ServiceNow Aktie: IBM-Allianz für Enterprise-KI ab H2 2026

Trotz solider Geschäftszahlen und Partnerschaften leidet die ServiceNow-Aktie unter Zinsängsten und einer Neubewertung von SaaS-Modellen.

Die Kernpunkte:
  • Kursrückgang trotz Umsatzwachstum
  • Zinsentwicklung belastet Softwaretitel
  • SaaS-Modell durch KI unter Druck
  • Institutionelle Investoren stocken auf

Starke Quartalszahlen, wachsende Unternehmenspartnerschaften, breite Analystenunterstützung — und trotzdem fällt die Aktie. Bei ServiceNow klaffen fundamentale Stärke und Kursentwicklung gerade weit auseinander.

Zinsen drücken auf die Bewertung

Der kurze Erholungsversuch ist verpufft. Am 15. Juni hatte die Aktie noch 4,6 Prozent zugelegt, nachdem die US-Regierung ein Friedensabkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus ankündigte und die Anleiherenditen kurz nachgaben. Dieser Impuls ist inzwischen vollständig aufgebraucht. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 6,83 Prozent, der Schlusskurs lag zuletzt bei 82,88 Euro.

Software-Aktien reagieren besonders empfindlich auf steigende Langfristzinsen. Ihre Bewertungen hängen an Gewinnen, die weit in der Zukunft liegen — und je höher der risikofreie Zins, desto stärker schrumpft deren Gegenwartswert. Dreht das Makrobild, dreht auch der Kurs.

SaaS-Modell unter Druck

Hinter dem Kursrückgang steckt mehr als nur Zinsempfindlichkeit. Der Columbia Global Technology Growth Fund beschrieb ServiceNow in seinem Investorenbrief für das erste Quartal 2026 als prominentes Opfer einer strukturellen Neubewertung von SaaS-Geschäftsmodellen. Auslöser: die wachsende Verbreitung KI-nativer Lösungen großer Hyperscaler, die das klassische Lizenzmodell nach Nutzeranzahl unter Druck setzen.

Das Unternehmen selbst liefert dabei solide Zahlen. Der Abonnementumsatz wuchs im ersten Quartal um 22 Prozent auf 3,67 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal erwartet ServiceNow Abonnementerlöse zwischen 3,815 und 3,820 Milliarden Dollar. Die Jahresprognose hat das Management angehoben.

Institutionelle kaufen, Hedgefonds halten

Auffällig ist das Verhalten großer Investoren. Im ersten Quartal erhöhten 1.208 institutionelle Anleger ihre Positionen, während 1.111 Positionen reduzierten. Netto überwiegen die Käufer — trotz des deutlichen Kursrückgangs. ServiceNow zählt zu den 40 meistgehaltenen Aktien unter Hedgefonds.

Das Unternehmen kauft selbst zurück. Im ersten Quartal erwarb ServiceNow rund 20,1 Millionen eigene Aktien. Verbleibende Mittel im Rückkaufprogramm: rund 4,2 Milliarden Dollar.

IBM-Allianz für Enterprise-KI

Am 11. Juni verkündeten IBM und ServiceNow eine erweiterte Zusammenarbeit. Ziel ist es, zwei zentrale Hindernisse für KI im Unternehmenseinsatz zu beseitigen: fehlende KI-taugliche Datenbasis und veraltete Anwendungsschichten. Gemeinsame Lösungen sollen Altsysteme modernisieren, IBMs Datenkompetenz mit der ServiceNow-Plattform verbinden und autonomen IT-Betrieb ermöglichen. Verfügbar sein sollen sie in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Wall Street bleibt optimistisch

Die Analystengemeinde zeigt sich wenig beeindruckt vom Kursrückgang. 43 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 141,98 Dollar. Benchmark setzte am 15. Juni ein Kursziel von 130 Dollar. Das Gesamturteil lautet „Strong Buy“.

Der RSI liegt bei 41,4, die annualisierte 30-Tage-Volatilität bei 79,37 Prozent. Im vergangenen Jahr bewegte sich die Aktie 24 Mal um mehr als fünf Prozent — in beide Richtungen. Das zweite Quartal endet am 30. Juni; die dann folgenden Zahlen werden zeigen, ob die erhöhte Jahresprognose hält.

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