Siemens Energy Aktie: 20 Turbinen für Babcock & Wilcox

Siemens Energy sichert sich Großaufträge für Turbinen und Netzkomponenten, plant Produktionsausbau um 50 Prozent und berät über die Zukunft der Industriesparte.

Die Kernpunkte:
  • Zwei Großaufträge für Turbinen und Kompressoren
  • Kapazitätsausbau um 50 Prozent geplant
  • Aufsichtsrat berät über Spartenabspaltung
  • Aktie seit Jahresbeginn um 34 Prozent gestiegen

Siemens Energy sammelt weiter Aufträge im Milliardenbereich ein, während der Aufsichtsrat sich auf eine strategische Weichenstellung vorbereitet. Innerhalb weniger Tage meldete der Energietechnikkonzern gleich zwei bedeutende Vertragsabschlüsse, die die anhaltend hohe Nachfrage nach Energieinfrastruktur belegen – vor allem aus dem Umfeld von Rechenzentren und der Öl- und Gasindustrie.

Milliardendeal mit Babcock & Wilcox und Auftrag aus Brasilien

Babcock & Wilcox schloss am Dienstag eine Vereinbarung mit Siemens Energy über die Lieferung von 20 Dampfturbinengeneratorsätzen mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt. Die Turbinen sind für Projekte im Bereich KI-Rechenzentren vorgesehen – ein Marktsegment, das wegen des enormen Stromhungers der Datenzentren derzeit als einer der wichtigsten Wachstumstreiber für Energietechnik-Ausrüster gilt.

Parallel dazu beauftragte der niederländische Plattformbetreiber SBM Offshore Siemens Energy am Montag mit der Lieferung von 16 modularen Systemen zur Stromerzeugung und Gaskompression.

Die Systeme kommen auf zwei FPSO-Schiffen von Petrobras vor der brasilianischen Küste zum Einsatz, den Fördereinheiten P-81 und P-87. Beide Aufträge zeigen, wie breit die Nachfrage nach Siemens-Energy-Technologie inzwischen gestreut ist – von der Öl- und Gasförderung bis zur Stromversorgung von Rechenzentren.

Kapazitätsausbau als Antwort auf die Nachfrage

Am Donnerstag kündigte Konzernchef Christian Bruch an, die Fertigungskapazitäten für Transformatoren und gasisolierte Schaltanlagen bis zum Jahr 2030 um rund 50 Prozent auszubauen. Treiber ist vor allem die Nachfrage aus den USA, wo der Ausbau von Stromnetzen und Rechenzentren die Infrastruktur an ihre Grenzen bringt.

Der Schritt unterstreicht, dass Siemens Energy nicht nur auf Auftragseingänge reagiert, sondern gezielt in zusätzliche Produktionskapazität investiert, um die Wachstumsdynamik langfristig zu halten.

Diese Investitionsentscheidung fällt in eine Phase, in der der Konzern operativ auf breiter Front zulegt. Erst vor gut einer Woche hatte Siemens Energy Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2026 vorgelegt, die den Auftragstrend bestätigten: Der Auftragseingang stieg auf 17,93 Milliarden Euro, der Umsatz kletterte auf 11,45 Milliarden Euro. Die Aktie legte seither um 4,7 Prozent zu.

Aufsichtsrat entscheidet über Sparten-Zukunft

Die neuen Aufträge und der Kapazitätsausbau fallen in eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit für die Konzernstruktur. Für den 25. August ist eine Sondersitzung des Aufsichtsrats angesetzt, in der über eine mögliche Abspaltung der Sparte „Transformation of Industry“ beraten werden soll. Investoren fordern die Trennung, weil die Sparte im Vergleich zu den margenstärkeren Kerndivisionen – etwa dem Gasturbinengeschäft – schwächer abschneidet.

Sollte der Aufsichtsrat sich für eine Abspaltung entscheiden, könnte sich der Konzern künftig stärker auf die margenstarken Bereiche Gasturbinen, Netztechnik und Windkraft über Siemens Gamesa konzentrieren. Die jüngsten Aufträge aus dem Turbinen- und Netzgeschäft liefern dafür zusätzliche Argumente, da sie zeigen, wie stark gerade diese Segmente derzeit nachgefragt werden.

Kurs nahe dem Rekordhoch

Der Aktienkurs spiegelt die positive Grundstimmung wider. Am Donnerstag schloss das Papier bei 161,24 Euro, nach einem Tagesminus von 1,1 Prozent. Auf Sicht von sieben und 30 Tagen steht dennoch ein Plus von jeweils rund 5 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 34 Prozent verteuert.

Zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April markiert wurde, fehlen der Aktie noch 17 Prozent – Spielraum, der angesichts der Auftragsdynamik und der anstehenden Strukturentscheidung im Fokus der Anleger bleiben dürfte.

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