Siemens Energy Aktie: 17,7 Milliarden Auftragseingang

Vor den Q3-Zahlen am 5. August klafft die Kurszielspanne bei Siemens Energy weit auseinander. Der Rekordauftragseingang setzt hohe Erwartungen.

Die Kernpunkte:
  • Kurszielspanne von über 100 Euro
  • Rekordauftragseingang im zweiten Quartal
  • Gasturbinen bis 2028 ausgebucht
  • Fragezeichen bei Siemens Gamesa Cashflow

Zwischen den Kurszielen der großen Analysehäuser liegen bei Siemens Energy inzwischen mehr als 100 Euro Differenz. So uneinig war die Wall Street selten. Am 5. August muss der Konzern liefern – dann kommen die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal.

Erholung nach turbulenten Wochen

Die Aktie hat sich zuletzt kräftig erholt. Am Freitag schloss das Papier bei 149,20 Euro, ein Plus von 2,33 Prozent zum Vortag. Auf Monatssicht bleibt dennoch ein Minus von 7,88 Prozent stehen – die Nervosität der vergangenen Wochen wirkt nach.

Ausgelöst hatte die Schwäche im Juli ein schwacher Quartalsbericht eines amerikanischen Windenergie-Konkurrenten. Der Markt reagierte nervös und zog viele Branchentitel mit nach unten. Seit Jahresbeginn steht die Aktie trotz allem mit einem Plus von 23,92 Prozent da.

Analysten so gespalten wie selten

Die Meinungen zur weiteren Richtung gehen deutlich auseinander. JPMorgan sieht das größte Potenzial mit einem Kursziel von 235 Euro. Jefferies folgt mit 215 Euro, RBC mit 210 Euro. UBS-Analyst Christopher Leonard hob sein Ziel jüngst von 175 auf 210 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung.

Auf der Gegenseite steht die Sorge vor einem Zyklushoch. Barclays hatte die Aktie Anfang Juli herabgestuft. Die Begründung: Der Boom könnte seinen Höhepunkt bereits erreicht haben.

Bemerkenswert am Timing: Am selben Tag meldete Siemens Energy einen Großauftrag aus dem Oman. Rund 2,6 Gigawatt Kraftwerksleistung für die Projekte Misfah und Duqm standen auf der Bestellliste. Die Skepsis kam damit ausgerechnet dann, als das operative Geschäft neue Stärke zeigte.

Rekordauftragseingang setzt hohe Messlatte

Im zweiten Geschäftsquartal hatte Siemens Energy einen Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro gemeldet – ein Allzeithoch. Der Analystenkonsens hatte nur mit rund 15,6 Milliarden Euro gerechnet. Der Konzern hob daraufhin seinen Ausblick an.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Siemens Energy nun ein vergleichbares Umsatzwachstum zwischen 14 und 16 Prozent. Die Marge vor Sondereffekten soll zwischen 10 und 12 Prozent liegen, der Nettogewinn bei rund 4 Milliarden Euro.

Für das dritte Quartal rechnen Analysten erneut mit einem Auftragseingang über dem Konsens – im Schnitt zwei Prozent darüber. Bei Gas Services beträgt der erwartete Vorsprung fünf Prozent, bei Grid Technologies sieben Prozent. Ein Fragezeichen bleibt die Windtochter Siemens Gamesa: Sie meldete im zweiten Quartal einen freien Cashflow von minus 654 Millionen Euro, nach minus 333 Millionen Euro im Vorjahr.

Gasturbinen bleiben der Wachstumstreiber

Rückenwind liefert weiterhin das Gasturbinengeschäft. Die steigende Stromnachfrage durch Rechenzentren treibt die Bestellungen an. Zum Ende des zweiten Quartals lag der Auftragsbestand bei rund 60 Gigawatt, der Konzern ist bis zum Geschäftsjahr 2028 ausgebucht.

Bis Ende des Geschäftsjahres 2026 rechnet Siemens Energy mit insgesamt 90 bis 100 Gigawatt an Commitments aus Aufträgen und Reservierungen. Die Slots für 2029 und 2030 füllen sich bereits schnell.

Am 5. August zeigt sich, ob der Konzern seinen Rekordkurs beim Auftragseingang fortsetzt und ob Siemens Gamesa den Cashflow verbessert. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen den weit auseinanderliegenden Kurszielen von JPMorgan und Barclays gefangen.

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