ServiceNow Aktie: 6,35 Prozent Plus in sieben Tagen
Trotz Kursverlusten hebt Guggenheim ServiceNow auf Kaufen. Die Aktie erholt sich vor den Quartalszahlen am 22. Juli.

- Guggenheim stuft Aktie auf Kaufen hoch
- Kursziel liegt 33,8 Prozent über aktuellem Niveau
- KI-Partnerschaft soll Effizienz massiv steigern
- Quartalszahlen am 22. Juli als wichtiger Test
Die Softwarebranche nennt es selbst „SaaSpocalypse“ — die Angst, dass generative KI die klassischen Abo-Modelle für Unternehmenssoftware einfach überflüssig macht. ServiceNow steckt mitten in diesem Sturm. Und trotzdem mehren sich gerade die Zeichen, dass Wall Street ihre Untergangsstimmung überdenkt.
Der Kurs hat in den vergangenen 30 Tagen 9,14 Prozent verloren, die annualisierte Volatilität liegt bei kaum vorstellbaren 82,02 Prozent. Wer bei solchen Zahlen an Panik denkt, liegt nicht ganz falsch. Aber die letzten sieben Handelstage erzählen eine andere Geschichte: Der Kurs legte um 6,35 Prozent zu, die Aktie schloss am Donnerstag bei 92,40 Euro.
Der Wendepunkt kam von Guggenheim
Nach Analysen von Guggenheim Securities handelten zuletzt fast drei Viertel aller beobachteten Softwarefirmen zu Bewertungen, wie man sie zuletzt in der Finanzkrise 2008 sah. Der Auslöser: die Furcht, KI-Modelle könnten SaaS-Anbieter schlicht ersetzen.
Am 1. Juli kippte die Stimmung. Guggenheim-Analyst John DiFucci stufte ServiceNow auf „Buy“ hoch. Seine These: Die KI-Angst hat die Bewertung weit unter den fundamentalen Wert gedrückt. Das aktuelle Kursziel im Analystenkonsens liegt bei 123,66 Euro — ein Aufschlag von 33,8 Prozent zum Donnerstagsschluss.
Das ist kein kleines Signal. Es bedeutet: Professionelle Beobachter sehen den aktuellen Kurs als vorübergehende Verzerrung, nicht als neue Realität.
KI als Werkzeug, nicht als Totengräber
ServiceNow versucht gerade, sich vom vermeintlichen KI-Opfer zum KI-Dirigenten zu wandeln. Die Partnerschaft mit Aria Systems für eine KI-native Telekom-Plattform ist dafür das Paradebeispiel. Das Ziel: Kosten pro Kundenkontakt um bis zu 70 Prozent senken.
Diese Zahl widerspricht der Grundannahme der SaaSpocalypse direkt. Statt KI-Ausgaben gegen Software-Ausgaben aufzurechnen, positioniert ServiceNow seine „Now Assist“-Suite als zentrale Steuerungseinheit für Unternehmenseffizienz. Bis 2026 soll damit ein Vertragswert von 1,5 Milliarden Dollar erreicht werden.
Ganz ohne Reibung läuft das nicht. Börsenkommentator Jim Cramer verweist auf einen Trend zu kürzeren Vertragslaufzeiten. IT-Chefs zögern bei langfristigen Bindungen, solange sich KI-Technologie so schnell weiterentwickelt. Diese Vorsicht erklärt einen Teil der Kursschwäche der vergangenen Wochen — auch wenn die jüngste Erholung zeigt, dass Käufer vor dem nächsten großen Katalysator zurückkehren.
Der Showdown am 22. Juli
Am 22. Juli legt ServiceNow seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Dieser Termin wird zur Nagelprobe: Bestätigt sich die Erholung der letzten Tage, oder behalten die Zweifler recht?
Das Management hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2030 soll der Abo-Umsatz die Marke von 30 Milliarden Dollar überschreiten — fast das Dreifache der 12,9 Milliarden Dollar aus 2025. Für das laufende Jahr 2026 hält der Konzern an seiner Prognose von rund 15,8 Milliarden Dollar fest.
Technisch steht die Aktie derzeit auf neutralem Boden. Der RSI liegt bei 55,1, weder überkauft noch überverkauft. Bei einer Marktkapitalisierung von 89,49 Milliarden Euro dürfte der Earnings Call vor allem auf eine Kennzahl schauen: die verbleibenden Vertragsverpflichtungen, kurz RPO. Sie gelten als verlässlichster Frühindikator dafür, wie stabil künftige Umsätze wirklich sind.
Die eigentliche Frage lautet längst nicht mehr, ob ServiceNow die KI-Ära übersteht. Sie lautet, ob der aktuelle Kurs von 92,40 Euro der Rolle des Konzerns als tragende Säule der digitalen Unternehmenswelt überhaupt gerecht wird. Am 22. Juli gibt es die erste ernsthafte Antwort darauf.
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