Siemens Aktie: Software-Wette vor dem Rekordtest

Siemens treibt mit neuen KI-Simulationen und Zukäufen den Wandel zum Softwarekonzern voran. Die Aktie nähert sich ihrem Allzeithoch.

Die Kernpunkte:
  • Neues Simcenter-Portfolio mit KI-Simulation
  • Altair-Integration schreitet voran
  • Rechenzentren als starker Wachstumstreiber
  • Aktie notiert nahe 52-Wochen-Hoch

Siemens steht vor einer Weichenstellung. Der Konzern will sich vom zyklischen Industriekonzern zum margenstarken Software-Anbieter wandeln. Der Erfolg dieser Wette entscheidet, ob die Aktie ihr Rekordhoch bald wieder erreicht — oder daran erneut scheitert.

Altair-Integration erreicht nächste Stufe

Ende Juli 2026 hat Siemens das neue Simcenter-Portfolio vorgestellt. Es bündelt KI-gestützte Simulationstechnologien aus eigener Entwicklung mit denen von Altair Engineering. Den Spezialisten hatte Siemens im Vorjahr für rund 10,6 Milliarden US-Dollar übernommen.

Der Schritt ist Teil einer größeren Linie. Siemens hat zuletzt auch im Chip-Design zugekauft, mit den angekündigten Übernahmen von Precision Innovations und Defacto Technologies. Personell hat sich der Konzern ebenfalls neu aufgestellt: Veronika Bienert übernahm im Frühjahr den CFO-Posten von Ralf Thomas, der noch bis Jahresende beratend zur Seite steht.

Die entscheidende Kennzahl: Wiederkehrende Software-Umsätze

Für die Bewertung der Aktie zählt vor allem eine Größe: der Anteil wiederkehrender Software-Umsätze, im Fachjargon SaaS genannt. Steigt dieser Anteil deutlich, könnte der Markt Siemens ein höheres Bewertungs-Multiple zugestehen. Der Konzern bringt aktuell 206,28 Milliarden Euro auf die Waage.

Ob Anleger Siemens künftig eher wie ein Software-Unternehmen oder weiter wie einen Industriekonzern behandeln, hängt von der Xcelerator-Plattform ab. Entscheidend wird sein, wie schnell die KI-gestützten Simulationslösungen in Branchen wie Schiffbau oder Halbleiterfertigung Marktanteile gewinnen.

Bullisches Szenario: Rechenzentren als Wachstumstreiber

Für die optimistische Sicht spricht das Segment Smart Infrastructure. Das Geschäft mit Rechenzentren lief zuletzt stark. Im zweiten Quartal verbuchte Siemens hier Aufträge über 1,8 Milliarden Euro.

Hinzu kommt die starke Position bei der Netzmodernisierung im Zuge der Energiewende. Auf Jahressicht steht die Aktie mit einem Plus von 18,37 Prozent da — ein intakter Aufwärtstrend. Der RSI liegt bei 50,3 und signalisiert damit weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Das lässt Raum für weitere Gewinne, sofern der kommende Quartalsbericht die Erwartungen bestätigt.

Bärisches Szenario: Der Widerstand am Allzeithoch

Ein Risiko bleibt die Abhängigkeit von der globalen Konjunktur. Vor allem die US-Handelspolitik und mögliche Exportbeschränkungen im Hochtechnologiesektor könnten das Geschäft belasten. Charttechnisch nähert sich die Aktie mit einem Abstand von nur -4,83 Prozent erneut ihrem 52-Wochen-Hoch bei 284,75 Euro — einer Marke, die in der Vergangenheit bereits mehrfach als Widerstand fungierte.

Sollte die Integration der milliardenschweren Zukäufe länger dauern als geplant, drohen Bremsspuren. Auch eine anhaltende Nachfrageschwäche in wichtigen Automatisierungsmärkten könnte die operativen Margen im Kerngeschäft Digital Industries unter Druck setzen. In diesem Fall könnte die Aktie ihre jüngsten Gewinne wieder abgeben.

Ausblick: Die 50-Tage-Linie als Gradmesser

Kurzfristig dürfte sich alles um eine Marke drehen: den 50-Tage-Durchschnitt, an dem die Aktie mit 271,00 Euro fast punktgenau notiert. Hält diese Linie als Unterstützung, spricht vieles für einen erneuten Test des Rekordhochs. Rutscht der Kurs jedoch nachhaltig darunter, rückt der 100-Tage-Durchschnitt bei 253,88 Euro als nächste Auffanglinie in den Blick.

Der nächste konkrete Impulsgeber folgt mit den Quartalszahlen für das dritte Geschäftsquartal im Spätsommer. Anleger werden dabei besonders auf zwei Dinge achten: das Wachstumstempo im digitalen Geschäft und die Prognose für das restliche Geschäftsjahr. Beide Werte dürften zeigen, ob die Software-Wette bereits Früchte trägt.

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