ServiceNow Aktie: Agentforce-Umsätze steigen um 205 Prozent
ServiceNow profitiert von Kapitalabflüssen aus Chipwerten. Analysten uneins über Nachhaltigkeit der Erholung nach starkem KI-Wachstum.

- Aktie erholt sich um 25 Prozent
- KI-Umsatz übersteigt Milliardenmarke
- Kapitalrotation von Chips zu Software
- Analysten uneins über Kursentwicklung
Geld verlässt gerade die KI-Infrastruktur und sucht sich neue Ziele. ServiceNow ist zum Paradebeispiel dieser Bewegung geworden. Anleger verkaufen Chip-Werte und kaufen Software-Firmen, die mit künstlicher Intelligenz tatsächlich Geld verdienen — nicht nur solche, die sie bauen.
Die Aktie legte 3,97 Prozent zu und schloss bei 101,00 Euro. Über sieben Handelstage summiert sich das Plus auf 25 Prozent, über einen Monat auf 16,25 Prozent. Das ist eine Erholung, wie man sie selten sieht.
Vom Sorgenkind zum Senkrechtstarter
Der Vergleich zeigt, wie tief ServiceNow gefallen war. Über das vergangene Jahr hatte die Aktie 45 Prozent verloren — einer der am stärksten abgestraften Namen im Software-Sektor. Genau dieser Absturz hat die Bühne für den jetzigen Kurssprung bereitet.
Zwei Auslöser trafen zusammen. Erstens legten Salesforce und ServiceNow nach starken KI-Zahlen zwischen sieben und acht Prozent zu. Die Agentforce-Jahresumsätze von ServiceNow kletterten um 205 Prozent, das KI-Geschäft überschritt erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar. Zweitens sorgte ein Bericht für Bewegung: Nvidia soll die Rechenzentrums-Finanzierung von OpenAI absichern. Nvidia und AMD verloren daraufhin zwischen fünf und sieben Prozent — und das freigesetzte Kapital floss in überverkaufte Software-Titel.
Das ist keine reine ServiceNow-Geschichte. Software-Aktien waren Anfang des Jahres brutal abgestraft worden, aus Angst, KI könnte sie überflüssig machen. Jetzt belohnt der Markt das Gegenteil: Unternehmen, die mit KI Geld verdienen, statt nur Milliarden in ihren Aufbau zu stecken. Anleger trennen offenbar zwischen Firmen, die Kapital verbrennen, und solchen, die KI einfach auf ihre bestehende Kundenbasis aufsetzen.
Ein Markt, der noch nicht weiß, was die Aktie wert ist
Mit einer Marktkapitalisierung von 95,83 Milliarden Euro notiert ServiceNow bei einem RSI von 61,9 — deutlich über neutral, aber noch nicht überkauft. Das lässt der Rally technisch noch Luft, bevor Erschöpfung einsetzt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 63,38 Prozent zeigt allerdings, wie heftig die Stimmung zuletzt geschwankt hat.
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 123,16 Euro, ein Potenzial von rund 21,9 Prozent. Hinter diesem Konsens verbirgt sich aber ein ungewöhnlich breiter Meinungsstreit. Bernstein, Evercore ISI, JPMorgan, Cantor und Jefferies haben ihre Kursziele angehoben. Bank of America verweist auf einen „übersehenen KI-Vorteil“. UBS dagegen stufte die Aktie auf „Neutral“ zurück und begründet dies mit einer „gemischten Nachfragelage“.
Diese Spanne zwischen Optimisten und Skeptikern ist für ein Unternehmen dieser Größe außergewöhnlich breit. Der Markt hat sich offenbar noch nicht entschieden, ob ServiceNows KI-Monetarisierung eine dauerhafte Neubewertung verdient — oder nur ein Ausschlag der Kapitalrotation ist.
Rotation oder echte Neubewertung?
Die eigentliche Frage für Anleger: Spiegelt dieser Kurssprung echten Geschäftsschwung wider, oder schwappt hier einfach Kapital von einem Sektor in den nächsten? Beobachter der breiteren Software-Rally betonen, die Bewegung habe wenig mit einzelnen Unternehmensmeldungen zu tun gehabt — sie sei vor allem eine Verschiebung der Kapitalströme gewesen. ServiceNows eigene Zahlen lieferten der Rotation aber einen willkommenen, unternehmensspezifischen Aufhänger.
Etwas Vorsicht ist angebracht. Ein Teil des Quartalsergebnisses stammt aus vorgezogenen Bundesbehörden-Umsätzen, die eigentlich für das dritte Quartal geplant waren. Die Bruttomarge sank zudem von 81 auf 77,9 Prozent — Details, die die positive Erzählung etwas trüben.
Ob die aktuelle Volatilität von 63 Prozent sich beruhigt, sobald die Rotation ausläuft, oder ob ServiceNow ein Stellvertreter für die Stimmungsschwankungen im Chip-Sektor bleibt, entscheidet letztlich, ob die Aktie ihren Lauf fortsetzt oder ihn ebenso schnell wieder verliert, wie er begonnen hat.
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