Shell Aktie: 720-Millionen-Dollar-Streit mit Zypern

Shell investiert Milliarden in australisches Gasprojekt, während Zypern den Anteilsverkauf am Aphrodite-Feld ohne Genehmigung rügt. Starke Quartalszahlen treiben Kapitalrückführung.

Die Kernpunkte:
  • Australien-Gasprojekt erhält grünes Licht
  • Zypern kritisiert Shell wegen Aphrodite-Deal
  • Quartalsgewinn übertrifft Analystenerwartungen deutlich
  • Aktienrückkauf und Dividende beschlossen

Shell steckt mitten in einem Spannungsfeld zwischen Wachstum und Ärger mit Behörden. Während der Ölkonzern gestern eine milliardenschwere Investitionsentscheidung für ein Gasprojekt in Australien verkündete, meldete sich zugleich die zypriotische Regierung mit Vorwürfen zu Wort – wegen eines Verkaufs vor der eigenen Haustür im Mittelmeer.

Streit um Aphrodite-Deal, grünes Licht für Surat

Nikosia wirft Shell vor, den Verkauf seines 35-Prozent-Anteils am Gasfeld Aphrodite vor Zypern an den ungarischen Konzern MOL ohne die erforderliche vorherige Zustimmung der Regierung eingeleitet zu haben. Der Deal über 720 Millionen Dollar war Ende Juli angekündigt worden, der Streit über die fehlende Genehmigung brach gestern öffentlich auf. Wie die Auseinandersetzung ausgeht, ist offen – rechtlich wie zeitlich.

Parallel dazu trieb Shell sein Wachstum in Australien voran. Der Konzern traf die finale Investitionsentscheidung für Phase 3 des Surat-Kohleflözgas-Projekts. Die Spitzenproduktion soll ab 2028 bei 79 Millionen Kubikfuß pro Tag liegen, die Investitionssumme beziffert Shell auf umgerechnet rund 713 Millionen australische Dollar. Der Kontrast ist auffällig: Auf der einen Seite ein Verkauf, der juristischen Gegenwind erzeugt, auf der anderen ein Neubau, der ungehindert weiterläuft.

Kapitalrückführung nach starkem Quartal

Der Hintergrund für die aktuelle Kapitaldisziplin liegt im Juli. Shell meldete am 30. Juli ein bereinigtes Ergebnis von 9,8 Milliarden Dollar für das zweite Quartal 2026 und übertraf damit die Konsensschätzung der Analysten von 8,79 Milliarden Dollar deutlich. Gleichzeitig legte der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm über 4,232 Milliarden Dollar auf, das bis zur Vorlage der Q3-Zahlen abgeschlossen sein soll. Nach Unternehmensangaben setzt sich die Summe aus 3 Milliarden Dollar neuen Mitteln und 1,232 Milliarden Dollar an „Nachhol“-Rückkäufen zusammen, die während der Übernahme von ARC Resources ausgesetzt waren.

Am Donnerstag kaufte Shell im Rahmen dieses Programms 1.075.000 eigene Aktien zur Einziehung zurück – zu einem volumengewichteten Durchschnittspreis von 32,96 Pfund an der Londoner Börse und 38,75 Euro auf XAMS. Zum 31. Juli lag die Zahl der Stimmrechte nach Einziehung der zurückgekauften Papiere bei 7.845.622.110. Ergänzend beschloss der Vorstand für das zweite Quartal eine Zwischendividende von 0,3906 Dollar pro Aktie. Der Ex-Dividenden-Tag ist der 13. August, die Auszahlung erfolgt am 21. September.

Portfolioumbau und Wechsel im Aufsichtsgremium

Auch abseits der Bilanz baut Shell sein Portfolio um. Anfang August unterzeichnete der Konzern eine Vereinbarung, sein gesamtes europäisches Onshore-Erneuerbare-Energien-Portfolio an TotalEnergies zu verkaufen – 0,5 Gigawatt in Betrieb oder im Bau sowie eine Pipeline von weiteren 3,5 Gigawatt. Der Kaufpreis wurde nicht genannt, der Abschluss wird bis Jahresende erwartet.

Auf der Führungsebene kam es ebenfalls zu Bewegung: Am 1. August übernahm Holly Keller Koeppel den Vorsitz des Prüfungs- und Risikoausschusses von Ann Godbehere, die zum selben Datum aus dem Board ausschied. Finanzchefin Sinead Gorman verkaufte zudem Ende Juli 30.000 Stammaktien zu einem Durchschnittspreis von 3.369 Pence, was einem Gegenwert von rund 1,01 Millionen Pfund entspricht.

Analysten bleiben nach Zahlenbeat zuversichtlich

Die Reaktionen der Investmentbanken auf den Quartalsbericht fielen positiv aus. Jefferies bekräftigte Ende Juli sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 4.500 Pence. Berenberg zog Anfang August nach und bestätigte ebenfalls eine Kaufempfehlung, setzte das Kursziel jedoch bei 4.000 Pence an. Beide Häuser begründeten ihre Einschätzung mit dem deutlichen Gewinnsprung im zweiten Quartal.

An der Börse zeigte sich das Papier zuletzt uneinheitlich: Am Freitag schloss die Aktie bei 38,31 Euro und gab um 1,33 Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 22,42 Prozent zu Buche, der Kurs notiert damit weiterhin deutlich über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Der Streit um Aphrodite dürfte in den kommenden Wochen zeigen, wie belastbar diese Stärke bleibt.

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