ServiceNow Aktie: Entscheidung am Mittwochabend
ServiceNow veröffentlicht Quartalszahlen, die über KI-bedingte Wachstumsängste entscheiden könnten.

- Quartalsbericht am Mittwochabend
- cRPO-Wachstum als Schlüsselkennzahl
- KI-Budgetverschiebungen im Fokus
- Analysten uneins über Aktienbewertung
ServiceNow legt am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor. Der Termin fällt in eine Phase, in der Investoren seit Monaten eine bange Frage umtreibt: Frisst künstliche Intelligenz das Wachstumsmodell des Softwarekonzerns an? Die Aktie schloss am Dienstag bei 89,62 Euro, ein Minus von 2,33 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,93 Prozent zu Buche, auf 30 Tage gerechnet bleibt trotzdem ein Plus von 10,07 Prozent.
Die entscheidende Kennzahl
Eine Zahl dürfte am Mittwoch über die Kursrichtung entscheiden: das Wachstum der laufenden Auftragsbestände, im Fachjargon cRPO genannt. Für das zweite Quartal hat ServiceNow selbst ein Wachstum von 19,5 Prozent in konstanten Währungen als Ziel ausgegeben. Das wäre ein weiterer Rückgang gegenüber den 21 Prozent aus dem ersten Quartal.
Fällt die tatsächliche Zahl noch niedriger aus, dürften Anleger das als Beleg werten: KI-getriebene Budgetverschiebungen wären dann kein Einzelfall mehr, sondern ein branchenweiter Trend. Übertrifft ServiceNow die eigene Vorgabe, würde das die These stützen, dass der Markt die KI-Disruptionsängste überzogen hat.
Das bullische Szenario
Die Wachstumszahlen sehen auf dem Papier solide aus. Analysten erwarten im Konsens einen Umsatz von 3,92 Milliarden Dollar, ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahresquartal. Der erwartete Gewinn je Aktie liegt bei 86 Cent.
ServiceNow hat in den vergangenen vier Quartalen jedes Mal die Konsensschätzungen geschlagen, im Schnitt um 9,47 Prozent. Das erste Quartal 2026 setzte dabei einen besonders starken Ton: Der Konzern übertraf sämtliche Umsatz- und Profitabilitätsziele am oberen Ende der eigenen Prognose und hob den Ausblick für die Abo-Umsätze des Gesamtjahres an. Die laufenden Auftragsbestände lagen zu diesem Zeitpunkt bei 12,64 Milliarden Dollar, ein Plus von 22,5 Prozent zum Vorjahr.
Auch bei den Analysten mehren sich konstruktive Stimmen. Guggenheim-Analyst John DiFucci hob ServiceNow am 1. Juli auf „Buy“ mit einem Kursziel von 125 Dollar an. Seine Begründung: Die Bewertung von rund dem 7,5-fachen des erwarteten Umsatzes der nächsten zwölf Monate sei nach dem steilen Kursrückgang gerechtfertigt. Guggenheims Kernthese lautet, KI werde für ServiceNow kaum zum „Totengräber“ — die Risiken seien im aktuellen Kurs bereits größtenteils eingepreist.
Diese Einschätzung passt zum aktuellen Analysten-Konsenskursziel von 124,08 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 38,5 Prozent gegenüber dem Dienstagsschluss. Eine Lücke dieser Größenordnung reicht aus: Schon ein moderat versöhnliches Quartal könnte eine deutliche Neubewertung auslösen.
Das bärische Szenario
Die Gegenposition dreht sich um eine einfache Frage: Wandern Software-Budgets leise in Richtung KI-Infrastruktur ab, weg von Plattformen wie ServiceNow? Ein Warnsignal kam zuletzt von IBM. Der Konzern berichtete, Kunden hätten Ende Juni ihre Quartalsbudgets von Software und Infrastruktur hin zu KI-Hardware und Speicherchips umgeschichtet.
Ob dieses Muster ein IBM-spezifisches Problem bleibt oder ein branchenweiter Trend ist, dürften die Zahlen vom Mittwoch klären helfen. Bestätigt sich die Umschichtung auch bei ServiceNow, würde das die Disruptions-Erzählung untermauern, die den Kurs seit Monaten belastet.
Unabhängig von der KI-Frage bleibt die Bewertung ein Risikofaktor. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 60,82 — ein deutlicher Aufschlag zum historischen Durchschnitt. Das lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen bei der Prognose.
Nicht alle Analysten sind optimistisch gestimmt. CLSA sieht bei ServiceNow ein Abwärtspotenzial von rund 31 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau — ein Hinweis darauf, wie gespalten die Wall Street die Wachstumsprämie des Konzerns tatsächlich einschätzt. Hinzu kommt: Insider haben in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 2,7 Millionen Dollar verkauft, ohne jegliche Käufe im gleichen Zeitraum.
Ausblick
Charttechnisch bewegt sich die Aktie in neutralem Terrain. Der RSI von 47,7 zeigt keine klare Richtung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 53 Prozent signalisiert dagegen: Die Reaktion auf die Zahlen dürfte heftig ausfallen — in die eine oder andere Richtung.
Bleibt das cRPO-Wachstum nahe der Zielmarke von 19,5 Prozent und bekräftigt das Management sein Vertrauen in KI-gestützte Vertragsabschlüsse, dürfte das bullische Szenario an Zugkraft gewinnen. Die Bewertungslücke zum Konsenskursziel von 124,08 Euro bietet dafür reichlich Raum. Verfehlt das Wachstum die eigene Vorgabe oder bestätigt das Management Budgetverschiebungen nach dem Muster von IBM, gewinnt die Bären-These neues Gewicht — und die hohe Bewertungsprämie der Aktie gerät erneut unter Druck.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht am Mittwochabend nach US-Börsenschluss, ergänzt durch den aktualisierten Ausblick für Abo-Umsätze und cRPO-Wachstum, den das Management im begleitenden Earnings Call liefern dürfte.
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