Siemens Energy Aktie: 17,7 Milliarden Auftragseingang

Siemens Energy vermeldet Rekordaufträge und hebt Prognose an, während der Aktienkurs unter Abgabedruck und Gamesa-Sorgen leidet.

Die Kernpunkte:
  • Neuer Auftragsrekord von 17,7 Milliarden Euro
  • Jahresprognose für Umsatz und Marge angehoben
  • Gamesa nähert sich der Gewinnzone
  • Kurs unter Druck durch Siemens-Anteilsverkäufe

Siemens Energy meldet Rekordaufträge. Die Börse quittiert das mit Kursverlusten. Genau dieser Widerspruch macht die Aktie gerade zum Spiegelbild eines größeren Problems: Der Markt traut dem Energiewende-Versprechen offenbar nicht mehr blind.

Am Freitag fällt der Kurs um 1,23 Prozent auf 145,00 Euro. Auf Monatssicht steht ein Minus von 9,09 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie trotzdem 20,43 Prozent im Plus. Der kurzfristige Rückschlag ändert am langfristigen Bild wenig.

Das Geschäft läuft besser als der Kurs

Siemens Energy baut Technik für Stromnetze, Kraftwerke und die Dekarbonisierung. Genau diese Kombination macht den Konzern zum Nutznießer eines Trends, der sich nicht wegdiskutieren lässt: Windparks brauchen Netzanschluss, Fabriken brauchen Strom, und beides muss schnell wachsen.

Die Sparte Grid Technologies liefert dafür die Leitungstechnik. Gas Services deckt als Brückentechnologie die Übergangszeit ab. Beide Bereiche melden Rekordaufträge und haben ihre Prognosen für 2026 angehoben. Die Produktionskapazitäten für Gasturbinen sind bis 2028 fast ausgebucht, erste Buchungen für 2030 liegen bereits vor.

Gamesa bleibt der Wackelkandidat

Ein Segment passt nicht ins positive Bild: die Windkrafttochter Siemens Gamesa. Qualitätsprobleme bei neueren Landplattformen kosteten den Konzern in der Vergangenheit massive Rückstellungen. Der Turnaround läuft, Gamesa nähert sich der Gewinnschwelle – aber der Beweis fehlt noch.

Das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 zeigt trotzdem, wie stark der Rest des Konzerns zieht. Der Auftragseingang kletterte auf 17,7 Milliarden Euro, ein neuer Konzernrekord. Siemens Energy hebt deshalb die Jahresprognose an: 14 bis 16 Prozent vergleichbares Umsatzwachstum, eine operative Marge von 10 bis 12 Prozent. Der Auftragsbestand erreicht mit rund 154 Milliarden Euro ein Rekordniveau.

Diese Zahlen sichern die Sicht auf die kommenden Jahre ab. Sie erklären aber nicht, warum der Kurs seit Monaten schwächelt.

Was den Kurs wirklich belastet

Die Antwort liegt teils außerhalb der Bilanz. Siemens, der Mutterkonzern, reduziert seine Beteiligung schrittweise – jeder Verkauf bringt zusätzliches Angebot an die Börse und drückt kurzfristig auf den Kurs. Hinzu kommt eine ungewöhnlich breite Streuung bei den Einschätzungen der Investmentbanken: Die einen loben die operative Stärke, die anderen bleiben wegen der Bewertung und der ungelösten Gamesa-Frage vorsichtig.

Die Marktdaten liefern zumindest ein Signal für Stabilisierung. Die Aktie notiert 25,85 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,54 Euro vom 24. April 2026. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand aber nur noch 0,82 Prozent – der Kurs nähert sich damit wieder seinem langfristigen Mittel an, statt weiter davon abzudriften.

Siemens Energy steht damit an einem Punkt, an dem operative Stärke und Kursverlauf auseinanderlaufen. Setzt Gamesa den Turnaround fort und verkauft Siemens seine Anteile in einem geordneten Tempo, dürfte sich die Lücke zwischen Rekordauftragsbestand und Aktienkurs wieder schließen. Bis dahin bleibt das Papier anfällig für jede neue Enttäuschung aus der Windkraftsparte.

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