ServiceNow Aktie: 3,877 Milliarden Subscription-Umsatz, 1.000 Stellen
ServiceNow kürzt hunderte Stellen und meldet zugleich Rekordumsätze. Der KI-Softwarekonzern integriert Zukäufe und wendet seine Automatisierungsstrategie intern an.

- Bis zu 1.000 Stellen sollen wegfallen
- Quartalsumsatz steigt um 24,5 Prozent
- KI-Segment meldet Aufträge über Milliarde
- Aktie legt nach Zahlen kräftig zu
Ein Softwarekonzern, der seinen Kunden verspricht, mit künstlicher Intelligenz ganze Arbeitsprozesse zu automatisieren, streicht nun bei sich selbst hunderte Stellen. Klingt das nach Widerspruch? Bei ServiceNow ist es eher die Logik der Sache. Wer Automatisierung verkauft, muss sie irgendwann auch bei sich selbst anwenden – und genau das erleben derzeit Beschäftigte in San Diego, Santa Clara und an anderen Standorten des Unternehmens.
Stellenabbau als Kehrseite des Wachstums
Medienberichten zufolge könnte ServiceNow in diesem Jahr bis zu 1.000 Stellen abbauen. Ein Unternehmenssprecher bezifferte die Kürzungen auf einen „niedrigen einstelligen Prozentsatz“ der gesamten Belegschaft, verteilt über mehrere Monate des Jahres 2026. Ziel sei es, zum Jahresende wieder etwa den Personalstand zu erreichen, mit dem das Jahr begonnen hat – rund 29.000 Mitarbeiter. Der Hintergrund: ServiceNow hat mit Moveworks, Veza und Armis mehrere Zukäufe integriert und ordnet die Organisation nun neu.
Konkreter wird es bei den Details. Laut Berichterstattung der San Diego Union-Tribune verlieren 133 Beschäftigte, vor allem in Senior- und Direktorenpositionen, ihren Job im dortigen Standort, dazu kommen einige Hundert weitere weltweit – betroffen sind vor allem Kundenkontakt, Engineering und Qualitätssicherung. Die Kürzungen sollen bis zum 28. September 2026 abgeschlossen sein. Bereits am 17. August greift eine separate, im Rahmen einer WARN-Meldung angezeigte Kündigungswelle: 117 Stellen in San Diego und Santa Clara. Eine Analyse verweist zudem darauf, dass die GAAP-Bruttomarge im Subscription-Geschäft von 80 auf 73,5 Prozent gerutscht sei – bedingt durch Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aus den Übernahmen.
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte
Und hier wird es interessant, denn während die Personalabteilung kürzt, meldet die Finanzabteilung Rekorde. Im zweiten Quartal 2026 kletterten die Subscription-Umsätze auf 3.877 Millionen Dollar, ein Plus von 24,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz erreichte 3.987 Millionen Dollar, ebenfalls rund ein Viertel mehr als im Vorjahresquartal. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,90 Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung von 0,86 Dollar. Die kumulierten, noch nicht realisierten Auftragsbestände (cRPO) wuchsen um 21 Prozent auf 13,20 Milliarden Dollar. Für das Segment ServiceNow AI meldete das Unternehmen einen Auftragswert von über einer Milliarde Dollar allein im Quartal – und die Prognose für den Subscription-Umsatz des Gesamtjahres wurde auf 15.760 bis 15.780 Millionen Dollar angehoben, was einem erwarteten Wachstum von 22,5 Prozent entspricht.
Diese Kombination aus zweistelligem Wachstum und gleichzeitigem Personalabbau ist kein Einzelfall in der Softwarebranche, bei ServiceNow aber besonders sichtbar, weil das Unternehmen sein eigenes Produkt – Automatisierung von Geschäftsprozessen – nun offenbar konsequent nach innen wendet. Am 4. August kündigte ServiceNow zudem eine Erweiterung seiner „Autonomous Security“-Strategie an: sechs vereinte Lösungen für präventive, KI-native Cyberabwehr, darunter ein „Vulnerability Resolution AI Specialist“, der Sicherheitsworkflows eigenständig abschließen soll. Die Botschaft an den Markt ist klar – Software soll zunehmend Aufgaben übernehmen, die bislang Menschen erledigten, auch im eigenen Haus.
Was der Markt daraus macht
Am Kapitalmarkt kam die Kombination aus starken Zahlen und angekündigter Effizienzsteigerung gut an. Am Freitag schloss die Aktie bei 108,00 Euro, ein Plus von 6,19 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen sieben Tage summiert sich der Anstieg auf 11,94 Prozent, über 30 Tage auf 14,50 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt umgerechnet bei 104,84 Milliarden Euro. Ein Relative-Stärke-Index von 66 signalisiert zwar noch keine überkaufte Lage, deutet aber auf spürbaren Momentum-Rückenwind hin – bei einer annualisierten Volatilität von knapp 59 Prozent bleibt die Aktie freilich ein Papier für Anleger mit stabilem Nervenkostüm.
Kurz nach den Quartalszahlen, am 23. Juli, hatten mehrere Analysehäuser ihre Kursziele angehoben. Bernstein bezeichnete das Quartal seinerzeit als „dringend benötigte Erleichterung“ und zog das Kursziel auf 248 Dollar an, nachdem das erste Quartal noch Zweifel an der Verlässlichkeit der Wachstumsstory geweckt hatte. JPMorgan-Analyst Samik Chatterjee erhöhte sein Ziel auf 150 Dollar und sah die Ergebnisse als Beleg dafür, dass Bedenken gegenüber Softwarewerten insgesamt nachlassen – während sein Kollege Mark Murphy trotz gleichbleibender Kaufempfehlung sein Kursziel senkte und eine „seltsame Flaute“ beim organischen cRPO-Wachstum bemängelte, obwohl das Management sein KI-Auftragsziel für 2026 um die Hälfte auf 1,5 Milliarden Dollar angehoben hatte. Diese Einschätzungen liegen inzwischen mehr als zwei Wochen zurück und spiegeln die Stimmung unmittelbar nach den Zahlen, nicht notwendigerweise die aktuelle Haltung der Häuser.
Die eigentliche Frage für Beobachter dürfte eine andere sein: Wie viele der heute noch von Menschen erledigten Aufgaben werden in einem Jahr von genau jenen KI-Werkzeugen übernommen, die ServiceNow gerade in Rekordtempo verkauft? Der Konzern liefert darauf gerade live eine Antwort – an seiner eigenen Belegschaft.
ServiceNow-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ServiceNow-Analyse vom 8. August liefert die Antwort:
Die neusten ServiceNow-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ServiceNow-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 8. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
ServiceNow: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




