ServiceNow Aktie: Bruttomarge fällt auf 80,5 Prozent
ServiceNow erreicht Milliardenumsatz mit KI, doch sinkende Margen und Stellenabbau belasten den Aktienkurs. Analysten sehen weiteres Potenzial.

- KI-Geschäft erreicht Milliardenmarke
- Bruttomarge sinkt deutlich
- Bis zu 1000 Stellenstreichungen geplant
- Aktie verliert trotz Wachstum
ServiceNow hat einen Meilenstein erreicht. Das KI-Geschäft überschreitet erstmals eine jährliche Vertragssumme von einer Milliarde Dollar. Trotzdem brach die Aktie gestern um 5,45 Prozent ein und schloss bei 95,64 Euro. Für mich zeigt das: Anleger zahlen der KI-Story nicht mehr blind Vertrauen.
Das Margen-Paradox
Der eigentliche Auslöser der Nervosität liegt tiefer als der Tagesverlust. Die Bruttomarge im Abo-Geschäft fiel von 83,0 auf 80,5 Prozent. Verantwortlich dafür sind massive Investitionen in KI-Infrastruktur.
CEO Bill McDermott hält an seiner „AI-first“-Strategie fest. Die kurzfristigen Kosten dieser Wette testen aber gerade die Geduld des Marktes.
Parallel dazu baut ServiceNow die Belegschaft um. Berichten zufolge streicht der Konzern bis zu 1.000 Stellen. Der Konzern integriert dabei die Zukäufe Moveworks, Veza und Armis.
Das Management nennt das Ganze eine Anpassung an die „Rule of 56″, ein internes Effizienzziel. Wer aber gleichzeitig Stellen streicht und Milliarden in Rechenzentren steckt, fährt das klassische Geschäft bewusst auf Verschleiß – um die nächste Wachstumsphase zu finanzieren. Für mich ist das kein Widerspruch, sondern eine bewusste Wette des Managements.
Wachstum trotz Nervosität
Der Kurs bleibt volatil, das stimmt. Trotz des Rückschlags von gestern steht die Aktie über sieben Tage noch mit 10,06 Prozent im Plus. Das spricht für eine gewisse Widerstandsfähigkeit im mittelfristigen Trend, auch wenn ein einzelner schwacher Handelstag die Stimmung kurzfristig kippen kann.
Ein Grund für den Optimismus einiger Marktteilnehmer: Autonome Software-Agenten, die eigenständig Aufgaben übernehmen, sind in neun Monaten um das Neunfache gewachsen. Für sie rechtfertigt dieses Tempo die aktuelle Ausgabenflut. Wer dagegen nur auf die Marge schaut, sieht vor allem ein Unternehmen, das seine Zukunft teuer erkauft.
Der Preis der Führung
Die eigentliche Wette liegt in den offenen Auftragsbeständen. Das „Remaining Performance Obligations“-Volumen liegt bei 29 Milliarden Dollar. Entscheidend wird, ob ServiceNow diese Aufträge in margenstärkere Umsätze verwandelt, sobald die KI-Systeme im großen Stil laufen.
Der Konsens der Analysten sieht ein Kursziel von 121,70 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 27,2 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs.
ServiceNow verhält sich dabei ein Stück weit wie ein Zolleinnehmer der digitalen Transformation. Jedes Unternehmen, das KI-Workflows in seine Prozesse einbaut, landet am Ende bei genau dieser Plattform. Diese Position rechtfertigt aus meiner Sicht einen Vertrauensvorschuss, den viele andere Softwarekonzerne nicht bekommen würden.
Unterm Strich: Die „KI-Nervosität“ ist real, wirkt aber eher wie der Eintrittspreis für eine dominante Plattform als wie ein Alarmsignal. Mein Urteil: Wer über die aktuelle Margen-Delle hinwegblickt, hat die besseren Karten – vorausgesetzt, ServiceNow bringt die Infrastrukturkosten in den kommenden Quartalen unter Kontrolle.
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