Shell Aktie: 28 Prozent Plus seit Jahresbeginn

Die britischen Ölkonzerne Shell und BP fokussieren sich wieder auf ihr Kerngeschäft und reduzieren ihre Ambitionen im Bereich erneuerbarer Energien.

Die Kernpunkte:
  • Shell und BP fokussieren auf Öl und Gas
  • US-Schieferölproduzenten senken Investitionen
  • ExxonMobil plant Produktionssteigerung bis 2030
  • Shell-Aktie nahe 52-Wochen-Hoch

Shell und BP besinnen sich wieder auf ihr Kerngeschäft. Beide britischen Ölkonzerne rücken von der breit angelegten Diversifizierung in erneuerbare Energien ab und konzentrieren sich verstärkt auf traditionelles Öl- und Gasgeschäft. Das berichtete Energy Intelligence am Freitag unter Berufung auf die Strategien der beiden Unternehmen, die von den Vorstandschefs Wael Sawan bei Shell und Meg O’Neill bei BP verantwortet werden.

Der Schritt markiert eine bemerkenswerte Kehrtwende. Noch vor wenigen Jahren hatten beide Konzerne milliardenschwere Investitionen in Wind-, Solar- und Wasserstoffprojekte angekündigt und sich als integrierte Energiekonzerne der Zukunft positioniert. Diese Ambitionen werden nun offenbar zurückgefahren – ein Trend, der sich in die Entwicklung der gesamten Öl- und Gasbranche einfügt.

Schieferölproduzenten drosseln Investitionen

Parallel zur strategischen Neuausrichtung der Öl-Majors zeichnet sich auch bei US-Schieferölproduzenten ein vorsichtigerer Kurs ab. Chevron und ConocoPhillips senkten ihre Investitionsausgaben im Perm-Becken-Umfeld der Lower 48 im ersten Halbjahr um 10 Prozent, Occidental kürzte im Permian-Becken sogar um 20 Prozent.

Chevron verfolgt dabei eine explizite „Plateau“-Strategie mit einer Förderung von rund einer Million Barrel Öläquivalent pro Tag im Permian-Becken und 400.000 Barrel im DJ Basin.

Nicht alle Wettbewerber bremsen jedoch: ExxonMobil steigerte seine Förderung im zweiten Quartal um 12,5 Prozent auf 1,8 Millionen Barrel pro Tag und plant bis 2030 ein Plus von 40 Prozent. Die US-Gesamtproduktion soll nach Angaben der Energy Information Administration in diesem Jahr um 200.000 Barrel pro Tag auf 13,8 Millionen Barrel steigen.

Für Shell bedeutet das strategische Umfeld: Der Wettbewerb um Kapitaldisziplin und Kapitalrenditen in einem margenbewussten Ölmarkt verschärft sich, während die Rückkehr zum Kerngeschäft zugleich Ressourcen für Aktionärsrenditen freisetzt.

Kurs nahe Jahreshoch

An der Börse zeigt sich die Aktie robust. Am Freitag schloss das Papier bei 39,94 Euro, ein moderates Minus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 2,4 Prozent zu Buche, und seit Jahresbeginn hat der Kurs um 28 Prozent zugelegt. Damit notiert Shell nur noch 3,3 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 41,32 Euro, das Ende März erreicht wurde.

Die Kursentwicklung fügt sich in ein Bild ein, in dem sich Anleger zunehmend an fokussierten, cashflow-starken Öl- und Gasgeschäften orientieren statt an diversifizierten Energiewetten.

Shells Rückkaufprogramm, das noch bis zum 23. Oktober läuft und zuletzt Anfang August 1.173.496 Aktien umfasste, unterstreicht diesen Kurs zusätzlich – es ist Teil einer Kapitalallokation, die sich klar auf Aktionärsrenditen statt auf neue diversifizierte Wachstumsfelder konzentriert.

Für Investoren bedeutet die strategische Rückbesinnung eine klarere Ausrichtung: Shell definiert sich wieder stärker über sein traditionelles Geschäftsmodell. Das dürfte die Bewertung transparenter machen, birgt zugleich aber eine stärkere Abhängigkeit von der Entwicklung der Öl- und Gaspreise – in einem Marktumfeld, in dem Wettbewerber wie ExxonMobil auf Wachstum setzen, während andere wie Chevron und Occidental bewusst bremsen.

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