Siemens Aktie: Betriebsrat kritisiert Kaeser-Abspaltungen
Siemens-Betriebsratschef Bäumler kritisiert die Abspaltungen von Healthineers und Energy als strategischen Fehler, lobt aber den laufenden Umbau unter CEO Busch.

- Kritik an früheren Konzernabspaltungen
- Lob für aktuellen Technologie-Umbau
- Aktie nahe 52-Wochen-Hoch
- Schienenverkehr mit neuer Rekordfahrt
Der Gesamtbetriebsratschef von Siemens, Tobias Bäumler, hat die Konzernabspaltungen der vergangenen Jahre scharf kritisiert. In einem Gespräch mit der Welt am Sonntag bezeichnete er die unter Ex-CEO Joe Kaeser vollzogenen Ausgliederungen von Siemens Healthineers und Siemens Energy zwischen 2018 und 2020 als Fehler. Beide Sparten hätten sich seither gut entwickelt – Siemens wäre nach seiner Einschätzung heute wertvoller, wäre der Konzern damals zusammengeblieben.
Bäumler verband die Kritik an der Vergangenheit mit Lob für die Gegenwart. Den laufenden Umbau unter dem amtierenden CEO Roland Busch bewertet er positiv: Er beschreibt ihn als Paradigmenwechsel hin zu mehr Technologiefokus, mit dem Ziel, Siemens für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz fit zu machen und auf eine einheitliche Datenbasis zu stellen.
Gleichzeitig fordert der Betriebsratschef mehr Transparenz gegenüber der Belegschaft während des Umbauprozesses. Bemerkenswert am Rande: Kaeser sitzt heute als Aufsichtsratschef bei Siemens Energy – jenem Unternehmen, dessen Abspaltung Bäumler nun als strategischen Fehler einordnet.
Busch treibt Umbau mit eigenem Arbeitsstil voran
Wie CEO Busch den Wandel operativ steuert, beschrieb er selbst in einem Porträt: Er startet seinen Tag mit 75 bis 90 Minuten Sport, hält seinen Posteingang trotz rund 200 täglicher E-Mails unter 100 Nachrichten und antwortet oft knapp mit „OK“ oder „No“.
Auf regelmäßige Meetings mit direkten Mitarbeitern verzichtet er bewusst. Der Manager ist seit Februar 2021 CEO und blickt auf 32 Jahre im Konzern zurück – eine Kontinuität, die dem aktuellen Umbau zusätzliches Gewicht verleiht, weil sie nicht von außen, sondern aus tiefer Kenntnis der Konzernstrukturen heraus gestaltet wird.
Operatives Geschäft läuft parallel weiter
Abseits der Strategiedebatte zeigt sich das operative Geschäft robust. In München wird das an Siemens vermietete Bauprojekt „Officehome Beat“ trotz der Insolvenz des Kölner Bauträgers PANDION AG fortgesetzt – ein Hinweis darauf, dass Siemens als Mieter von den Problemen des insolventen Projektentwicklers nicht unmittelbar betroffen ist.
Im Schienenverkehr erreichte zudem erstmals eine Siemens-Vectron-Lokomotive mit einem 22-Wagen-Kokszug ohne Lokwechsel Dänemark, dank Multi-System-Zulassung für unterschiedliche Stromsysteme. Eine monatliche Verbindung auf dieser Strecke ist geplant.
Kurs nahe Rekordniveau
An der Börse spiegelt sich die insgesamt positive Grundstimmung wider. Die Siemens-Aktie schloss am Freitag bei 283,70 Euro und liegt damit nur rund 2,6 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 291,25 Euro, das erst Anfang August erreicht wurde.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 19 Prozent zu Buche, getragen von der Erwartung, dass der Konzern unter Busch strukturell auf Wachstumsthemen wie Digitalisierung und Automatisierung ausgerichtet wird.
Der Betriebsrat mahnt zwar mehr Offenheit an, stellt die Richtung des Umbaus selbst aber nicht infrage – eine Konstellation, die Anlegern zumindest kurzfristig Rückenwind gibt, auch wenn die eigentliche Bewährungsprobe für die neue Strategie erst noch aussteht.
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