Siemens Energy Aktie: 25. August entscheidet über Transformation-Sparte

Trotz gesenktem Kursziel von RBC: Siemens Energy glänzt mit Rekordaufträgen und profitabler Windsparte. Entscheidung über Industriesparte steht bevor.

Die Kernpunkte:
  • RBC bestätigt Outperform-Einstufung
  • Rekordauftragseingang von 17,9 Milliarden Euro
  • Windsparte Gamesa erstmals wieder profitabel
  • Aufsichtsrat berät über Spartenabspaltung

RBC Capital Markets hat heute das Kursziel für Siemens Energy von 210 auf 200 Euro gesenkt, die Einstufung „Outperform“ aber bestätigt. Auf den ersten Blick ein Dämpfer. Für mich ist das aber die am wenigsten interessante Nachricht des Tages – und genau das macht sie bemerkenswert.

Ein Kursziel-Schnitt, der kaum etwas über das Geschäft aussagt

Ein Institut, das seine Zielmarke kappt und gleichzeitig an der positiven Einstufung festhält, sendet ein gemischtes Signal: Die operative Story stimmt weiterhin, die Bewertung war zwischenzeitlich einfach zu ambitioniert gelaufen. Das passt zum Kursverlauf der vergangenen Woche, in der die Aktie rund 4,5 Prozent verloren hat und sich mit aktuell 154,06 Euro rund 21 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro bewegt.

Wer nur auf diese Zahl schaut, könnte Zweifel am Aufwärtstrend bekommen. Ich lese es anders: Nach einem Kursplus von 67 Prozent auf Zwölfmonatssicht und 28 Prozent seit Jahresbeginn ist eine Verschnaufpause keine Überraschung, sondern überfällige Normalität.

Interessanter ist, was die Substanz hinter den Kurszielen trägt. Die Zahlen zum dritten Quartal, vorgelegt am 6. August, zeigen einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 11,4 Milliarden Euro. Die einstige Problemsparte Siemens Gamesa hat erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis erzielt.

Wer die Historie von Siemens Energy kennt, weiß, welches Gewicht dieser Satz trägt: Gamesa war jahrelang der Klotz am Bein des Konzerns. Dass ausgerechnet diese Einheit jetzt zum Namenswechsel „Omterra“ übergehen soll, um Lizenzgebühren an die Siemens AG zu sparen, wirkt für mich wie ein Konzern, der seine wiedergewonnene Stärke auch bilanziell nutzen will.

Project Voyager: Der eigentliche Prüfstein

Am 25. August entscheidet der Aufsichtsrat in einer Sondersitzung über die mögliche Abspaltung der 5,7 Milliarden Euro schweren Industriesparte „Transformation of Industry“. Geprüft wird laut Berichten des manager magazins zunächst der Verkauf von 60 Prozent der Anteile an dieser Einheit mit 17.000 Beschäftigten.

Arbeitnehmervertreter wehren sich gegen eine mögliche Zerschlagung einer Sparte, die profitabel arbeitet. Das ist der eigentliche Knackpunkt für mich: Ein Konzern trennt sich selten leichtfertig von einem Geschäftsbereich, der Geld verdient – es sei denn, er glaubt, dass die Kapitalmärkte die Summe der Teile höher bewerten als das Ganze.

Genau diese Wette treibt derzeit die Debatte um Siemens Energy. Die konzernweite Rebranding-Initiative zu „Omterra“ und die mögliche Abspaltung sind zwei Seiten derselben Medaille: ein Unternehmen, das sich von seiner Siemens-Vergangenheit löst und als eigenständige Energie-Infrastrukturgruppe positionieren will. Ob das gelingt, hängt weniger von der Marke ab als davon, ob das operative Fundament trägt.

Und hier sehe ich mehr Substanz als Risiko. Der Konzern hat die angehobene Prognose für das Geschäftsjahr 2026 mit einem Gewinn nach Steuern von rund 4 Milliarden Euro und einer Marge von 10 bis 12 Prozent bestätigt. Analystenschätzungen gehen von einem Sprung des Nettogewinns je Aktie auf 4,35 Euro zu, nach 1,64 Euro im Vorjahr – mehr als eine Verdopplung.

Dazu passt der Vertrag mit Babcock & Wilcox über 20 Dampf-Turbogeneratoren-Sets mit 1 Gigawatt Leistung für Rechenzentren, unterzeichnet am 11. August: ein weiterer Beleg dafür, dass die Nachfrage nach Energieinfrastruktur für Rechenzentren real ist und nicht nur ein Schlagwort.

Unterm Strich

Das gesenkte RBC-Kursziel ist Rauschen, kein Signal. Die eigentliche Frage lautet, ob der Konzern die operative Stärke – Rekordauftragseingang, profitable Windsparte, bestätigte Gewinnprognose – in eine überzeugende Konzernstruktur übersetzt.

Die Sondersitzung am 25. August wird zeigen, wie ernst es dem Management mit der Neuausrichtung ist. Für mich überwiegen aktuell die Argumente, dass die fundamentale Entwicklung solider ist als es die kurzfristige Kursschwäche vermuten lässt – auch wenn die hohe Volatilität von 54 Prozent auf Sicht von 30 Tagen zeigt, dass der Markt in dieser Übergangsphase nervös bleibt.

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