SGL Carbon: 72 Prozent Plus, Erholung erst 2027
Der Aktienkurs von SGL Carbon eilt dem operativen Geschäft voraus. Neue Wachstumsmärkte wie Verteidigung sollen den Umsatz bis 2030 ankurbeln.

- Aktie legt seit Jahresbeginn 72 Prozent zu
- SiC-Halbleiter-Erholung erst ab 2027 erwartet
- Restrukturierung bei Carbon Fibers abgeschlossen
- Umsatzprognose 2026 zwischen 720 und 770 Millionen Euro
Seit Jahresbeginn hat die SGL Carbon Aktie rund 72 Prozent zugelegt. Heute notiert sie bei 5,43 Euro — knapp unter dem 52-Wochen-Hoch. Der Kursanstieg läuft dem operativen Tempo deutlich voraus.
Am 1. Juni hat SGL Carbon eine neue Investor-Relations-Präsentation veröffentlicht. Sie trägt den Titel „Focused Growth with Top Notch Solutions“ und skizziert den Wachstumspfad bis 2030. Die Botschaft ist klar: Die Restrukturierung ist durch, die Wachstumsmärkte sind definiert. Nur die Erholung lässt noch auf sich warten.
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Halbleiter: Der Hebel zieht erst später
Siliziumkarbid-Halbleiter bleiben das wichtigste Wachstumsfeld für SGL Carbon. Das eigene Potenzial beziffert der Konzern bis 2030 auf mehr als 50 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz. Eine operative Erholung erwartet das Unternehmen allerdings erst ab 2027.
Bis dahin bleibt der Markt schwierig. Kunden bauen weiter Lagerbestände ab. Neue Elektrofahrzeugmodelle mit hohem SiC-Anteil verzögern sich. Der Preisdruck auf Spezialgraphitprodukte steigt. Das ist kein Zusammenbruch des Halbleiter-Case — aber ein klares Signal, dass 2026 noch kein Erholungsjahr wird.
Restrukturierung kostet Umsatz, bringt Marge
Der Umbau bei Carbon Fibers ist nahezu abgeschlossen. SGL Carbon hat 2025 rund 28 Millionen Euro eingespart. Die Produktion in Lavradio wurde im Juni 2025 eingestellt, Moses Lake folgte Anfang August.
Der Preis dafür zeigt sich im Umsatz. 2025 erzielte der Konzern 850 Millionen Euro — nach gut einer Milliarde Euro im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA sank auf 135 Millionen Euro. Die Marge hielt sich mit 15,9 Prozent stabil. Weniger Volumen, aber gesündere Struktur.
2026: Prognose bleibt eng gefasst
Für das laufende Jahr erwartet SGL Carbon einen Umsatz zwischen 720 und 770 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 110 und 130 Millionen Euro liegen. Das Unternehmen rechnet mit schwachem Wirtschaftsumfeld, keinem Aufschwung in Halbleiter und Automotive und noch keinen nennenswerten Erlösen aus neuen Märkten.
Das erste Quartal 2026 passt in dieses Bild. Der Umsatz fiel um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 184,5 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge stieg dabei von 14,3 auf 16,0 Prozent.
Verteidigung und Kernenergie als nächste Wette
Bis 2030 peilt SGL Carbon mehr als eine Milliarde Euro Umsatz an. Die Marge soll auf 15 bis 18 Prozent klettern. Neben der SiC-Erholung sollen neue Märkte die Lücke füllen.
Im Verteidigungsbereich nennt das Unternehmen Drohnenkomponenten, Fahrzeugteile, Körperschutz sowie Raketen- und Flugkörperteile. Das Potenzial bis 2030 beziffert SGL Carbon auf mehr als 50 Millionen Euro. Luft- und Raumfahrt soll weitere 15 Millionen Euro beisteuern. Small Modular Reactors runden das Bild ab.
Der Kurs preist einen Teil dieser Fantasie bereits ein. Ob Verteidigung und Kernenergie schnell genug konkrete Aufträge liefern, entscheidet sich spätestens mit den Halbjahreszahlen — erfahrungsgemäß im August.
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