ServiceNow Aktie: 47 Prozent Aufwärtspotenzial bis 123,82 Euro

ServiceNow baut Stellen ab und kooperiert mit IBM, um KI-Workflows voranzutreiben. Die Aktie zeigt sich angesichts des Umbruchs volatil.

Die Kernpunkte:
  • Hunderte Stellenstreichungen wegen KI-Effizienz
  • Erweiterte Partnerschaft mit IBM angekündigt
  • Sicherheitslücke in Kundeninstanzen geschlossen
  • Neues Modul EmployeeWorks für Mitarbeitersteuerung

ServiceNow baut sich gerade in Echtzeit um — und der Kurs spiegelt die Unsicherheit darüber wider. Minus 4,81 Prozent in sieben Tagen, minus 5,09 Prozent im Monat. Das ist kein Absturz, aber ein klares Signal: Der Markt wartet noch auf den Beweis, dass die KI-Wette aufgeht.

Stellenabbau als Strategie

Die größte Schlagzeile der Woche war unangenehm. ServiceNow baut hunderte Stellen ab — und begründet das mit „echten KI-Effizienzgewinnen“ im eigenen Haus. Die KI, die das Unternehmen seinen Kunden verkauft, macht also intern Jobs überflüssig. Das ist konsequent. Und es ist ein Bruch: 2023 hatte ServiceNow noch versprochen, keine Stellen zu streichen.

Solche Kehrtwenden erzeugen Misstrauen. Aber sie können auch Klarheit schaffen. Wer jetzt abbaut, um KI-Talente einzustellen, setzt ein Zeichen — kein Lippenbekenntnis zur KI, sondern ein struktureller Umbau. Die Frage ist, ob dieser Umbau schnell genug Früchte trägt, um die Investoren zu überzeugen.

IBM-Partnerschaft und das Legacy-Problem

Parallel dazu verkündete ServiceNow eine erweiterte Zusammenarbeit mit IBM. Die Partnerschaft zielt auf ein konkretes Problem: Unternehmen sitzen auf veralteten Systemen und unstrukturierten Daten — beides blockiert den Einsatz von KI im großen Maßstab. ServiceNow und IBM wollen gemeinsam diese Hürde nehmen. IBM bringt KI-, Daten- und Automatisierungskompetenz mit. ServiceNow stellt die Plattform, über die Workflows laufen.

Die gemeinsamen Lösungen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 verfügbar sein. Das ist nah genug, um konkret zu sein — und weit genug weg, um noch nichts zu beweisen.

Was dahinter steckt, ist eine klare Positionierung: ServiceNow will die Schicht sein, die Anwendungen, Mitarbeiter und Geschäftsprozesse verbindet. Nicht ein weiteres KI-Tool, das neben bestehenden Systemen läuft — das Unternehmen nennt das abfällig „Sidecar AI“ —, sondern die zentrale Plattform. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie viele Unternehmen bereit sind, ihre Infrastruktur grundlegend zu modernisieren.

Sicherheitslücke und Produktneuheiten

Die Woche brachte auch eine weniger willkommene Meldung. ServiceNow warnte, dass eine Sicherheitslücke ausgenutzt wurde, um unbefugten Zugriff auf Kundeninstanzen zu erlangen. Ein Sicherheits-Update wurde am 5. Juni eingespielt, betroffene Kunden wurden informiert. Solche Vorfälle sind für ein Unternehmen, das Unternehmenskritisches verwaltet, keine Kleinigkeit — auch wenn die schnelle Reaktion professionell wirkt.

Auf der Produktseite folgte im Juni der Release von „EmployeeWorks“. Das neue Modul gibt Unternehmen mehr Kontrolle über die Mitarbeitererfahrung und führt KI-Präferenzen ein — etwa für die Steuerung, wie KI bei Aufgabenübersichten oder Anfragen eingesetzt wird. Kein Meilenstein, aber ein weiterer Baustein in der Strategie, KI tief in jeden Workflow zu integrieren.

Was der Kurs verrät

Der RSI liegt bei 43 — weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tages-Volatilität von knapp 79 Prozent zeigt, dass die Aktie keine ruhige See ist. Analysten sehen das Kursziel im Konsens bei 123,82 Euro — ein impliziertes Aufwärtspotenzial von fast 47 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss von 84,30 Euro. Benchmark hob das Kursziel zuletzt am 15. Juni an und verwies auf die KI-Wachstumsperspektive.

Der Markt glaubt also grundsätzlich an die Geschichte. Er wartet nur noch auf die Zahlen, die sie bestätigen.

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