich die Nachfrage anzieht. Parallel läuft der Ausbau der LSR-Kapazitäten in Thalheim.
Hinzu kommen Übernahmepläne. Das Management bekräftigte seine M&A-Ambitionen bis Ende 2027. Ein Analyst rechnet mit mindestens einer Transaktion, möglicherweise einer größeren im Stil der RICO-Übernahme, die zum Elastomer-Geschäft passt und zweistellige Millionenumsätze beisteuert. Solche Zukäufe sind in den Schätzungen bislang nicht berücksichtigt.
Kursziel bleibt bei 22 Euro
Der Analyst bestätigt seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 22 Euro, abgeleitet aus einem DCF-Modell. Das starke erste Halbjahr sieht er als solide Basis für den Rest des Jahres. Gleichzeitig soll das Gürtelgeschäft (Belting) weiter stabilisiert und gestärkt werden.
Entscheidend sind die Verhandlungsrunden mit den Kunden im vierten Quartal: Gelingt es, die gestiegenen Materialkosten weiterzugeben, hält die Marge. Das dritte Quartal liefert dann den ersten Beleg, ob der Großteil der fehlenden 31 Millionen Euro tatsächlich dort anfällt.
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