Siemens Energy Aktie: 162 Milliarden Euro Auftragsbestand

Siemens Energy meldete im dritten Quartal starke Zuwächse, während Analysten Musks Turbinenpläne als Zeichen hoher Nachfrage einordneten.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt zeitweise auf 139,50 Euro
  • SpaceX plant eigene Turbinenschaufel-Produktion
  • Analysten sehen Nachfrage statt Bedrohung
  • Auftragseingang erreicht 17,9 Milliarden Euro

Siemens Energy hat zwei turbulente Handelstage hinter sich. Die Aktie fiel am Montag um bis zu 4,44 Prozent, nachdem Elon Musk angekündigt hatte, SpaceX wolle künftig eigene Turbinenschaufeln in einer Fertigungsstätte in Bastrop, Texas, produzieren.

Am Dienstag setzte sich der Abwärtstrend fort, das Papier rutschte zeitweise auf 139,50 Euro und markierte damit den tiefsten Stand seit Mitte August. Am aktuellen Handelstag notiert die Aktie bei 142,40 Euro, ein moderates Minus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 142,78 Euro.

Auslöser der Unruhe war eine Aussage Musks, wonach der limitierende Faktor für den Ausbau von Rechenzentren derzeit das Gießen von Turbinenschaufeln sei. SpaceX will die Lieferzeiten für Turbinenkomponenten laut eigenen Angaben um bis zu 18 Monate verkürzen.

Für Anleger klang das zunächst nach einem neuen Wettbewerber im lukrativen Geschäft mit Gasturbinen für Rechenzentren – einem Markt, in dem Siemens Energy nach eigenen Angaben einen Auftragsbestand von 69 Gigawatt mit Lieferzeiten von mehr als drei Jahren vor sich herschiebt.

Analysten sehen SpaceX-Pläne als Nachfragesignal, nicht als Bedrohung

Mehrere Analysehäuser widersprachen dieser Lesart in den vergangenen Tagen deutlich. JPMorgan-Analyst Phil Buller bestätigte am Dienstag und erneut am Mittwoch seine Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 245 Euro.

Seine Begründung: Die SpaceX-Pläne beträfen ohnehin nur rund zehn Prozent des Siemens-Energy-Umsatzes und seien vielmehr ein Beleg für die enorme Nachfrage nach Turbinenkapazität als ein Wettbewerbsrisiko. Die eigentliche Erfolgsgeschichte des Unternehmens liege woanders, so Buller.

Auch Jefferies bekräftigte am Montag seine „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 215 Euro und argumentierte, eine eigene Turbinenproduktion bei SpaceX sei frühestens in einigen Jahren realistisch.

Bloomberg Intelligence-Analyst Omid Vaziri ordnete die Ankündigung Musks als Bestätigung einer generellen Turbinen-Knappheit ein, die Siemens Energy durch den eigenen Kapazitätsausbau langfristig sogar bei der Marge unterstütze. Die Entwarnung der Analysten zeigte am Mittwoch bereits Wirkung: Die Aktie drehte nach zwei schwachen Handelstagen wieder ins Plus.

Rekordquartal liefert das eigentliche Fundament

Der Kursrutsch fiel ausgerechnet in eine Phase, in der die operativen Zahlen von Siemens Energy so stark ausfielen wie lange nicht. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verbuchte der Konzern nach eigenen Angaben einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro, der Auftragsbestand kletterte auf 162 Milliarden Euro.

Der Umsatz wuchs vergleichbar um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Sondereffekten hat sich auf 1,62 Milliarden Euro nahezu verdreifacht. Bemerkenswert: Die Windkraftsparte Siemens Gamesa schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis.

Das Management bestätigte daraufhin seine Jahresprognose: ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, eine operative Marge zwischen 10 und 12 Prozent sowie ein Nettogewinn von rund 4 Milliarden Euro. Auch Deutsche Bank bekräftigte vor diesem Hintergrund Ende August ihre „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 210 Euro.

Für Anleger bleibt damit ein zwiespältiges Bild: Operativ läuft es bei Siemens Energy so gut wie selten zuvor, die kurzfristige Kursreaktion auf die SpaceX-Nachricht wirkt im Rückblick der Analystenkommentare überzogen. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über bis zu 2 Milliarden Euro, das Ende September ausläuft, dürfte den Kurs zusätzlich stützen.

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