Semperit Aktie: Squeeze-out ab 90 Prozent droht
Das Übernahmeangebot der B&C-Gruppe für Semperit läuft aus. Aktionäre müssen bis Mitte Juni über die Annahme entscheiden.

- B&C-Angebot endet Mitte Juni
- Streubesitz sinkt drastisch
- Kursziel liegt über Angebotspreis
- Operatives Ergebnis steigt deutlich
Das Übernahmeangebot der B&C-Gruppe für Semperit biegt auf die Zielgerade ein. Bis Mitte Juni können Aktionäre ihre Papiere für 15 Euro abgeben. Eine Nachbesserung schließt der Großaktionär kategorisch aus. Die Folge: Die Lage spitzt sich für verbliebene Anteilseigner zu.
Liquidität schwindet
Die B&C Holding kontrolliert bereits mehr als 58 Prozent des Kautschukverarbeiters. Geschäftsführer Patrick Lackenbucher begründet die Offerte mit dem geringen Handelsvolumen. Für institutionelle Investoren sei der Titel schlicht uninteressant. Ein Ausverkauf eines US-Fonds ließ den Kurs kürzlich um rund 30 Prozent einbrechen.
Nach Fristende verschärft sich dieses Problem. Der Streubesitz sinkt weiter. Die Aktie wird dadurch noch anfälliger für extreme Kursschwankungen.
Abschied von der Börse?
Ein offizielles Delisting plant die Beteiligungsholding aktuell nicht. Allerdings schließt das Management diesen Schritt ab einer Schwelle von 90 Prozent nicht aus. Dann könnte ein Gesellschafterausschluss erfolgen.
Parallel dazu droht der Rauswurf aus dem Prime-Segment der Wiener Börse. Fällt der Streubesitz zu stark, erfüllt Semperit die Mindestanforderungen für den amtlichen Handel nicht mehr.
Preis unter Wert
Finanziell ist das Angebot umstritten. Vorstand und Aufsichtsrat betonen den Buchwert von 20,20 Euro je Aktie. Analysten sehen das Kursziel sogar bei bis zu 22 Euro. Das B&C-Angebot liegt mit 15 Euro deutlich darunter.
Operativ steht der Konzern solide da. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz auf 163,7 Millionen Euro. Das operative Ergebnis sprang auf 26,8 Millionen Euro.
Selbst die Führungsebene ist bei der Bewertung gespalten. Vorstandsmitglied Manfred Stanek will das Angebot annehmen. Sein Kollege Helmut Sorger lehnt ab.
Für das Gesamtjahr hält Semperit Kurs. Der Vorstand peilt ein operatives Ergebnis von rund 95 Millionen Euro an. Die Annahmequote der B&C-Offerte entscheidet in wenigen Tagen über die künftige Handelbarkeit der Papiere. Fällt die Liquidität auf ein Minimum, rücken fundamentale Kennzahlen am Markt schnell in den Hintergrund.
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